Von der Rettungsstelle zum Roman

Shownotes

Was junge Assistenzärzt:innen in den ersten Tagen und Wochen in der Klinik erleben, ist anstrengend, abenteuerlich und auch ein bisschen angsteinflößend. Unsere Gästin in dieser Folge hat für sich einen Ausgleich gefunden: das Schreiben. Die Internistin schildert unter dem Pseudonym Eva Mirasol in ihrem Buch „Staying Alive – kein Arztroman“ mit viel Witz den chaotischen Alltag in einer Rettungsstelle. Mit Julia Rotherbl spricht sie über unangemessene Fragen in Bewerbungsgesprächen, Ärztinnen-Klischees und Humor als Bewältigungsstrategie.


Im Podcast „Frau Doktor, übernehmen Sie!“ erzählen Frauen aus der Medizinbranche, wie sie dort Karriere gemacht haben. Dazu spricht Julia Rotherbl, Chefredakteurin der „Apotheken Umschau“, mit Frauen, die in Führungspositionen arbeiten, die Herausforderungen gemeistert haben oder an ihnen gescheitert sind. Es geht um Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Sexismus, männliche Netzwerke, mangelnde Vorbilder oder verschiedene Arbeitsmodelle. Das Ziel: Euch zu inspirieren und ermutigen, Euren eigenen Weg zu finden.

An jedem ersten Montag im Monat erscheint eine neue Folge. Habt Ihr Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibt uns gerne an redaktion@gesundheit-hoeren.de

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Redaktion: Julia Rotherbl, Kareen Seidler, Constanze Radnoti;

Schnitt und Post-Produktion: Constanze Radnoti, Benedikt Möltner, Yves Seißler;

Chefredakteur: Peter Glück


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Transkript anzeigen

EVA MIRASOL

Es geht ja nicht nur um Kinder haben, es geht ja auch darum, dass das Leben an sich so viele Facetten hat. Und dass auch, wenn man seinen Beruf gerne macht, es doch schade ist, dass es an der Klinik oft nur geht, wenn man nur noch das eine macht.

JULIA ROTHERBL

Wie ist es so, als junge Assistenzärztin in einer Rettungsstelle anzufangen? Vermutlich ist einem dabei nicht wirklich oft zum Lachen zumute. Trotzdem gibt es jetzt einen Roman, der genau diese Situation mit ziemlich viel Humor aufbereitet. Geschrieben hat ihn unsere heutige Gästin. Ihr Pseudonym heißt Eva Mirasol und wenn sie nicht gerade Bücher schreibt, dann arbeitet sie als Ärztin, genauer gesagt als Internistin und Endokrinologin.

Und tatsächlich geht es in dem Buch viel auch darum, wie man speziell als Frau mit diesem Rettungsstellenalltag zurechtkommt. Bevor wir mit Eva sprechen, eine kleine Spoilerwarnung. Natürlich wird's in diesem Gespräch sehr viel um den Inhalt des Buches gehen. Wer also den Roman Staying Alive erst mal lesen möchte, der hebt sich diese Folge von „Frau Doktor, übernehmen Sie!“ vielleicht für später auf.

Hallo Eva, ich freue mich sehr, dass wir uns heute unterhalten können und Du meine Gästin bist. Herzlich willkommen.

EVA MIRASOL

Hallo Julia, ich freue mich auch, dass ich da bin.

JULIA ROTHERBL

Mein Name ist Julia Rotherbl. Ich bin Chefredakteurin der Apotheken Umschau und wünsche euch jetzt sehr viel Spaß beim Zuhören.

SPRECHERIN

Frau Doktor, übernehmen Sie! Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.

JULIA ROTHERBL

Eva, meine erste Frage ist natürlich, wie man als Ärztin dazu kommt, einen Roman zu schreiben. Also dass man Fachliteratur publiziert ist, glaub ich, gängiger als tatsächlich eben einen Roman. Wie ist es dazu gekommen?

EVA MIRASOL

Ja, wie ist dazu gekommen? Also wie Du schon richtig sagst, ich bin Ärztin, Fachärztin für innere Medizin und hab eine ganze Weile lang in der Rettungsstelle gearbeitet. Und hatte danach dann meine Facharztprüfung gemacht und das erste Mal so eine, ja so eine kleine Pause zwischen dem Job in der Rettungsstelle und dann dem nächsten Job. Und da bin ich in Berlin auf so eine Lesebühne gegangen, so eine private Veranstaltung. Oder also privat auf die Lesebühne gegangen, öffentliche Veranstaltungen natürlich und da war son offenes Mikrofon, wo man auch ohne zu diesem Ensemble zu gehören, seine Texte vortragen konnte.

Und da hab ich gehört, wie das jemand gemacht hat und das hat mich irgendwie gereizt. Dann bin ich nach Hause und hab relativ kurz danach, paar Tage später mal selber n Text geschrieben. Der hatte gar nichts mit Medizin zu tun, einfach sone Alltagsbeobachtung. Und dann hab ich mich da mal rauf getraut auf die Bühne mit dem offenen Mikro und es hat super geklappt und hat mir richtig, richtig Spaß gemacht.

Und dann bin ich irgendwie hängen geblieben beim Schreiben und hab immer mal wieder, hab mir dann irgendwann selbst eine Lesebühne gesucht, wurde Mitglied und habe dann so kleine Kolumnen geschrieben für die taz und irgendwann mal für die Mitgliederzeitschrift der Berliner Ärztekammer, Berliner Ärztinnen heißt die. Und dann hab ich gemerkt, ich hab viele Ideen und ich würde gerne mal was Zusammenhängendes schreiben und wie gesagt völlig abseits von Fachliteratur eigentlich ja Prosa oder was, was die Leute eben abseits von diesem Wissensfaktor unterhält. Und ja, so kam das dann.

