Klinik und Start-up: Geht das?

Shownotes

Nach dem Medizinstudium wird man Ärztin – meistens zumindest. Dr. Malina Helms hat sich aber schon früh gefragt, ob das wirklich der Weg ist, den sie beschreiten will. Deshalb hat sie neben ihrer Weiterbildung auch immer wieder Start-ups im medizinischen Bereich beraten, später hat sie die Klinik sogar ganz verlassen und ist in die Strategieberatung gewechselt. Doch sie hat schnell gemerkt: Die Arbeit im Krankenhaus fehlt ihr, deshalb arbeitet sie inzwischen wieder als Ärztin in Weiterbildung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Vivantes Klinikum Neukölln. Warum sie den Wechsel in die Beratung dennoch nicht bereut und wie sie sich ihre Arbeit in Zukunft vorstellt, darüber spricht sie in dieser Folge mit Julia Rotherbl.


Weitere Infos und Links:

Infos rund um Endometriose: https://www.endometriose-doc.de/


Im Podcast „Frau Doktor, übernehmen Sie!“ erzählen Frauen aus der Medizinbranche, wie sie dort Karriere gemacht haben. Dazu spricht Julia Rotherbl, Chefredakteurin der „Apotheken Umschau“, mit Frauen, die in Führungspositionen arbeiten, die Herausforderungen gemeistert haben oder an ihnen gescheitert sind. Es geht um Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Sexismus, männliche Netzwerke, mangelnde Vorbilder oder verschiedene Arbeitsmodelle. Das Ziel: Euch zu inspirieren und ermutigen, Euren eigenen Weg zu finden.

An jedem ersten Montag im Monat erscheint eine neue Folge. Habt Ihr Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibt uns gerne an redaktion@gesundheit-hoeren.de

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Redaktion: Julia Rotherbl, Constanze Radnoti, Kareen Seidler; Schnitt und Post-Produktion: Constanze Radnoti, Benedikt Möltner, Yves Seißler; Chefredakteur: Peter Glück


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00:00:00: DR. MALINA HELMS: Und einmal diesen Ausflug in die Beratung zu machen und festzustellen, dass nicht überall immer alles nur besser läuft als in der Klinik, hat mir total geholfen festzustellen, ich möchte Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe werden. JULIA ROTHERBL: Studium, Weiterbildung an einer Klinik, dann irgendwann erster Job an der Klinik, vielleicht Eröffnung einer eigenen Praxis. Das sind so die klassischen Karrierewege von Ärztinnen und Ärzten, wie man sich das so vorstellt. Meine heutige Gästin hat diesen Weg relativ früh verlassen beziehungsweise so Seitenstränge für sich aufgemacht. Sie hat nebenher als Medical Advisor für Start-ups gearbeitet. Und ich will heute mit ihr über diese spannenden Erfahrungen sprechen. Meine Gästin ist Dr. Malina Helms, Ärztin in Weiterbildung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Vivantes Klinikum Neukölln. Und sie verrät uns heute, was so einen Klinikalltag von einem Start-up-Job unterscheidet, positiv wie negativ, wie unterschiedlich die Teams in diesen Bereichen ticken und wie der eine Bereich von dem anderen profitiert. Malina, ich sag herzlich willkommen bei „Frau Doktor, übernehmen Sie!“ Schön, dass Du heute hier bist. DR. MALINA HELMS: Danke für die Einladung, Julia. JULIA ROTHERBL: Sehr gerne. Mein Name ist Julia Rotherbl. Ich bin Chefredakteurin der Apotheken Umschau und wünsche euch jetzt ganz viel Spaß beim Zuhören. SPRECHERIN: Frau Doktor, übernehmen Sie! Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro. KAPITEL – Was macht eine Ärztin in einem Start-up? JULIA ROTHERBL: Malina, man geht ja so klassischerweise davon aus, dass jemand, der Medizin studiert, dann irgendwann in der Klinik arbeitet oder eine Praxis aufmacht. Du hast schon relativ früh auch andere Dinge ausprobiert, die man mit einem Medizinstudium machen kann. Du hast unter anderem als Medical Advisor für eine Influencerin gearbeitet, auch bei Start-ups, auch bei einer Beratungsagentur. Wie kam es denn dazu, dass du dich entschieden hast, noch andere Wege auszutesten? DR. MALINA HELMS: Genau, also ich arbeite ja tatsächlich ganz klassisch als Ärztin aktuell in der Klinik und habe auch nach dem Studium nach einem kurzen Ausflug in die Impfwelt, also es war ja die Covid-Pandemie und ich habe da 10 Monate als Impfärztin sehr aktiv mitgearbeitet, aber bin dann ganz klassisch den Weg in die Klinik gegangen als Gynäkologin, in der Gynäkologie und Geburtshilfe und habe aber nebenher dann als Medical Advisor für Start-ups gearbeitet. Das ist damals ein bisschen so zufällig entstanden. Das war im letzten Jahr von meinem Medizinstudium, da