„Ich kann selber mitbestimmen!“ – Die Ärztekammer ist kein Elfenbeinturm
Shownotes
Wie kommt eine junge Allgemeinmedizinerin dazu, sich bei der Ärztekammer zu engagieren? Wenn doch die meisten dabei an dröge Bürokratie und starre Strukturen denken … Für Wenke Burghardt war es eine Epiphanie. Denn sie hat gemerkt: Über die Ärztekammer kann ich wirklich etwas bewegen! Seitdem engagiert sich die Hausärztin in mehreren Ausschüssen (u. a. bei den Jungen Ärzten). Seit 2022 ist sie Mitglied der Kammerversammlung Mecklenburg-Vorpommern. In dieser Folge spricht sie über Flexibilität, Digitalisierung und Parität in der Kammer, über Vorbilder, Freundschaften und Selbstwirksamkeit.
Weitere Infos und Links:
Junge Ärztinnen und in Ärzte in Mecklenburg-Vorpommern: https://www.aek-mv.de/default.aspx?pid=20190925162107041
Im Podcast „Frau Doktor, übernehmen Sie!“ erzählen Frauen aus der Medizinbranche, wie sie dort Karriere gemacht haben. Dazu spricht Julia Rotherbl, Chefredakteurin der „Apotheken Umschau“, mit Frauen, die in Führungspositionen arbeiten, die Herausforderungen gemeistert haben oder an ihnen gescheitert sind. Es geht um Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Sexismus, männliche Netzwerke, mangelnde Vorbilder oder verschiedene Arbeitsmodelle. Das Ziel: Euch zu inspirieren und ermutigen, Euren eigenen Weg zu finden.
Montags alle 14 Tage erscheint eine neue Folge. Habt Ihr Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibt uns gerne an redaktion@gesundheit-hoeren.de
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Redaktion: Julia Rotherbl, Constanze Radnoti, Kareen Seidler; Schnitt und Post-Produktion: Constanze Radnoti, Benedikt Möltner, Yves Seißler; Chefredakteur: Peter Glück
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Transkript anzeigen
WENKE BURGHARDT Wie kann es sein – wenn hier fast 60 Prozent Ärztinnen sind und bei einer Kandidatenliste, die zumindest paritätisch ist – wie kann es sein, dass dann eigentlich weniger Frauen gewählt werden? Und die Lösung muss ja sein, dass Frauen tatsächlich nicht Frauen wählen.
JULIA ROTHERBL Woran denkt ihr eigentlich beim Stichwort Ärztekammer? Ich würde wetten, dass sehr viele an nervige bürokratische Vorgänge denken, an alte Männer, die sich zu langweiligen Themen beraten, an Sitzungen, die zu Uhrzeiten stattfinden, wo andere sich lieber um Familie und Partnerschaft kümmern. Wir haben heute eine Frau zu Gast, die, wenn sie über die Ärztekammer redet, ein Dauergrinsen im Gesicht hat und sich wahnsinnig gern dort engagiert. Und wir wollen sie fragen, warum und natürlich auch mit einigen Vorurteilen aufräumen. Unsere Gästin ist Wenke Burhardt. Sie ist Fachärztin für Allgemeinmedizin, Inhaberin einer Praxis und Mitglied der Ärztekammerversammlung Mecklenburg-Vorpommern. Hallo Wenke, ich freue mich sehr, dass du heute meine Gästin bist.
WENKE BURGHARDT Hallo Julia, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich auch, dass ich hier sein darf.
JULIA ROTHERBL Mein Name ist Julia Rotherbl, ich bin Chefredakteurin der Apotheken Umschau und darf diesen Podcast hosten. Viel Spaß beim Zuhören.
SPRECHERIN „Frau Doktor, übernehmen Sie!“. Ein Podcast von gesundheit-hören. Und Apotheken Umschau Pro.
KAPITEL – Schockverliebt in die Ärztekammer
JULIA ROTHERBL Meine erste Frage dreht sich um die Ärztekammer, deren Mitglied du ja auch bist, in Mecklenburg-Vorpommern. Und zwar, ich bin ja keine Medizinerin und irgendwie bin ich immer davon ausgegangen, dass alle, die eben MedizinerInnen sind, mit der Ärztekammer irgendwie in Berührung kommen. Tun sie auch, aber trotzdem ist das Interesse daran nicht so wirklich groß, oder?