JULIA ROTHERBL

Du hast dich trotzdem dafür entschieden, in diesem Kosmos Medizin zu bleiben. Ich hab mich gefragt, ob auch ein Grund dieser Entscheidung war, dass Du bestimmte Dinge auch einem breiteren Publikum zugänglich machen möchtest. Zum Beispiel, wie krass eigentlich diese Einarbeitungsphasen für junge Ärzte und Ärztinnen nach dem Studium sind oder auch welchen Spießrutenlauf Ärztinnen bei Bewerbungsgesprächen ausgesetzt sind, teilweise. Ist dem so? Also hattest Du auch das Bedürfnis, da eine Art Message zu setzen?

EVA MIRASOL

Ja, ich glaub schon. Also ich hab wie gesagt auch viel anderes oder viele Texte schon zu anderen Themen geschrieben, aber es kam schon immer wieder son bisschen durch, dass der medizinische Alltag, der mich natürlich beschäftigt, weil das ja mein Beruf ist, dass da mir immer wieder Sachen aufgefallen sind, die ich dann irgendwie literarisch verarbeiten wollte. Und genau die Themen, die Du ansprichst, die fehlende Einarbeitung und die Herausforderungen, denen man dann da auch als Frau ausgesetzt ist, das hat sich auch ganz gut geeignet für so Texte und auch für die Bühne. Und da hab ich dann auch immer viele Reaktionen bekommen von Leuten, die es ebenfalls so kennen, die sagen, ja genau so ist es mir auch ergangen. Oder aber auch Leuten, die fernab dieses Berufszweiges sind, die sagen, ja krass, dass das im Jahr 2000, was weiß ich, 20, 22, 25 immer noch so ist.

JULIA ROTHERBL

Wie hast Du das denn erlebt, also jetzt zum Beispiel diese Einarbeitungsphase bei dir persönlich? Die Protagonistin im Buch fühlt sich, so hab ich's interpretiert, sehr oft allein gelassen, an manchen Stellen überfordert. Wie hast Du das selbst erlebt?

EVA MIRASOL

Tatsächlich ganz ähnlich. Also der Roman, der ist fiktiv. Das heißt, es gibt die Protagonistin so nicht, aber die basiert natürlich auf dem, was ich erlebt habe und dem, was ich auch von vielen anderen Leuten gehört habe. Und gerade dieses Thema Einarbeitung, das ist natürlich noch mal bisschen zugespitzt in dem Roman, aber das würde ich schon so unterschreiben. Das ist mir auch so gegangen und ich kenn fast niemanden, der das anders erlebt hat.

Da kommt der erste Dienst eigentlich immer zu einem Moment, wo man noch nicht richtig vorbereitet ist und gar nicht mal nur medizinisch, sondern auch so ganz allgemein von dieser Rolle, die man da auszufüllen hat und auch organisatorisch, weil man ja viele Dinge in der Nacht anders regeln muss als am Tag. Dann ist der Ultraschall wird da anders angemeldet, das Röntgenbild, muss man jemanden anders anrufen und man ist dann da in der Regel alleine oder maximal zu zweit, aber mit so vielen Aufgaben, dass doch eben viel alleine stattfindet. Und da hat man dann zum Teil nach wenigen Wochen in dem Roman nach einem Tag einfach viel zu viel Verantwortung angesichts der Tatsache, dass für beide Seiten ja unglaublich viel auf dem Spiel steht.

JULIA ROTHERBL

Ja. Ist es denn für Frauen dann noch mal eine speziellere Herausforderung als für Männer? Denn grundsätzlich ist wahrscheinlich dieses überfordert sein und allein gelassen sein als Assistenzärztin oder Arzt natürlich für beide Geschlechter gleich.

EVA MIRASOL

Ja, also ja und nein, also es ist für beide gleich und auch die männlichen Kollegen, das haben auch viele mir erzählt, haben gerade in diesen Funktionsbereichen, Intensivstation, Rettungsstelle auch so eine Phase immer durchgemacht am Anfang, wo sie sich allen gegenüber auch dem Pflegepersonal so ein bisschen erst mal beweisen müssen. Aber als Frau kommt schon noch dazu, dass man gerade, wenn man so jung ist zu Beginn der Ausbildung, immer noch mal ein bisschen mehr dafür tun muss, dass man überhaupt ernst genommen wird. Also dieses Thema, wann kommt denn der richtige Arzt oder überhaupt der Arzt oder die richtige Ärztin? Weil man eben aussieht oder man automatisch zu den Pflegekräften gesteckt wird. Das ist 'n großes Thema am Anfang und das ist vor allem deswegen dann problematisch, wenn man vielleicht auch mal unliebsame medizinische Entscheidungen kommunizieren muss oder ja, in bisschen brenzligen Momenten, wo's mal schnell gehen muss und wo man auch irgendwie auf die Mitarbeit der Patientinnen und der Patienten angewiesen ist. Wenn die einem dann nicht vertrauen oder denken, ach, die hat ja irgendwie gerade erst ihre Schule abgeschlossen und sollte doch vielleicht noch mal Praktikum lieber machen, dann ist das problematisch.

JULIA ROTHERBL

Wie bist Du denn selber damit umgegangen? Also so wie die Protagonistin, die einfach gehandelt hat? Also wie hast Du diese Situationen gehandhabt?