hatte mir eine Freundin geschrieben, dass eine Influencerin auf Instagram jemanden sucht, der so über frauenspezifische Erkrankungen und Themen aufklärt beziehungsweise für sie die einfach verständlich erklärt. Und ich hatte damals mit Social Media eigentlich noch so gar nichts am Hut, bin dann in Kontakt mit ihr getreten und hab gemerkt, dass mir das total Spaß macht, spezifische Erkrankungen, die schwer verständlich sind, einfach zu verpacken. Und zum Beispiel über Endometriose, was ist eigentlich Endometriose? Wem betrifft das? Wie äußert sich das? Und hab dann für sie die leicht verpackt für Social Media aufbereitet. Das war so der erste Berührungspunkt, wo ich gemerkt habe, man kann ja Frauen auch noch, oder Menschen, auch anders helfen als nur als klassische Ärztin in der Klinik oder in der Praxis. JULIA ROTHERBL: Aber war es tatsächlich dann einfach dieser Moment, dass dir das jemand erzählt hat oder war es nicht so, dass du vielleicht auch generell, also man muss ja dann auch für so ein Angebot irgendwie offen sein, generell gedacht hast, vielleicht ist dieses klassische Klinikding am Ende gar nicht meins. DR. MALINA HELMS: Ja, das war auch ein Gedanke, den ich hatte. Man merkt ja schon auch im Studium, im Medizinstudium, was für eine Belastung auf Ärztinnen und Ärzten liegt. Also nachts arbeiten, am Wochenende arbeiten, an Feiertagen arbeiten, meistens deutlich mehr als 40 Stunden die Woche, dann auch die emotionale Belastung, die dazukommt, wenn man schwierige Fälle im Krankenhaus sieht oder auch in der Klinik sieht. Das ist ja schon auch ein Job, der sehr, sehr viel von einem fordert. Und ich würd schon sagen, dass ich auch ein Mensch bin, der sehr viele verschiedene Interessen hat und sehr viele Dinge gerne ausprobiert. Und da war dann dieser Weg auch in die Start-up-Welt so die perfekte Lösung auch für mich zu sehen, was es halt noch für Wege gibt, Frauen, also spezifisch Frauen, jetzt die Gesundheit zu verbessern. Und ich sag mal so, als Ärztin kann ich ja so und so viele Patientinnen am Tag sehen. Also, ich hab, sagen wir mal, eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde pro Patientin. Das heißt, irgendwann ist ja auch, also ich tausche mal Zeit gegen Patientin sozusagen. Also, ich hab nur so diese spezifische Zeit für die Patientin. Wenn man jetzt aber in die Start-up-Welt geht und dort zum Beispiel Produkte entwickelt, so was wie Apps oder Onlineprogramme, dann kann man damit nicht nur am Tag 30 Frauen helfen, sondern rein theoretisch 1.000 Frauen helfen. Und das hat mich auch so fasziniert, diese Skalierbarkeit von digitalen Lösungen und Anwendungen. JULIA ROTHERBL: Du warst ja vorher in der Klinik und bist auch jetzt wieder in der Klinik. Was sind denn so im Arbeitsalltag …? Klar, grundsätzlich ist es natürlich eine andere Form von Arbeit. Man läuft nicht durch einen Gang mit Patientenzimmern und sitzt wahrscheinlich vor allem am Laptop oder so, aber so diese ganze Arbeitsatmosphäre und so, was waren die größten Unterschiede so für dich? DR. MALINA HELMS: In der Klinikwelt würde ich sagen, gibt es sehr feste Strukturen, die etabliert sind, sehr exakte Vorgaben und das ist ja auch wichtig und richtig, dass das so ist, weil man muss ja einen bestimmten Standard und eine bestimmte Qualität halten. Deswegen ist das total sinnvoll, dass man auch gute, feste Strukturen hat. Nur, wenn man dann voller Neugier und Enthusiasmus in dieses System reinkommt und irgendwie Lust hat, das Gesundheitssystem positiv zu beeinflussen, dann hab ich halt gemerkt, dann rennt man manchmal gegen so verschlossene Türen, weil eine Veränderung im Gesundheitssystem zu bewirken, ist super schwierig als Ärztin. Wir sind auch nicht eigentlich diejenigen, die das System verändern, am Ende. Wir sind ja diejenigen, die es ausführen. Und das hat mich teilweise auch sehr frustriert, zu merken, dass ich irgendwie das Gefühl hatte, ach, da gibt's doch Stellen, wo man irgendwie Dinge verbessern kann, aber ich da keinen Einfluss drauf hatte. Und so kam ich dann auch auf die Start-ups, weil in Start-ups sieht man ein Problem und möchte eine Lösung finden. Und dann arbeitet man daran, diese Lösung zu finden. Und das hat mich so fasziniert, dann als Medical Advisor in Start-ups selbst mit an dieser Kreierung der Lösung wirken zu dürfen und zu können. JULIA ROTHERBL: Ist es denn nicht auch so, dass, also ich stelle es mir zumindest so vor, dass Hierarchien vielleicht flacher sind, man mehr auf Augenhöhe arbeitet als in