WENKE BURGHARDT Nee, tatsächlich nicht. Die meisten haben ja wirklich erstmals damit zu tun, während sie ihre Approbation abholen, das heißt direkt nach der Prüfung. Und dann ist irgendwie lange Zeit gar nichts. Und dann das erste Mal wieder, wenn sie meinen, so ich bin jetzt so weit, ich möchte gerne meinen Facharzt machen. Und in der Zwischenzeit zahlt man halt irgendwelche ominösen Beiträge, wo man auch gar nicht weiß, wo es denn damit hingeht. Ja, und dann wird man gegängelt mit irgendwelchen Sachen aus dem eLogbuch oder irgendwas, was für die Facharztprüfung noch nicht fertig ist oder wo sie meinen, das muss vielleicht noch gemacht werden. Und dann ist erst mal die Berührung sehr wenig und wenn sie dann da ist, meistens auch vielleicht erst mal ein Stück weit frustrierend. Ich glaube, dann sind viele einfach schon mal satt.
JULIA ROTHERBL Genau, ich wollte gerade sagen … Also die Berührungspunkte, die man hat, die sind dann eher so ein bisschen mit negativen Gefühlen verbunden. Richtig?
WENKE BURGHARDT Ja, ich befürchte schon.
JULIA ROTHERBL Was hat bei dir dazu geführt, dass da plötzlich positive Gefühle waren?
WENKE BURGHARDT Tatsächlich ist das – wie so häufig, wie ich das ja auch schon bei euch im Podcast gehört habe – man kommt da ja immer eher so ein bisschen zufällig zu. Tatsächlich war es so, dass unser damaliger Vorstand der Ärztekammer, ich glaube auf der Bundesärztekammer, gesehen hat, dass andere Länder eine AG der Jungen Ärzte haben oder überhaupt eine Sparte der Jungen Ärzte und wollte das jetzt eigentlich auch ganz gerne etablieren. Und dann haben sie einen Kollegen angesprochen aus der Orthopädie und der wiederum kannte mich und hat gesagt, „Mensch, willst du mit mir nicht mal dahin gehen?“ Und da war tatsächlich erst mal so, „Die Ärztekammer, was macht die denn für mich?“ Weil, ich war genau noch in dieser Weiterbildungszeit und musste mir das auch erst mal erklären lassen, warum ist Ärztekammer toll? Und dann konnte ich auch so in die ersten Kammerversammlungen reinschnuppern und hab dann erst mal so mitgekriegt, wie läuft das da eigentlich? Das ist ja doch recht parlamentarisch und alle dürfen mal sprechen, die was zu sagen haben. Und wow! Du kannst ja direkt mitbestimmen, du kannst direkt mitmachen, wenn du Ideen hast. Und da war ich dann das erste Mal so, wirklich, da hatte ich so eine Epiphanie. So wow! Ich kann selber mitbestimmen, ich kann selber was machen. Und das hat mich eigentlich total abgeholt und hat dann dazu geführt, dass ich mich nicht nur bei den Jungen Ärzten engagiert habe, sondern mich dann auch hab’ zur Wahl aufstellen lassen. Und ja, jetzt bin ich Kammerversammlungsmitglied.
JULIA ROTHERBL Also, das Feuer war relativ schnell entfacht.
WENKE BURGHARDT Ja, das kann man schon sagen. Man muss allerdings auch sagen, die Ärztekammer hat sich viel Mühe gegeben. Die haben uns wirklich mit dem Geschäftsführer, dem Herrn Loebbert, bekannt gemacht. Der hat uns dann erstmal wirklich alle Fragen, die wir hatten – Warum sollen wir uns für die Ärztekammer engagieren? Was macht die eigentlich? – hat er uns ganz schön erklärt und hat sich da wirklich Zeit für uns genommen. Und dann sagte ein Kollege irgendwann so, „Aha, die Ärztekammer ist also die Mutti für alle Mediziner. Man sieht sie nicht immer, aber wenn du Probleme hast, kannst du ruhig kommen.“ Und das fand ich irgendwie so treffend und ich denke, das beschreibt es auch ganz gut.
JULIA ROTHERBL Ist das denn tatsächlich so der übliche Weg, also diese Mund-zu-Mund-Propaganda? Jemand spricht jemanden an, der wieder jemanden anspricht und so? Oder gibt es auch andere Wege, auf denen die Ärztekammern versuchen, neue Mitglieder für sich zu begeistern?