EVA MIRASOL

Also ich glaube ganz unterschiedlich. Ich hab mich tatsächlich mal so ganz am Anfang bei einer Visite einem Patienten gegenüber so ungeschickt vorgestellt. Also da war ich wirklich auch selber in meiner Rolle noch so wenig zu Hause. Da hab ich so rumgestottert und so gesagt, „Ja, ich bin jetzt Ihre, also ich heute, also ich bin jetzt Ihre Ärztin.“ Und da hatte der dann so gesagt, „Ja, aber das macht doch nichts.“

Und da musste ich dann auch lachen, weil ich konnt die doch son bisschen verstehen. Da war ich einfach auch, da ja, da war ich selber unsicher. Und diese Momente, da kann man dann auch vielleicht gemeinsam son bisschen drüber schmunzeln. Und ansonsten hab ich einfach versucht, dass ich ja, dass ich irgendwie gut vorbereitet bin, jetzt zum Beispiel bei den Visiten oder dass ich eben mir vorher auch ganz bewusst gesagt hab, ja, es gibt son Faktor, der bei Frauen immer noch mal überwunden werden muss. Eben dieses nicht so sehr gut, nicht so ernst genommen werden, das lasse ich jetzt nicht so an mich ran. Das ist mir jetzt bisschen egal. Und wenn jemand denkt, ich bin die Schwester, dann ist das halt so. Ich kann ja auch nicht ändern, was in den Köpfen der Menschen drin ist, die jetzt deutlich älter sind, zum Beispiel als ich oder wir, die einfach damit groß geworden sind, dass es kaum weibliche Ärztinnen gibt. Und das darf man nicht alles dann so nah an sich ranlassen, weil sonst lässt man sich da auch verunsichern. Und die Protagonistin, die hat natürlich, der hab ich son bisschen son dauerhumoristischen Blick mit drauf mitgegeben, den ich natürlich ich selber jetzt nicht durchgängig so hatte, weil man steckt ja in der Situation drin. Also man ist ja leider oder zum Glück nicht ganz so abgeklärt.

JULIA ROTHERBL

Aber trotzdem ist Humor, glaube ich, in dem Buch, auch was diese Fußnoten anbetrifft, irgendwie son Mechanismus, um das alles irgendwie mit dem allem umzugehen. Aber Ja. Das würde ich gerne noch später besprechen. Ich wollte noch auf einen anderen Punkt, weil Du uns verraten hast, das autobiografischste an dem Buch ist dieses Kapitel über Bewerbungsgespräche.

EVA MIRASOL

Ja, tatsächlich.

JULIA ROTHERBL

Genau, also ich es gibt zum Beispiel eine Fußnote, in der Du schreibst, „Eine prämenopausale Bewerbung ist die Bewerbung eines Menschen mit Gebärmutter, der hormonell in der Lage ist, schwanger zu werden und daher jederzeit Kinder kriegen kann, eine tickende Zeitbombe sozusagen.“ Also hast Du tatsächlich das so wahrgenommen, dass Frauen, die quasi in einem gebärfähigen Alter sind, wie man so schön sagt, bei den Bewerbungsgesprächen sich mit Fragen konfrontiert sehen, die man eigentlich nicht stellen sollte?

EVA MIRASOL

Ja, auf jeden Fall. Also bei fast jedem meiner Vorstellungsgespräche kam irgendwie das Thema Familienplanung auf, in der ein oder anderen Form verklausuliert. Beim einem Vorstellungsgespräch wurde ich mal gefragt, ob es irgendeinen Grund gibt, der hinderlich sein könnte, dass ich am Dienstsystem teilnehme. Und ich hatte noch kurz gedacht so, ach cool, da gibt's Grund, dass man nicht teilnehmen müsste, bis ich dann irgendwie gecheckt hab, dass das so der Umweg war und dann kam die Frage nach der Familienplanung.

Und dann hab ich auch mal eben diesen Satz gehört, deswegen sag ich autobiografischster Teil, der fiel auch wirklich mal so von wegen, „wir haben hier nicht auf Sie gewartet als Frau und wir haben hier Männer, die sind bereit, 24 Stunden am Tag zu arbeiten“. Und das waren schon so absurde Momente, in denen ich jetzt auch nicht maximal schlagfertig war, weil erstens ist man ja in nem Abhängigkeitsverhältnis. Man wollte ja bis vor Kurzem auch den Job noch haben. Und zweitens, ja, also diese schlagfertigen Dinge fallen einem ja auch oft erst danach ein. Und ja, ich hab auf jeden Fall das Gefühl, dass egal wen ich da gefragt hab von meinen männlichen Kollegen und Freunden, dass das Thema eigentlich nie aufkam und bei ganz vielen Freundinnen und Kolleginnen schon und bei mir irgendwie auch wirklich fast immer.

JULIA ROTHERBL

Es ist ja tatsächlich so, dass der Moment, wenn eine Ärztin ein Kind bekommt, oft mit einem Karriereknick einhergeht. Wie war das denn bei dir? Du hast selber 2 Kinder. Wie hat sich das bei dir auf die Karriere, den Berufsweg ausgewirkt?