Kliniken, die ja schon, das haben wir auch im Podcast an mehreren Stellen oder eigentlich sehr oft gehört, sehr klare Hierarchiestufen haben? DR. MALINA HELMS: Ja, ich denke aber auch, dass das im Krankenhaus wichtig ist, dass es eine Art von Hierarchie gibt. Hierarchie finde ich jetzt nicht nur immer negativ. Also man muss ja zum Beispiel in Notfallsituationen wissen, wer ist jetzt die Person, die hier entscheidet? Wer ist die Person, die Anweisungen gibt? Wenn alle auf der gleichen Stufe sind, das wär ja nicht sinnvoll in dem Moment. Und zum Beispiel in der Klinik, wo ich jetzt bin, finde ich die Hierarchien sehr, also beziehungsweise es gibt eine Hierarchie, aber ich finde, die Oberärzte sind super zugänglich. Also es ist alles auf Augenhöhe. Natürlich weiß man, wie die Hierarchiestufen sind, aber trotzdem ist es ein sehr gemeinschaftliches Miteinander. Und in Start-ups ist es natürlich noch mal ganz anders. Das ist eine, da gibt es keine Hierarchien. Da muss man ja ganz viele Prozesse erst mal neu entdecken oder strukturieren. Und dadurch gibt es meistens eher weniger Hierarchien, aber natürlich, wenn's dann aus dem Start-up ein Scale-up wird, auch da gibt's dann die Hierarchiestufen natürlich, dass es Führungspositionen gibt und dadurch auch wieder Hierarchiestufen entstehen. Aber es ist natürlich ein anderes Miteinander als in der Klinik. JULIA ROTHERBL: Du warst bei Start-ups, die sich mit Frauengesundheit beschäftigen. Ich war mal bei einem Femna-Event und ich glaube tatsächlich, dass da fast ausschließlich Frauen arbeiten. Und wahrscheinlich ist es im Klinikumfeld, wobei Vivantes dabei natürlich immer son bisschen … ja, aber im Klinikumfeld ist es wahrscheinlich eher so, dass man auch quasi mit gemischten Teams zu tun hat. Hat das auch ein Unterschied gemacht für dich? DR. MALINA HELMS: Ich arbeite ja in der Gynäkologie und Geburtshilfe und ich war jetzt in 3 Kliniken und in der ersten Klinik waren wir nur Frauen und der Chefarzt. In der zweiten Klinik gab's zwar einen anderen Assistenzarzt und einen Oberarzt und einen Chefarzt. Das war schon bisschen gemischter. Aber jetzt in der Klinik, wo ich arbeite, sind wir auch nur Frauen und ein männlicher Chefarzt. Also, ich arbeite super gern mit Frauen tatsächlich zusammen und ich hab auch super gerne Frauen als Patientinnen. Deswegen macht mir das total Spaß, in diesen Umfeldern zu arbeiten. Natürlich ist es auch in der Femtech-Welt so, dass hauptsächlich Frauen in diesen Bereichen arbeiten. Ich glaube einfach, weil die intrinsische Motivation so hoch ist. JULIA ROTHERBL: Ja. Aber ist jetzt auch schon lustig, dass Du sagst, „Es gab eigentlich fast nur Frauen und den Chefarzt“, „und dann wir waren fast nur … und der Chefarzt“. Also man merkt halt, dass es dann auf irgendeiner Hierarchiestufe in der Klinik dann doch halt männlich wird. DR. MALINA HELMS: Ja, aber ich hab das Gefühl, dass sich das auch aktuell in einer Änderungsphase befindet, dass mehr Frauen auch Chefärztinnen werden wollen und dass es auch mehr die Möglichkeiten dazu gibt. JULIA ROTHERBL: Willst Du denn selber Chefärztin werden? DR. MALINA HELMS: Sehr gute Frage. Es gibt sehr viele Zukunftsperspektiven, die ich habe. Chefärztin zu werden, ist aktuell nicht einer der Punkte, die ich mir jetzt so vorgenommen habe. Ich glaub, ein Grund ist: ich mag das total gerne so selbstwirksam zu arbeiten und ich liebe es, in diesen Start-ups auch zu arbeiten. Und das ist eine Sache, die ich mir für die Zukunft sehr gut vorstellen kann, dass ich da eine Mischung finde aus der klassischen Medizin, aber kombiniert mit Innovation im Gesundheitswesen, vor allem für Frauen, und da ein hybrides Modell für mich zu finden, wo ich auch größtenteils selbstständig arbeiten kann und so dann halt meine eigenen Gedanken und Ideen, wie man halt die Frauengesundheit verbessern kann, auch umsetzen kann. Und das ist so der Weg, den ich für meine Zukunft aktuell sehe. JULIA ROTHERBL: Vielleicht magst Du unsere Hörerinnen mal mitnehmen und erklären, was man als Medical Advisor eigentlich so tut, also was da die Aufgaben sind und die Rolle ist? DR. MALINA HELMS: Ja, gerne. Das ist natürlich, was man in Start-ups tut, als Medical Advisor komplett unterschiedlich. Also es kommt ja immer darauf an, in welchem Start-up ist man, was für eine Lösung wollen die finden, was sind gerade die Probleme? Ich glaub, jeder, der bisschen sich mit Start-ups auskennt, weiß, dass man das immer nicht so ganz konkret festlegen kann, was man in