WENKE BURGHARDT Viele, mit denen ich jetzt in der Ärztekammer zusammenarbeite, sind tatsächlich über diesen Weg gekommen. Wir versuchen aktuell tatsächlich, einen ein bisschen anderen Weg zu fahren. Wir versuchen jetzt über einen sogenannten Neuapprobierten-Abend, tatsächlich direkt an die Kollegen ranzukommen, die jetzt frisch vom Studium kommen, um denen einfach diesen Elfenbeinturm Ärztekammer doch ein bisschen näher zu bringen. Denen zu zeigen, was machen die eigentlich? Wo habt ihr Mitgestaltungsmöglichkeiten? Wo sind vielleicht auch ganz niedrigschwellige Angebote bei Problemen oder Fragen? Dass sie einfach so diesen Respekt und die Berührungsängste verlieren. Und da hatten wir bislang zwei, und ich habe das Gefühl, dass es eigentlich sehr gut auch angenommen wird.
JULIA ROTHERBL Ihr wolltet das Problem gezielt angehen?
WENKE BURGHARDT Genau, wir wollten das Problem gezielt angehen und einfach auch die Ärztekammer bekannter machen, bei den jungen Leuten. Natürlich um dann auch mittel- und langfristig Mitarbeiter zu generieren.
JULIA ROTHERBL Also, ein Klischee, dass die Ärztekammern – wobei ich weiß gar nicht, ob man es Klischee nennen kann – also, ein Kritikpunkt, der das Thema Ärztekammer immer wieder begleitet, ist die hohe Anzahl an Männern, die sich da engagieren. Wir haben jetzt mal geguckt, bei euch ist es so ein Drittel, zwei Drittel. War aber, glaube ich, als du dazu gekommen bist, noch ein bisschen anders.
WENKE BURGHARDT Genau, also als ich in der AG der Jungen Ärzte gestartet bin, da waren es tatsächlich zu einem Großteil Männer. Jetzt gab es inzwischen eine Kammerwahl, in der ich dann ja Gott sei Dank auch zum Mitglied gewählt wurde. Und da hat man schon auch versucht, bei den Wahllisten, die aufgestellt wurden, also wirklich paritätisch aufzustellen, die Kandidaten auszuwählen, auch speziell Frauen anzusprechen. Und interessanterweise ist es dann doch wieder nur ein Verhältnis ein Drittel, zwei Drittel geworden.
JULIA ROTHERBL Obwohl ja mindestens die Hälfte der WählerInnen weiblich sein dürften.
WENKE BURGHARDT Genau.
JULIA ROTHERBL Das heißt, die wählen dann auch die Männer?
WENKE BURGHARDT Das ist tatsächlich etwas, worüber ich mich auch sehr geärgert habe. Ich habe mich ziemlich zeitnah auch für die Kassenärztliche Vereinigung hier aufstellen lassen und da war das Endergebnis sogar noch ein bisschen krasser. Und ich habe mich tatsächlich auch gewundert. Wie kann es sein – wenn hier fast 60 Prozent Ärztinnen in MV sind und bei einer Kandidatenliste, die zumindest paritätisch ist – wie kann es sein, dass dann eigentlich weniger Frauen gewählt werden? Und die Lösung muss ja sein, dass Frauen tatsächlich nicht Frauen wählen. Das müsste man tatsächlich mal hinterfragen, woran das liegt. Trauen die Frauen sich weniger zu? Trauen sie dadurch indirekt auch den Frauen, die sich zur Wahl stellen, weniger zu? Wählen Frauen vielleicht nicht? Ich weiß es nicht. Ich glaube dazu gab es noch keine Untersuchung.
JULIA ROTHERBL Oder die Frauen, die auf den Listen sind, machen nicht genug Wahlkampf für sich?
WENKE BURGHARDT Ja, das kann man natürlich auch so sagen, weil hier in MV läuft es nicht ganz so wie in anderen Landesärztekammern. Also während wir wissen, dass zum Beispiel in Westfalen-Lippe und sonstige, da gibt es ja regelrecht so eine Art Fraktion oder auch Parteien, ist das hier in MV nicht so. Das hat sich geschichtlich nie so entwickelt und dadurch, dass es keine Fraktionen gibt, gibt es dann auch keinen Wahlkampf. Das ist tatsächlich – wir werden auf eine Liste gestellt, dazu gibt es auch keine Gesichter. Es gibt online zwar die Möglichkeit, sich in der Ärztekammer vorzustellen, auf der Seite der Kandidaten. Aber letztlich ist es dann immer nur so, die Leute, die draufstehen und die ein bisschen bekannter sind, weil sie sich vielleicht schon irgendwo engagiert haben oder weil sie vielleicht irgendwo in der Klinik sind oder irgendwo bekannter sind, die werden dann natürlich auch gewählt, weil du einfach den Namen kennst. Und junge Leute, egal ob jetzt männlich oder weiblich, haben es natürlich dadurch per se erstmal schwerer als vielleicht schon gestandene KollegInnen. Und ja, ich denke, da ist auch ein Problem in unserem System. Und auch dadurch versuchen wir, die Leute frühzeitig an die Ärztekammer heranzuführen, auch Frauen, auch um einfach Verbindungen zu schaffen, um Netzwerke zu schaffen, um alle die jüngeren Kollegen auch einzuführen, in dieses Geschäft der Ärztekammer.