EVA MIRASOL

Ja, bei mir war das vielleicht son bisschen insofern entschärft die Situation, als ich meine Kinder eher spät bekommen hab, sprich nach dem Facharzt. Das heißt, ich war schon Fachärztin für Innere Medizin und ich hatte jetzt ohnehin zu dem Zeitpunkt nicht den Wunsch, jetzt da an der Klinik groß Karriere zu machen. Ich hatte da schon son bisschen diese Leidenschaft fürs Schreiben entdeckt und mir war auch klar, dass das Zeit in Anspruch nimmt und dass man dann auch irgendwie gucken muss, wenn man dann auch noch Familie will und noch arbeiten, dann kann man nicht alles auf 100 Prozent machen. Insofern hat sich für mich jetzt nicht die Frage gestellt, werde ich jetzt Oberärztin oder kriege ich ein Kind? Aber wenn das sich nicht sowieso alles anders ergeben hätte, hätte die sich durchaus stellen können, weil es geht einfach schwer parallel und sogar ich, die ich jetzt da noch in dem zwar Fachärztin, aber in dem stationsärztlichen Bereich irgendwie tätig war und damit eigentlich auch entbehrlich, ich hatte da jetzt keine Leitungsfunktion, sogar ich hatte das Gefühl, dass ich damit erst mal son bisschen auch auf son Nebengleis abgeschoben wurde, so von wegen, na ja, gut, es lohnt sich jetzt gar nicht mehr so richtig. Du bist ja jetzt schwanger und dann bist Du eh erst eine Weile raus und dann hieß es im Gespräch auch immer, „ja, guck erst mal, die meisten kriegen ja noch eines, ob Du überhaupt wiederkommst“ und so. Also das ist natürlich jetzt in … Ich kam dann wieder und bin dann noch mal schwanger geworden. Das heißt, es stimmte und es stimmte auch wieder nicht. Aber das sind natürlich so Dinge, die man eigentlich, die eigentlich auch übergriffig sind, ne, in sonem Gespräch zwischen Chef oder Oberarzt und einem selbst, weil das ja auch so private Lebensbereiche betrifft und irgendjemand muss ja auch die Kinder kriegen. Also alle wollen Kinder, alle brauchen Kinder, aber die Leute, die sie kriegen, die sollen das irgendwie so nebenher machen. Das ist schon, finde ich, wirklich, ja eine ungute Kommunikation.

JULIA ROTHERBL

Hat es eine Rolle gespielt bei deiner Entscheidung, nicht mehr in der Klinik zu arbeiten?

EVA MIRASOL

Also jetzt auf jeden Fall. Jetzt ist es so, dass ich das Gefühl habe, dass mit 2 kleinen Kindern, die an sich auch ein Mehrwert sind, wo man sagt, man möchte da gerne Zeit verbringen und eben diesem zeitraubenden Hobby oder Leidenschaft des Schreibens, was ich auch einfach jetzt was ich nicht mehr aufgeben möchte, dass ich da das Gefühl habe, wenn ich jetzt auch noch Dienste machen muss und jeden Feiertag und jedes Wochenende irgendwie aushandeln muss oder irgendwie absprechen, dass es für mich persönlich dann der Preis zu hoch ist einfach. Bisschen schade finde ich's, weil ich schon auch gerne an der Klinik war und weil ich die Arbeit dort aus vielen anderen Gründen sehr geschätzt habe, aber der Preis, wie gesagt, ist sehr, sehr hoch, auch was das Privatleben allgemein anbelangt. Das sag ich immer auch noch gern auch Freunden, die jetzt nicht in dem medizinischen Bereich arbeiten, es geht ja nicht nur um Kinder haben. Es geht ja auch darum … Es gibt ja viele Menschen, die entweder die die vielleicht auch keine wollen oder für die es zu einem gewissen Zeitpunkt noch kein Thema ist.

Es geht ja auch darum, dass das Leben an sich so viele Facetten hat und dass auch, wenn man seinen Beruf gerne macht, es doch schade ist, dass es an der Klinik oft nur geht, wenn man nur noch das eine macht. Und das finde ich jetzt, um auf die Frage zurückzukommen, tatsächlich in der Gesamtgemengelage irgendwie schwierig und deswegen geht mein Weg jetzt in die Ambulanz mit so einem lachenden und einem weinenden Auge irgendwie.

KAPITEL?

JULIA ROTHERBL

Das Buch ist tatsächlich bei den 2 jetzt angerissenen Themen, also dieser Einarbeitungsphase und dieser Bewerbungsphase finde ich sehr ins Eingemachte im Sinne von zeigt auch auf, was da falsch läuft. Und dann gibt's auf der anderen Seite in dem Buch so diese Liebesbeziehung zwischen der Protagonistin und dem Oberarzt, die sich dann am Ende sehr in einem Happy End auflöst und auch die Geschichte der ungewollten Schwangerschaft, wo es dann nicht zur angedachten Abtreibung kommen muss, sondern zu ner Fehlgeburt kommt. Warum hast Du sich dich an diesen Stellen dafür entschieden, es quasi, ja wie sag ich's jetzt, ja sehr in so wohligen Wohlfühl, in so Wohlfühlmomenten, also die Fehlgeburt ist kein Wohlfühlmoment, also versteh mich nicht falsch, aber diese beiden Dinge lösen sich so auf. Also diese Probleme lösen sich auf, während die vorher beschriebenen Probleme ja sich nicht auflösen in dem Buch.

EVA MIRASOL

Ja, interessante Frage. Ich hatte da gar nicht so sehr das Gefühl, dass es sich so auflöst. Also das Ende ist insofern ein Happy End, weil die sich in dem Moment, in dem dann das Buch aufhört, sind die wieder zusammen und man kann irgendwie vermuten, dass das irgendwie weitergeht, aber es bleibt offen. Aber das andere Thema, wo Du schon gesagt hast, wohliges Auflösen ist jetzt ja eine Fehlgeburt auch nicht so richtig.

JULIA ROTHERBL

Nein.

EVA MIRASOL

Das ist, glaube ich, eher der Punkt, wo ich das Gefühl hatte, dass ich son bisschen gerne diese Zwischentöne beschreiben wollte. Also der Protagonistin, die hat erst mal keinen Kinderwunsch und der kommt dann, als sie jemanden kennengelernt, in den sie sich sehr verliebt. Und als das dann nicht geht und sie dann ungewollt schwanger wird aus ner anderen Konstellation heraus … Jetzt muss man jetzt auch gar nicht alles im Detail schon „verraten“. Aus dieser Konstellation heraus dann schwanger zu werden, was eigentlich ja dem Wunsch entspricht, aber eben trotzdem nicht das ist, was sie in dem Moment will und dann hin und her überlegen zu müssen, was mach ich jetzt?