dieser Rolle tut. Aber ich kann dir mal erzählen, was ich in den Start-ups bisher getan hab. Das war, ich hab einmal für Femna gearbeitet. Das ist eine Onlineplattform oder auch App, die sich spezifisch um Zyklusbeschwerden handelt beziehungsweise es gibt auch noch andere Themen, aber an den Themen, wo ich damals mitgearbeitet habe, waren vor allem Zyklusbeschwerden. Und da haben wir dann zusammen mit einer anderen Ärztin ein leitliniengetreues Programm entwickelt, was Endometriose behandelt oder auch PMS. Genau und da haben wir die Leitlinien gelesen, geschaut, was hilft Frauen mit Endometriose? Welche Ernährung ist gut für die? Welche Sportarten sind für Frauen mit Endometriose gut? Und haben darauf basierend ein Programm entwickelt, haben mit Expertinnen und Experten gesprochen, wir haben ein Kochbuch da rein entwickelt, wir haben Kurse mit Yogaübungen gemacht. JULIA ROTHERBL: Okay, also Du hast quasi dein medizinisches Wissen eingebracht. DR. MALINA HELMS: Ja. Genau. JULIA ROTHERBL: Ging's auch darum, wie man Ärztinnen überhaupt dazu bringt, Frauen dieses Programm anzubieten? DR. MALINA HELMS: Das Programm von Femna wurde, als das dann fertig war, durch Selektivverträge durch die Krankenkasse den Patientinnen angeboten. Das heißt, es gibt ja entweder Start-ups, die DiGAs entwickeln. DiGAs sind Apps auf Rezept. Das heißt, die kann man durch jede Krankenkasse bekommen. Oder es gibt die Möglichkeit für Start-ups, über Selektivverträge mit den Krankenkassen in Kontakt zu treten und so, dass die Patientinnen dann die Kurse kostenfrei machen können. Und das hat Femna gemacht und darüber haben wir dann den Patientinnen die Kurse angeboten. JULIA ROTHERBL: Okay. Und dann warst Du noch bei The Blood. DR. MALINA HELMS: Genau, dann war ich noch bei The Blood als Medical Advisor. The Blood hat sich als Ziel gesetzt, einen Test aus Menstruationsblut zu entwickeln und das finde ich total spannend, weil man kann ja alles Mögliche am Körper testen. Man kann Urin testen, Speichel, Stuhl, Haare, Schweiß, aber irgendwie ist noch nie jemand auf die Idee gekommen, Menstruationsblut zu testen und ich denke, das hat was damit zu tun, dass die Forschung ja viele, viele Jahre lang hauptsächlich männliche Forscher hatte und dadurch natürlich auch das Interesse an männlichen Forschungsgebieten höher war und niemand so richtig auf die Idee gekommen ist, mal Menstruationsblut zu testen. Und was aber total spannend ist, dass im Menstruationsblut über 300 Proteine gefunden wurden, die spezifisch nur im Menstruationsblut zu finden sind. Und The Blood möchte jetzt einen Test entwickeln, um dieses Menstruationsblut zu testen und zu schauen, was können wir eigentlich da alles rausfinden. Zum Beispiel gibt es spezifische Marker für Endometriose, aber auch so was wie Gebärmutterhalskrebs oder bei Kinderwunsch, all das versteckt sich sozusagen in diesem Menstruationsblut. JULIA ROTHERBL: Okay und was war dann dort deine Aufgabe? DR. MALINA HELMS: Da war meine Aufgabe, dass die eine Studie entwickelt haben, um zu schauen, also eine Validierungsstudie, und ich dann mit dabei war, dieses Studie mit zu entwickeln und zu überlegen, okay, welche Biomarker kommen eigentlich in diesen Menstruationsbluttest rein? Welche sollten wir lieber rauslassen? Was macht eigentlich medizinisch Sinn? Und natürlich auch für deren Website Artikel zu verfassen: Was ist Endometriose? Was ist Östrogen? Was ist Progesteron? Was sind Menstruationsbeschwerden? JULIA ROTHERBL: Du hast ja beide Dinge, also sowohl bei The Blood als auch bei Femna quasi nebenher gemacht, hab ich das richtig gesehen? DR. MALINA HELMS: Genau. JULIA ROTHERBL: Jetzt hat man ja so irgendwie von außen so den Blick auf dieses Ärzt*innen-System, dass man eigentlich das Gefühl hat, wo nehmen die noch die Zeit her für sowas oder für zum Beispiel ein Ehrenamt? Du hast ja vorher selber auch angesprochen: Nachtschichten, Überstunden, Wochenenddienste und so weiter. Wie hast du das organisiert, dass das nebenher für dich möglich war? DR. MALINA HELMS: Ich hab das damals so organisiert. Ich hab in der Klinik angefangen zu arbeiten, mit ner 100 Prozent Stelle. Wir aber … das war so eine mittelgroße Klinik und es ist ja so, dass die Dienste zählen zusätzlich zur Arbeitszeit. Also Dienste sind keine Arbeitszeit. Dadurch ist das für uns normal, 50, 60 Stunden teilweise die Woche zu arbeiten. Und wir waren nicht ganz so viele Assistenzärztinnen und mussten aber relativ viele Dienste machen. Und dadurch hat