JULIA ROTHERBL Wie wichtig, glaubst du, ist bei dem Thema eigentlich das Thema Vorbild? Also, dass ich als junge Ärztin überhaupt Frauen sehe, die sich engagieren, die fast für sich an der Spitze von Berufsverbänden und so weiter stehen?
WENKE BURGHARDT Extrem wichtig.
JULIA ROTHERBL Ist das ein Teil des Problems, dass es da noch zu wenig gibt?
WENKE BURGHARDT Auch. Also, zum einen glaube ich, es ist extrem wichtig, dass man Vorbilder hat, dass es einfach starke, auch weibliche Führungspersonen gibt, die einfach von diesem männlichen Führungsstil auch abweichen. Da hattet ihr ja schon ganz viele tolle Frauen im Podcast, die einfach auch gesagt haben, wie sie es anders machen. Und da habe ich ganz oft so innerlich gejubelt und gesagt, „Ja! Genau so ist es, so muss es sein.“ Und habe auch immer wieder gemerkt, dass solche Vorbildfrauen natürlich auch dazu taugen, dass man es nachmacht. Und zum anderen denke ich – jetzt habe ich den zweiten Teil vergessen.
JULIA ROTHERBL Denk mal kurz nach, vielleicht fällt er dir wieder ein … Ob grundsätzlich quasi zu wenig Frauen in diesen Positionen – ob das beeinflusst, dass auch wenig weiblicher Nachwuchs dann entsprechend kommt?
WENKE BURGHARDT Ich glaube, das ist ein Mischproblem. Also, ich glaube schon, dass eine Frau, die eine starke Frau als Führungspersönlichkeit erlebt, eher dazu geneigt ist, sich vielleicht auch eine Führungsposition zuzutrauen. Ja. Ich glaube aber, so wie es eben auch häufig angesprochen wurde, dass wir Frauen eben durch diese, ich sag's mal, Autobahn des Lebens, wo wir zeitgleich unsere Facharztausbildung machen, wo wir zeitgleich Familie haben wollen, wo wir zeitgleich vielleicht auch eine Karriere aufbauen wollen. Das ist einfach eine Zeit, wo extrem viele Einflüsse auf einen einströmen und man muss sich dann einfach entscheiden. Du hast nur 100 Prozent zu geben. Und die Zeit mit kleinen Kindern hat seine eigenen Herausforderungen. Und dann machst du eben nicht die Weiterbildung oder machst du vielleicht nicht die Zusatzfortbildung, die du brauchst, um vielleicht dann späterhin eine Führungsposition zu haben. Also, jetzt zum Beispiel im konkreten Fall, ich habe einen Kollegen, der ist super, der hat jetzt auch noch ein Management im Gesundheitswesen gemacht und kann jetzt natürlich in der Ärztekammer auch total tolle Sachen im Finanzausschuss beitragen. Die Möglichkeit hätte ich jetzt für mich zum Beispiel nicht gesehen. Und es ist so, da lassen wir Frauen doch in dieser Zeit der Familiengründung doch ein bisschen mehr Federn als die Männer, weil wir, warum auch immer, uns da vielleicht mehr engagieren oder uns mehr zurücknehmen. Und ich denke, da sind natürlich starke Frauenbilder schon wichtig, um zu zeigen, du kannst es trotzdem machen. Und die Kinder sind eine gewisse Zeit klein, dann sind sie auch irgendwann ein bisschen flügge und dann kann man seine eigenen Flügel wieder mehr spreizen und mehr machen. Und du kannst denen auch schon mal sagen, „Jetzt setzt du dich 20 Minuten hin und machst mal deins. Und in der Zeit sitze ich nebenbei und mache meins.“ Das geht schon eher. Und irgendwann wollen die auch nicht mehr so viel von uns sein, seien wir mal ehrlich.
JULIA ROTHERBL Wie muss man sich denn quasi den zeitlichen Aufwand dieses Engagements vorstellen? Wenn man jetzt tatsächlich mit dem Gedanken spielt und noch so davor zurückschreckt, dass man sagt, „Oh Gott, ich weiß nicht, was da auf mich zukommt. Nicht, dass ich dann an meinen Wochenenden, wo ich endlich mal Zeit für die Familie hätte, noch irgendwie Kammertätigkeiten machen muss.“ Kannst du das mal so beschreiben, was das für dich so bedeutet, in einem Monat oder so?