Und bevor sie dann die Entscheidung wirklich treffen muss, abzutreiben, ist richtig, da kommt's dann zu der Fehlgeburt und das macht sie dann aber auch nicht froh. Ich kann mir vorstellen, dass eine Abtreibung eventuell auch manchmal nicht froh macht, aber das ist dann trotzdem sone selbst gewählte Entscheidung und so wie viele Betroffene das berichten, kann man dann vielleicht danach noch mal mehr drüber nachdenken. Aber ich fand in dem Moment son bisschen interessant, was passiert, wenn's einem dann wieder aus der Hand genommen wird, zum zweiten Mal, und dann eigentlich alles so ist, wie man sich's ursprünglich wollte, nämlich nicht das Kind von dem Mann, mit dem man's nicht haben wollte und dann ist es aber auch nicht gut, weil es war eben doch, es war eben doch was, ne? Eine Fehlgeburt und das hat einen irgendwie belastet. Also mir ging's da eher son bisschen um diese Zwischentöne und das hat sich, wie's manchmal so ist, mit diesen Geschichten dann son bisschen hineingeschrieben.

Wie auch die Liebesgeschichte, diese bisschen klischeehafte Liebesgeschichte, wo sich die Assistenzärztin dann doch in den Oberarzt verliebt. Das war gar nicht angedacht, aber die wollte dann irgendwie so geschrieben werden.

JULIA ROTHERBL

Okay. Also bei der Abtreibung war irgendwie so mein Impuls natürlich jetzt so aus der Sicht der Medizinjournalistin. Das Thema treibt uns natürlich schon länger um. Die Fakten ja, es sind ja klar. Also es gibt immer weniger Kliniken und Ärztinnen und Ärzte, die das überhaupt anbieten wollen, auch aufgrund der aktuellen Gesetzeslage. Und ich hab irgendwie, als das dann so anfing und dieses Thema Abtreibung in dem Buch dann angesprochen wurde, dachte ich, das finde ich jetzt mal super, dass da eine Protagonistin ist, die sich dafür entscheidet und das quasi so offen kommuniziert wird, offen besprochen wird, also auch das Gespräch zwischen ihr und der Ärztin und dann kam's irgendwie zu so einem Ausweg …

EVA MIRASOL

Und dann kommt’s nicht dazu. Ich verstehe.

JULIA ROTHERBL

Wo man sich dann denkt, okay, jetzt muss die Entscheidung doch nicht getroffen werden, aber …

EVA MIRASOL

Ja. Ja, man hätte es auch anders, man hätte das auch anders schreiben können. Mich hatte tatsächlich mehr das andere beschäftigt, dass Dinge passieren, die man nicht plant, die einem aus der Hand genommen werden, mit denen man dann irgendwie seinen Frieden machen muss, ohne dass man sie wirklich selber bestimmt hat. Das fand ich so als Punkt interessanter und das ist richtig, dass jetzt gerade besonders viel auch über das Thema gesprochen wird, zum Glück und dass sich da ja auch was tun muss, aber das war nicht mein Anliegen. Also da müsste vielleicht dann jemand noch mal anderes Buch schreiben, wo genau dann sich jemand in dieser Situation auch mit den technischen Details vielleicht auch noch mal jetzt nicht unbedingt der Abtreibung selber, aber auch der Organisation auseinandersetzt.

Für mich führte das dann son bisschen weg, ja, von der Geschichte, die ich eigentlich erzählen wollte. Und die Liebesgeschichte ist ja schon auch nur son bisschen Nebenschauplatz, wie's ja auch auf dem Buch vorne heißt. Das ist kein Arztroman, weil es ja eigentlich um wirklich die medizinische Arbeit, jetzt speziell in dem Fall in der Rettungsstelle geht und die Belastungen, die die Protagonistin und ihre Kolleginnen und Kolleginnen da ausgesetzt ist. Und da hatte ich das Gefühl, dass das noch mal zu großen Schauplatz mit aufmacht. Und deswegen fand ich das stimmiger so rum, aber ich sehe schon, das muss praktisch wie in diesen Büchern, wo man dann immer nicht fertig liest und so, lesen Sie weiter auf Seite 100 und dann geht ein anderes Ende, könnte man sozusagen weiterschreiben und dann würde man wissen, was passiert, wenn sie abgetrieben hätte.

JULIA ROTHERBL

Ja. Du hast es gerade selber als Klischee bezeichnet, diese Beziehung zwischen Assistenzärztin und Oberarzt. Ist es denn überhaupt ein Klischee oder gibt es tatsächlich unter dem Klinikpersonal, das ja auch sehr viel Zeit miteinander verbringt, viele Beziehungen, Affären, Freundschaften? Also ich weiß gar nicht, ist es überhaupt ein Klischee?

EVA MIRASOL

Nee, ich glaube, also das, was ich als klischeehaft benannt habe und wo dann auch son bisschen dieses mit dem „Kein Arztroman“, dieses Spiel mit dem Genre kam, das bezieht sich eigentlich auf das Machtgefälle, was es ja auch Zwischen Oberarzt und Assistenzärztin gibt. Nicht so massiv vielleicht wie früher, weil je nachdem, wie man da fachlich aufgestellt ist, ist es manchmal trennen einen da auch nur wenige Jahre und ein kleiner Karrieresprung. Aber es ist trotzdem so, wenn einer den Dienstplan macht oder weisungsbefugt ist dem anderen, kann es zu Spannungsfeldern kommen. Und das war eher das, was ich als klischeehaft empfunden habe, was auch son bisschen andockt an dieses Krankenschwester-Oberarzt oder halt Assistenzärztin-Oberarzt.