uns dann der Chef irgendwann gefragt, ob wir nicht alle auf 80 Prozent reduzieren wollen, weil dadurch hätten wir dann mehr Assistenzärztinnen, die dann durchschnittlich insgesamt ein bisschen weniger Dienste machen müssen und so eine niedrigere Dienstbelastung haben. Und genau zu dem Zeitpunkt, wo der Chef uns das oder uns vorgeschlagen hat beziehungsweise auch drum gebeten hat, ob wir nicht auf 80 Prozent reduzieren könnten, hatte ich grad Kontakt zu Maxie, das ist die CEO von Femna, aufgenommen und die hatten grad medizinische Unterstützung gesucht und so sind wir dann in Kontakt getreten und es hat halt perfekt für mich grad zu dem Zeitpunkt gepasst, dass ich dann auf 80 Prozent reduziere, einen Tag die Woche frei habe und dann diesen einen Tag in der Woche für Femna genutzt habe. JULIA ROTHERBL: Okay, das heißt, in Vollzeit wäre das wahrscheinlich tatsächlich schwierig zu organisieren gewesen. DR. MALINA HELMS: Aktuell arbeite ich tatsächlich in Vollzeit, aber das ist ein bisschen anderes Dienstsystem. Das heißt, ich habe insgesamt weniger Dienststunden im Monat, sodass ich jetzt auch wieder Kapazität etwas habe, jeden Monat für ein Start-up wieder zu arbeiten. Natürlich ist es so, dass man nicht unglaublich viel Zeit hat, aber Femtech oder Frauengesundheit ist einfach eine Leidenschaft von mir und ich arbeite super gerne in diesem Bereich und möchte da irgendwie meine Zeit und Energie auch nutzen, um solche Themen voranzubringen. JULIA ROTHERBL: Wie profitierst Du denn quasi von den beiden Seiten? Also wie profitiert deine Arbeit in der Klinik von deinem Engagement für die Start-ups und umgekehrt? DR. MALINA HELMS: Also die Start-ups profitieren natürlich davon, dass ich klinische Expertise mitbringe. Also ich hab jetzt nicht nur Medizin studiert und hab dann sofort in nem Start-up Vollzeit angefangen und kenn die Themen nur theoretisch, sondern ich weiß halt, wie der Klinikalltag aussieht. Ich weiß, was Patientinnen bewegt. Ich weiß, wie Strukturen auch sind. Das heißt, manchmal haben Start-ups total tolle Ideen, aber ich sag denen, „Nee, aber so denken die Ärzte nicht“ oder „In der Niederlassung wird das so und so nicht ablaufen.“ Das ist natürlich total relevant auch für Start-ups zu wissen, wie denken denn die Leute im Gesundheitssystem? Wie sind denn die Strukturen? Weil, wie gesagt, viele tolle Ideen haben, aber es praktisch eigentlich nicht so umsetzbar wäre in diesem Gesundheitssystem. Ich kann jetzt grad nicht genau sagen, wie die Klinik davon exakt profitiert, aber wie die Patientinnen profitieren. Also was ich meinte, wenn ich in Zukunft ein hybrides Modell zum Beispiel bauen kann, wo ich die klassische Medizin verbinde mit den innovativen Lösungen aus der Start-up-Welt, glaube ich, dass das die Medizin der Zukunft ist, wo die Frauen sich auch selbst helfen können durch diese Apps und mehr Gesundheitskompetenz entwickeln und so man ein sehr umfassendes und ganzheitliches Versorgungsmodell für Patientinnen bieten kann. JULIA ROTHERBL: Ja, also das ist auch was, was ich mir gedacht habe, als ich mich mit deinen Themen so bisschen auseinandergesetzt habe, dass es ja auch eigentlich was ist, was in Zukunft wahrscheinlich verstärkt sogar eingesetzt wird. Also wir wissen ja alle, wie es um die Personalsituation in Kliniken steht, wie es um die Praxisdichte in manchen Teilen des Landes schon steht, dass auch einfach man Technik braucht, um Frauen eben zu befähigen, auch manche Dinge im Alleingang und mit der Unterstützung von eben Apps zum Beispiel zu meistern. Ist das auch was, was dich antreibt, dass Du sagst, das ist auch ein Invest in die Zukunft des Systems, aber auch ein Invest in meine Zukunft als Ärztin, die vielleicht gar nicht mehr so arbeiten wird, irgendwann, wie es momentan passiert? DR. MALINA HELMS: Absolut. Ich glaub, dass vor allem repetitive Aufgaben im ärztlichen Alltag durch Start-ups total entlastet werden können, wie zum Beispiel Aufklärung. Natürlich sollte eine Aufklärung auch immer individuell sein, aber wenn jemand zum Beispiel die Diagnose Endometriose bekommt, dann kommen so viele Fragen auf und im ärztlichen Alltag ist es nicht abbildbar, eine Stunde oder 2 Stunden sich Zeit zu nehmen für solche Gespräche und auch 2 Stunden wären nicht genug, weil das ist so ein großes Erkrankungsbild sind. Da kommen so viele Fragen und so viel Wissen, was man dann gerne hätte. Und in solchen Punkten können Start-ups so viel Hilfe leisten. Es gibt zum Beispiel die Endo-App, das ist eine