Ansonsten ist es, denke ich, in der Medizin wie in allen Bereichen, wo die Menschen viel, viel Zeit miteinander verbringen und da vielleicht noch mal speziell, weil die das oft unter so extremen Umständen tun, dieses Zeit miteinander verbringen. Da kommt es einfach häufig dazu, dass sich auch intensive menschliche Beziehungen entwickeln und wie Du gesagt hast, Freundschaften und aber auch natürlich Liebesgeschichten, Affären, je nachdem, wie halt die Umstände jeweils sind.

JULIA ROTHERBL

Wie haben denn, Du hast vorher schon gesagt oder so ein bisschen erzählt, wie Leute auch grundsätzlich auf diese Themen reagiert haben. Wie waren denn die Reaktionen von Medizinerinnen auf dieses Buch? Also von Personen, die selbst dieses System kennen?

EVA MIRASOL

Also das ist eigentlich die Gruppe von Menschen, die am durchgängigsten positiv rezensiert hat, sag ich jetzt mal, und eigentlich überwiegend gesagt hat, ja, genau so ist es. Das sind natürlich auch die Leute, die irgendwie wissen, wo jetzt die Übertreibung noch mal so aus dem satirischen Gesichtspunkt heraus das Ganze noch mal so auf die Spitze treibt und wo es wirklich einfach so ist. Ich hatte häufig das Gefühl, dass Menschen, denen das ganze Setting fremd ist, dass die son bisschen schwanken zwischen, oh Gott, hoffentlich ist es nicht wirklich so und ja, wahrscheinlich ist es wirklich so und ich möchte da nie wieder hin. Ja, das Feedback von Kolleginnen, die sich natürlich dann auch für mich gefreut haben oder Freundinnen, die auch medizinisch tätig sind, war überwiegend „schön, dass das jemand geschrieben hat und genauso absurd und kaum vorstellbar sind oft dann die Verhältnisse“.

JULIA ROTHERBL

Gab's diese positiven Reaktionen sowohl von Männern als auch von Frauen und gab's sie sowohl von jungen als auch von älteren Kolleginnen, oder gab's da Unterschiede?

EVA MIRASOL

Da müsste man jetzt mal so eine Studie anstellen. Also prinzipiell ja von männlichen wie weiblichen Kollegen, Kolleginnen. Allerdings ist es ja so, dass Frauen insgesamt mehr zu lesen scheinen und dass man Das hatte mir irgendwie mal mein Lektor gesagt, eigentlich mit so ner Leseverteilung von 70 Prozent Frauen zu 30 Prozent Männern überhaupt rechnet. Und jetzt hat das Thema ja auch son paar „frauenspezifische“ Themen. Insofern dürfte sich das da, das dürfte durchaus stimmen.

Aber auch die Männer, die das Buch gelesen haben, fanden das gut. Und ich glaub schon, dass es auch son bisschen sone Altersfrage ist, so von älteren Kollegen, Kolleginnen hatte ich dann manchmal noch so gehört, na ja, das sind jetzt schon eher so diese Themen, die einen als jüngere Frau eben auch beschäftigen. Oft hieß es aber, nee, aber mich hat's ja früher auch mal beschäftigt. Und ich glaube, gerade Frauen, die jetzt noch ein bisschen älter sind als ich, die ja auch diesen Weg durchlaufen haben, der ja noch schwieriger war, als er es jetzt immer noch ist, die fühlen sich, denke ich, auch oder haben sich häufig auch abgeholt gefühlt durch genau diesen Hinweis darauf, dass man eben immer noch mit diesen Vorurteilen, diesen Stereotypen zu kämpfen hat. Und den Älteren ging's bisschen zu häufig um Sex. Das hab ich zwei-, dreimal gehört, da war ich überrascht, weil es gibt ja wirklich nur ganz wenige Sexszenen. Also aber das ist vielleicht auch so was, wo man's dann je nachdem, wie wichtig das Thema gerade für einen ist, jetzt nicht mehr so ausführlich oder eben nicht ausführlich lesen möchte.

JULIA ROTHERBL

Ich frag so nach, weil ich manchmal den Eindruck hab, dass Menschen in der Medizin, die etwas älter sind, der Meinung sind, dass das Probleme sind, quasi die nicht weg sind, aber die sich doch sehr verbessert haben und dann manchmal so das Gefühl entsteht, die Dringlichkeit dieser Probleme wäre nicht so groß wie die, die sie gerade erleben, adressieren. Also ist das auch das, was Du gehört hast im Sinne von, um es jetzt verkürzt zu sagen, „so schlimm ist es doch jetzt wirklich nicht mehr?“

EVA MIRASOL

Ja, das hab ich auch mal gehört. Auch mal von, jetzt war mir nicht bekannt, aber so als Rückmeldung von einer Kolumne, die ich in der Berliner Ärztekammerzeitschrift eben geschrieben hatte. Ich wusste jetzt nicht genau, ob es Frauen oder Männer waren, aber es war wohl beiderlei Geschlechtes und eher die ältere Generation, die gesagt haben, Quatsch, es ist alles gar nicht mehr so. Das war vor 30 Jahren so. Und da musste ich dann ganz eindeutig widersprechen, weil ich's eben anders erlebt habe und weil ich auch viele Geschichten von anderen Betroffenen kenne.