unglaublich umfassende App auch als DiGA verfügbar. Das heißt als Rezept, App auf Rezept. Und dort können Patientinnen unglaublich viel lernen: Was ist eigentlich Endometriose? Wie äußert sich das? Wie kann ich mir selbst helfen? So können sie sich auch viel besser auf ärztliche Gespräche vorbereiten und für solche, allgemein für Erkrankungen glaube ich, dass Start-ups da einen unglaublichen Beitrag liefern können für mehr Gesundheit und Wohlbefinden bei den Patientinnen. Oder auch die PINK-App für Brustkrebs, wo auch Frauen unglaublich viel über reine Erkrankungen lernen können und auch lernen können, wie sie sich selbst helfen können. KAPITEL – Was anderes als Klinik? Probier’s aus! JULIA ROTHERBL: Es gab ja irgendwann den Punkt, wo Du quasi gesagt hast, Du gehst ganz aus der Klinik raus. Wie kam es zu diesem Punkt, dass Du gesagt hast, okay, jetzt möchte ich wirklich nur noch in der Beratung arbeiten, zumindest für eine gewisse Zeit? DR. MALINA HELMS: Ja, der Punkt kam, ich hab als Medical Advisors für die Start-ups gearbeitet und ich hab einfach gemerkt, dass mir das unglaublich Spaß macht, diese beratende Tätigkeit zu machen und hab mir dann gedacht, „Ach, wieso nicht? Ich hab jetzt 2 Jahre in der Klinik gearbeitet, ich würd total gerne das ausprobieren, Vollzeit zu machen“, und wollte dann gerne in die klassische Beratung gehen und bin dann, ja, in die ganz klassische Strategieberatung gegangen im Gesundheitswesen und ja, hab da auch unglaublich viel gelernt, aber habe dann doch relativ schnell festgestellt, dass die klassische Strategieberatung doch sehr anders ist als die Beratung in Start-ups und dass man dort auch nicht so viel an, oder nicht so viel selbstständig an Lösungen für Probleme arbeiten kann. Da gab's auch wieder sehr feste Strukturen und ja, es war ganz anders als in den Start-ups, hab ich dann festgestellt. JULIA ROTHERBL: Genau, Du bist dann auch sehr schnell wieder eigentlich zurück in die Klinik gegangen und ich wollte mal grundsätzlich fragen, wie das eigentlich so im beruflichen Umfeld ankommt, so dieses Ausprobieren, raus aus der Klinik gehen. Ist das was, was als Pluspunkt wahrgenommen wird? Oder ist das was, wo dann zum Beispiel in Vorstellungsgesprächen irgendwie auch mal so kritisch nachgefragt wird? Man hat ja so momentan das Gefühl, dass das Gesundheitssystem quasi alle gerne bei sich behalten würde, die irgendwie als Ärztin oder Arzt arbeiten können. Wie hast Du das wahrgenommen? DR. MALINA HELMS: Sehr unterschiedlich, teilweise. Ich hab schon auch Stimmen wahrgenommen von ehemaligen Kolleginnen oder Kollegen, die das sehr kritisch gesehen haben, auch sehr negativ, dass ich dem Gesundheitswesen den Rücken zukehren würde und dass man ja auch einen bestimmten Auftrag in der Gesellschaft hat, als Ärztin zu arbeiten, wenn man schon Medizin studiert hat. Das gab's natürlich auch, Punkte, die ich gehört habe. Viele waren aber auch für mich sehr interessiert. Also ich hab, ein ehemaliger Kollege hatte mich letztens angeschrieben und dann auch gefragt, ach ja, er überlegt irgendwie auch in die Beratung zu gehen und wie war das denn und ob ich ihm mal paar Tipps geben könnte. Also es gibt auch viele, die sehr, sehr interessiert daran waren und eher so gefragt haben, wie es dazu kam, was meine Erfahrungen sind, ob ich es noch mal machen würde. Also beide Seiten habe ich mitbekommen. JULIA ROTHERBL: So im Rückblick, war es gut, dass du all diese Dinge ausprobiert hast oder gibt's Punkte, wo Du sagst, die würdest Du, wenn Du es anders machen könntest, anders machen? DR. MALINA HELMS: Also in den Start-ups zu arbeiten, absolut, kann ich, würde ich immer wieder machen, mache ich ja auch immer noch Aktuell. Es ist wirklich etwas, was mich total begeistert. Das möchte ich auch in Zukunft immer noch weitermachen. Der Ausflug in die Unternehmensberatung war für mich persönlich total wichtig, weil ich schon manchmal auch festgestellt habe, dass der klassische Weg in der Klinik, hab ich mir häufig überlegt, ist das wirklich der Weg, den ich in Zukunft gehen möchte? Und einmal diesen Ausflug in die Beratung zu machen und festzustellen, dass nicht überall immer alles nur besser läuft als in der Klinik, hat mir total geholfen, festzustellen, ich möchte Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe werden. Das heißt, der Weg, den ich jetzt wieder gehe, hat mich total bekräftigt und ja, manchmal sitzt man da um 4 Uhr nachts und hat nur gearbeitet und fragt sich, warum mache ich das eigentlich? Aber man hat ja immer dieses große Ziel vor Augen, wo man hinarbeiten möchte und zu akzeptieren, dass es dann einfach mal Phasen gibt, die auch ein bisschen anstrengender sind, hat mir aber trotzdem geholfen, dass ich weiß, dass ich jetzt auf dem richtigen Weg bin. JULIA ROTHERBL: Ist es eigentlich was, worüber Ärztinnen und Ärzte, die so am Anfang ihres Weges stehen, miteinander sprechen, so dieser Zweifel, ob das System was ist, wo man sich auf Dauer gut aufgehoben fühlt? Oder ist es dann, so wie Du vorher gesagt hast, mit diesem gesellschaftlichen Auftrag oder so, ist es was, was man vielleicht mit wenigen teilt, aber was eigentlich eher so ein Tabu ist? DR. MALINA HELMS: Bei uns war das im Medizinstudium schon häufig auch ein Thema, dass viele gesagt haben, sie wissen nicht, ob sie in diesem System unbedingt arbeiten möchten. Da haben schon viele sehr offen drüber gesprochen und ich kenne auch einige, die jetzt aktuell nicht mehr in der Klinik arbeiten, die von Anfang an noch andere Wege gegangen sind und die auch sehr glücklich in diesen Bereichen sind. Aber ich kenne auch welche, die 1, 2, 3 Jahre nen anderen Weg gegangen sind und dann aber festgestellt haben, „Das ist es nicht so richtig, ich geh doch in die Klinik“, was ich auch ganz spannend finde. Also auch welche, die direkt nach der Klinik Vollzeit in Start-ups gearbeitet haben und jetzt in die Klinik wieder gehen. Also da gibt's verschiedenste Wege und ich glaube schon, dass es gut ist, mal eine Zeit lang in der Klinik zu arbeiten, um zu gucken, wo dieser Weg auch für einen hinführen kann. Aber wenn man das Gefühl hat oder diesen inneren Ruf spürt, auch mal was anderes auszuprobieren, dann würde ich sagen, absolut, mach es, probier's aus. JULIA ROTHERBL: Wenn uns jetzt jemand zuhört, der oder die sagt, diese Start-up-Welt und diese technische Unterstützung von medizinischer Versorgung, die interessiert mich. Ich würde das gerne mal ausprobieren. Was würdest Du empfehlen, wo kann man sich umgucken? Ist ja wahrscheinlich in dieser Start-up-Branche selten so, dass man klassisch eine Stellenanzeige sieht und sich dann irgendwie drauf bewirbt. DR. MALINA HELMS: Ja, das stimmt tatsächlich. Bei mir war das auch mit den Start-ups, dass das eher immer zufällig dazu kam, dass ich mit denen zusammengearbeitet habe. Was mir total geholfen hat, war LinkedIn, tatsächlich. Ich habe damals LinkedIn gar nicht wirklich gekannt. Ich hatte auch Instagram nicht gekannt, also ich war auf diesen Social-Media-Plattformen gar nicht aktiv und dann hatte aber mein ehemaliger, oder ein Bekannter von mir damals, mir gesagt, „Installier dir doch mal LinkedIn, ganz viele sind auf LinkedIn“, und dann habe ich darüber, bin ich dann auf die ganze Start-up-Welt so aufmerksam geworden und hatte dann einfach damals Maxie, die CEO von Femna angeschrieben. Und so kam das dann damals zustande. Und wenn jetzt jemand sich auch dafür interessiert, in diese Start-up-Welt irgendwie reinzuschnuppern, dann würde ich sagen, einfach mal auf LinkedIn schauen, welche Start-ups gibt es eigentlich? Wer ist bei diesen Start-ups vertreten? Und ja, einfach in Kontakt treten. JULIA ROTHERBL: Gibt es denn irgendwas, weil das ist natürlich jetzt alles sehr positiv, also man merkt dir auch richtig an, wenn du erzählst, wie begeistert du bist von dieser Welt bist. Aber gibt es denn auch Punkte, wo du sagst, „Okay, aber darauf müsst ihr euch schon einstellen“ – keine Ahnung, dass es mal Phasen gibt, wo man auch wie in der Klinik sehr, sehr viele Stunden, Wochenstunden arbeitet. Dass sehr viel mehr, dass der finanzielle Output eine Rolle spielt. Also was bringt das einem Start-up? Da wird ja wahrscheinlich genau geguckt, in was investieren wir und in was nicht. Genau, also fallen dir auch noch Punkte ein, wo Du sagst, okay, dessen muss man sich aber dann schon auch bewusst sein. DR. MALINA HELMS: Ja, absolut. Ich hatte damals auch die Option, dann wirklich als Medical Advisor Vollzeit im Start-up zu arbeiten und hab da auch einige Tage wirklich intensiv drüber nachgedacht und hab mich letzten Endes dagegen entschlossen, weil wenn man jetzt als Ärztin in einem Start-up arbeitet, ist man meistens Expertin. Das heißt, man hat keine andere Person, von der man lernt. Und ich war damals noch relativ am Anfang meiner Facharztausbildung und hab festgestellt, dass ich in der Klinik, da sind halt so viele Personen über mir, die ja so unglaublich viel wissen und können und von denen ich so viel lernen kann. Das