Und ich hab auch bei euch im Podcast ja auch bisschen schon gehört und da gibt es ja auch wirklich viele Frauen, die jetzt auch nicht alle 90 sind, die die gleichen Geschichten erzählen. Insofern ja, das hab ich auch gehört und es wundert mich auch. Vielleicht ist es so das Wunschdenken oder wenn man merkt, na ja ein bisschen besser ist es vielleicht geworden, denkt doch mal darüber nach, was wir alles mitgemacht haben. Aber das fand ich schon immer problematisch, dass man irgendwie anstatt noch Besseres für die Menschen nach einem erkämpfen zu wollen, dann sagt so, „ja guck mal, wie schlecht wir es hatten und da könnt ihr ja noch froh sein, so“. So kommt man ja wirklich nicht weiter.

KAPITEL? – 25:44

JULIA ROTHERBL

Ja. Ich hatte ja vorher schon angedeutet, dass ich gerne noch mal auf das Thema Humor eingehen würde als Bewältigungsstrategie, glaube ich, dass es so ist. Also ich hab in den Fußnoten an der einen oder anderen Stelle einen Kollegen wiedererkannt, der mit mir eng zusammenarbeitet und der das Medizinsystem auch kennt. Hat auch eine Facharztausbildung gemacht. Und der diesen Ton, der teilweise in den Fußnoten da ist, auch an den Tag legt, manchmal. Also so diesen trockenen Humor, dieses teilweise auch Sarkastische.

Also ist Humor tatsächlich oder schwarzer Humor, Sarkasmus, trockener Humor irgendwie was, was einem hilft, in diesem Klinikalltag besser klarzukommen? Also die Perspektive irgendwie 'n bisschen anders zu setzen.

EVA MIRASOL

Ich glaub schon, also für mich auf jeden Fall. Ich glaub, es ist was Persönliches, weil ich kenne auch viele humorlose Kollegen und Kolleginnen, wo ich jetzt nicht sagen würde, dass das deren Mittel ist, mit irgendwelchen besonderen Situationen umzugehen. Aber ich kenne auch sehr, sehr viele Menschen, die Humor auch als das benutzen, als was ich es sehe, als Hilfe mit, sich zu distanzieren son bisschen von bedrohlichen Situationen oder sagen wir so bedrohliche Situationen etwas weniger bedrohlich wirken zu lassen. Und da muss man vielleicht schon noch mal dazu sagen, es gibt ja in der Medizin wirklich ganz, ganz viele Momente, die überhaupt nicht witzig sind und die dramatisch sind und traurig und ganz ernst, wo niemand weder davor noch währenddessen noch danach drauf käme, darüber zu lachen. Und das gibt es ja sowieso.

Aber dann gibt's eben diese ganzen Absurditäten, die entstehen, wenn auch irgendwie Fehler im System oder irgendwelche seltsamen Abläufe, die nicht gut organisiert sind, wenn die irgendwie zusammentreffen mit nem lustigen Zufall und 'nem Beschwerdebild, was irgendwie, was nicht ganz eindeutig ist. Also es gibt diese Momente, wo es lustig und komisch wird und die als solche dann auch zu erkennen, das kann für dich schon erleichtern. Und im Idealfall schmunzelt man son bisschen gemeinsam, also auf beiden Seiten des Bettes und …

JULIA ROTHERBL

Also ich find ja tatsächlich, dass in diesen Fußnoten auch das eine oder andere ernste Thema Also jetzt zum Beispiel hier hab ich ein Zitat zum Thema Außenlieger. „Außenlieger sind der Endgegner ärztlicher Stationstätigkeit. Bei Bettenknappheit haben die Abteilungen die Möglichkeit, Patient*innen vorübergehend auf einer anderen Station unterzubringen. Leider muss man für jede versehentlich nicht gestellte Frage einmal quer durchs Haus. Auch Banalitäten wie Blutentnahme geraten zur Tücke.“

Also eigentlich ist es ja was, wo man als Patient jetzt nicht unbedingt lachen würde. Aber es ist trotzdem so aufbereitet, dass man, also jetzt ich auch als aus Patientinnensicht schmunzeln muss.

EVA MIRASOL

Ja, das freut mich sehr. Und das war natürlich auch das Ziel, also was ich, was überhaupt nicht mein Anliegen war, und das wurde mir auch jetzt von keiner Seite irgendwie widergespiegelt ist, dass ich irgendwie über die Leute lachen möchte, weil das ist ja, das wäre ja das wäre ja katastrophal und ich bin ja selber auch Patientin und nicht immer nur Ärztin auf der anderen Seite des Bettes, und selbst wenn nicht, also das ist niemals Ziel gewesen. Es war eher so das Ziel und das scheint mir ja gelungen zu sein, wenn Du auch gelacht hast, obwohl Du nicht die Außenlieger selber betreuen musstest als Ärztin, dass man über eben sonen Fehler im System, wie ich vorher schon gesagt hab, gemeinsam lacht beziehungsweise sich noch mal anschaut, warum das eigentlich nicht stimmt, weil das ja, es wird ja keine zusätzliche Zeit zur Verfügung gestellt zur Betreuung der Patientinnen und Patienten, die auf anderen Stationen liegen. Und dann ist es tatsächlich so, man wird, ob man jetzt medizinisch schlechter betreut wird, das sei mal dahingestellt, das muss man ja immer im Einzelfall auch sehen, aber es ist halt unglaublich größerer Mehraufwand und manchmal ist man da wirklich einfach noch 1, 2 Stunden länger beschäftigt, weil man halt sozusagen noch sone Nebenstation betreuen muss. Und ja, im Nachhinein kann man drüber schmunzeln, währenddessen eher nicht.

JULIA ROTHERBL

Ich fand, also ich hab die Fußnoten echt gern echt gerne gelesen.