heißt, das war ein ganz wichtiger Aspekt für mich, dieser Lernfaktor, in den ersten Jahren meiner Ausbildung ganz viel zu lernen und Wissen anzusammeln. Und in Start-ups ist es eher learning by doing, das heißt, man geht Wege, die es vorher noch nicht gab. Natürlich lernt man dadurch auch viel, aber mir war es ganz wichtig, noch viel mehr über Frauengesundheit zu lernen. Und das, wusste ich, werde ich halt in der Klinik. Und eher weniger im Start-up. Das andere ist natürlich auch der Faktor Sicherheit. Das heißt, beim Start-up kann relativ schnell auch jemand insolvent gehen. Es kann auch sein, dass Stellen einfach eingekürzt werden. Und in der Klinik hat man das eher selten, diesen Unsicherheitsfaktor. Also das Klinikleben ist sehr, sehr sicher. Die Facharztausbildung ist super strukturiert. Man weiß, wenn ich das und das tue, werde ich dann und dann dort ankommen. Das war auch ein Punkt, der für mich sehr wichtig war, dieser Sicherheitsaspekt und auch der Punkt, eine sehr gute Ausbildung zu bekommen. JULIA ROTHERBL: Also das heißt, da arbeiten in der Regel in solchen Femtech-Start-ups wenig Mediziner*innen? DR. MALINA HELMS: Insgesamt schon. Ich finde aber auch, dass das nicht unbedingt schlecht ist. Also für ein Start-up braucht man ja verschiedene Rollen. Es ist schon wichtig, dass auch eine Ärztin ein Start-up berät. Aber es ist, glaube ich, nicht immer notwendig, dass die auch wirklich Vollzeit jeden Tag mit dabei ist, weil viel ist ja auch am Anfang Fundraising und Social Media, Marketing, Business Development. Natürlich ist die medizinische Expertise auch super wichtig, aber wenn zum Beispiel irgendwann mal ein Programm steht, zum Beispiel bei Femna, das Endometriose-Programm, wenn das einmal fertig steht, dann brauchen die ja nicht jeden Tag immer eine Ärztin mit dabei haben. Also, nur als Beispiel, aber es gibt ja viele andere Start-ups auch, wo man nicht wirklich Twenty-Four-Seven eine Ärztin braucht. JULIA ROTHERBL: Du hast ja vorher schon gesagt, dass Du dir vorstellst, dass Du quasi so hybrid arbeitest, die Klinik auf der einen Seite, oder die Praxis auf der einen Seite, und die Beratung auf der anderen. Also es wirkt jetzt so, als hättest Du einfach mal auch sehr viel ausprobiert und sehr mutig auch einfach mal beschlossen, okay, gehe jetzt aus der Klinik und probiere jetzt das. Ist es jetzt so, dass Du jetzt quasi die Schritte, die nächsten planst? Also dass Du sagst, in, weiß ich nicht, 4 Jahren würde ich gerne 60 Prozent in der Klinik arbeiten und 40 in Start-ups – oder lässt Du es auf dich zukommen? DR. MALINA HELMS: Also ganz so konkret habe ich es jetzt nicht geplant, dass ich es sage, 60 Prozent Klinik, 40 Prozent Start-up, aber die nächsten Jahre möchte ich den Fokus hauptsächlich auf die Klinik setzen, um meine Facharztausbildung abzuschließen und wenn ich dann Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe bin, könnte ich mir, wie gesagt, entweder etwas Hybrides vorstellen, wo ich für die Patientin sowohl die klassische Medizin anbiete, aber auch über Start-ups ein ganzheitliches, modernes, auch digitales Versorgungsprogramm entwickle. Oder was ich mir auch gut vorstellen kann, ist noch weiter der Schwerpunkt in der Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, also Richtung Kinderwunsch, Wechseljahre. Das ist auch ein Thema, das mich sehr fasziniert und wo ja auch viele Start-ups dran arbeiten, aktuell. JULIA ROTHERBL: Malina, ich danke dir für dieses Gespräch. Hat mir sehr viel Spaß gemacht. Danke für den Einblick in die Start-up-Welt. Ja, vielen Dank, dass du hier warst. DR. MALINA HELMS: Danke schön, Julia. JULIA ROTHERBL: Im Zusammenhang mit Femtech fiel jetzt auch ganz oft die Diagnose Endometriose. Wenn ihr auch Patientinnen habt, die unter dieser Krankheit leiden und denen ihr gerne außerhalb eurer Praxis oder eurer Klinik die Möglichkeit geben würdet, sich zu informieren, dann würde ich euch gern unser Angebot Endometriose.doc ans Herz legen. Hier informieren wir digital über die Erkrankung. Wir geben Tipps zu Therapien, medikamentös und operativ. Patientinnen kommen zu Wort und alle Betroffenen finden hier ganz viel Unterstützung und eben Informationen. Den Link packen wir euch natürlich in die Shownotes. Und ich würde mich freuen, wenn ihr auch bei der nächsten Folge „Frau Doktor, übernehmen Sie!“ mit dabei seid. Sie erscheint am 4. Mai. SPRECHERIN: Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.

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