EVA MIRASOL

Das freut mich.

JULIA ROTHERBL

Ich hab wahnsinnig viel gelernt ehrlich gesagt, noch mal. Also ich wusste vorher nicht, dass es Außenlieger gibt und schon gar nicht, was das bedeutet. Ja, also hat's dir auch viel Freude gemacht, diese Fußnoten zu schreiben? Irgendwie hat man den Eindruck.

EVA MIRASOL

Ja, tatsächlich ganz besonders viel Freude. Das hat sich zu so einem Nebenschauplatz entwickelt, den ich immer wieder gerne auch aufgesucht habe. Und ich hatte immer son bisschen meine Schwester im Hinterkopf, die gar nichts mit Medizin zu tun. Die ist Lehrerin und die hat überhaupt kein Interesse für medizinische Zusammenhänge. Also die schaltet nach ungefähr einem Satz ab.

Und manchmal, wenn ich's aber schaffe, es gut und knackig auf den Punkt zu bringen und son witzigen Vergleich noch fallen zu lassen, dann hört sie mir bisschen länger zu. Und die hat sich immer son bisschen im Hinterkopf und die fand die Fußnoten auch gut. Also das hat geklappt.

JULIA ROTHERBL

Würdest Du eigentlich jemand, der jetzt am Anfang dieser medizinischen Laufbahn steht, also zum Beispiel jetzt im Studium steckt, würdest Du sagen, der oder diejenige sollte das Buch lesen, zu wissen, was auf sie oder ihn zukommt? Oder würdest Du sagen, lieber nicht lesen, damit man nicht so genau weiß, was da auf einen zukommt?

EVA MIRASOL

Ich würde sagen, auf jeden Fall lesen, weil man dann ja auch schon son bisschen spürt, dass es Menschen gibt, die vielleicht mit ähnlichen Problemen gekämpft haben oder noch kämpfen, wie man selber dann haben wird oder die einen ähnlichen, vielleicht eben durch Humor son bisschen entspannteren Blick auf gewisse Zusammenhänge bekommen haben und man sich dann vielleicht nicht so alleine fühlt, weil das System ändert sich ja jetzt nicht für einen in den 3 Jahren, in denen man vielleicht noch fertig studiert. Aber ich hätte jetzt keine Sorge, dass man sich davon irgendwie abschrecken lässt, weil was man ja schon auch trotzdem irgendwie spürt, ist, dass der Beruf eigentlich ein sehr schöner ist und dass es einfach vor allem gewisse Gegebenheiten in diesem System sind, die es nicht sind. Und wo wären wir denn, wenn wir nicht immer wieder neu die Hoffnung hätten, dass man da auch noch was verändern und verbessern kann? Und mein Gefühl ist, dass man sowieso als junger Mensch mit Berufswunsch idealerweise ein bisschen beratungsresistent ist und das macht, wohin es einen irgendwie zieht und natürlich dann hofft, dass es auch im Beruf noch für einen taugt. Also ich würde es empfehlen und hoffen, dass ich richtig liege und man nicht deswegen dann nicht mehr studieren möchte oder so.

JULIA ROTHERBL

Staying Alive ist natürlich ein doppeldeutiger Titel, wenns um den Rettungsdienst, die Notaufnahme geht. Was würdest Du denn zurückblickend auf deine Erfahrung sagen, was war deine wichtigste Überlebensstrategie in dieser Zeit?

EVA MIRASOL

Also in dieser Rettungsstellenzeit, wo ich auch im Schichtdienst war, da war es tatsächlich das Team vor Ort. Also da ging's mir ähnlich wie der Protagonistin und wie glaube ich vielen, dass sich das Privatleben so auf ganz, ganz wenige Stunden reduziert, wo man dann zu Hause einkauft, schläft und vielleicht mal kurz die Eltern trifft oder irgendwie Familienangehörige oder mal, also man macht wirklich, man kann oft wenig nebenher machen und da ist dann das Team ganz wichtig und das waren immer die Momente, wo das viel Halt gegeben hat. Also das glaube ich auf jeden Fall. Das hat mir geholfen und dann ja, um noch mal auf den Humor zurückzukommen, der schon auch, dass man dann zumindest, wenn man dann danach irgendwie son Tag Revue passieren lässt mit jemandem in der Umkleide oder so, dass man da auf jeden Fall gemeinsam darüber lacht, dass man jetzt wieder 2 Überstunden gemacht hat eben. Also ja, so richtig gelacht hat man eigentlich auch nicht, aber ja doch Team und Humor, denke ich.

JULIA ROTHERBL

Hast Du schon die Story für eine Fortsetzung im Kopf?

EVA MIRASOL

Ja, da hab ich schon Dinge im Kopf, das ist auf jeden Fall geplant.

JULIA ROTHERBL

Wir freuen uns. Du willst jetzt sicher nix spoilern, aber …

EVA MIRASOL

Ich will und kann gar nichts spoilern, aber ja, ich freu mich, wenn Du dich freust.

JULIA ROTHERBL

Ich freu mich auf jeden Fall, dass Du hier meine Gästin warst und sag Danke für das Gespräch. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

EVA MIRASOL

Mir hat's auch viel Spaß gemacht. Vielen Dank für die Einladung.

JULIA ROTHERBL

Das war sie. Die letzte Folge von „Frau Doktor, übernehmen Sie!“ für 2025. Wir hören uns, wenn ihr Lust habt, und ich hoffe sehr, dass ihr Lust habt, wieder im Januar, genauer gesagt am 5. Januar mit einer neuen Folge. Und bis dahin wünschen wir euch frohe Weihnachten und eine besinnliche Zeit.

SPRECHERIN

Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.

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