WENKE BURGHARDT Also erstmal, wenn man Kammerversammlungsmitglied ist, dann hat man natürlich zu den bei uns zweimal im Jahr stattfindenden Kammerversammlungen auch da zu sein. Das ist einmal im April, einmal im November. Das ist so sicherlich das Mindestengagement, was man zeigen sollte. Dann hat man noch die Möglichkeit, sich für verschiedene Ausschüsse wählen zu lassen. Finanzausschuss, Schlichtungsausschuss, Ausschuss der Jungen Ärzte etc. Und da kann es tatsächlich sehr stark variieren. Ich habe das Glück, ich bin noch in der Redaktion der Ärztekammer. Ich bin im Ausschuss der Jungen Ärzte, Eignungsausschuss etc. Also, ich habe mich in einiges reinwählen lassen. Ich denke, im Monat sind es so für mich, das ist jetzt eine gute Frage, 30 Stunden, 40 Stunden. Kommt immer so ein bisschen drauf an, was gerade anliegt. Nicht jeder Ausschuss tagt monatlich, aber zum Beispiel die Jungen Ärzte tagen monatlich, die Ärztekammerredaktion ist monatlich dabei. Und jetzt hatten wir vor der Sommerpause natürlich nochmal so einen Run, wo alle Ausschüsse nochmal was sagen wollten und nochmal ihre Agenda vorführen wollten. Das war schon ein voller Monat, klar.
JULIA ROTHERBL Wie organisierst du das für dich neben der Praxis und deiner Familie? Hast du so feste Zeiten, wo du sagst, okay, was weiß ich, immer der Mittwochabend oder...
WENKE BURGHARDT Ich wäre gern so strukturiert. Das läuft im Prinzip so wie früher mit den Hausaufgaben. Wenn es dran ist, schaufele ich mir die Zeit frei. Nein, es ist schon so, also zum Beispiel unsere Ärztezeitung, die Redaktion, die schickt so ungefähr eine Woche vorher die Artikel, die wir uns durchlesen sollen, wo wir dann unsere Anmerkungen machen sollen. Da versuche ich mir dann schon, am Wochenende mal Sonntagnachmittag oder wenn die Kinder dann im Bett sind, dann gucke ich mir das an. Das ist jetzt nicht so aufwendig. Andere Sachen, ja, da gucke ich dann immer, wo es gerade passt. Es ist ja immer so, wenn du ein Hausarzt bist, hast du ja auch gerne mal Hausbesuche zu irgendwelchen Zeiten, wann es dir gerade nicht passt. Also, ich mache mir da jetzt wirklich kaum noch irgendwelche festen und starren Pläne. Das lässt sich einfach nicht realisieren. Wenn es reinpasst und was ansteht, dann mache ich das.
JULIA ROTHERBL Ist ja auf der anderen Seite auch schön, dass man sich das irgendwie zeitlich einteilen kann. Weil, was zumindest, glaube ich, vor ein paar Jahren, vor Corona noch der Fall war, dass auch manche Menschen – das sind nicht nur Frauen, die sagen, meine Abende sind dann wenigstens für die Kinder und die Partnerschaft da – das nicht so toll fanden, dass man immer von 17 bis 19 Uhr dann in irgendwelchen Vorstandssitzungen oder sowas saß. Also, das ist ja eigentlich gut, wenn man sich’s frei einteilen kann. Oder hat sich da durch Corona bei euch auch irgendwie ein bisschen, also im Sinne von, wir treffen uns mehr digital, es ist alles ein bisschen flexibler – hat sich da was verändert?
WENKE BURGHARDT Ich kann es natürlich schlecht sagen, wie es vor Corona war, weil ich ja erst 2022 in die Kammer gewählt wurde. Aber wir haben schon davor auch geschaut, dass es relativ kinderfreundlich ist. Dann haben wir zum Beispiel den Mittwochnachmittag gewählt, möglichst keine Termine am Wochenende. Aber jetzt muss ich auch sagen, durch Corona hat es ja in der Digitalisierung einfach einen ganz großen Schub gegeben, und wir versuchen, möglichst viel online zu machen. Wir versuchen uns, wenn möglich, zu Zeiten zu treffen, wo es auch familienfreundlich ist. Das ist je nach Besetzung des Ausschusses durchaus auch unterschiedlich. Die Jungen Ärzte treffen sich dann ganz gerne dienstags, 19 Uhr und für den Eignungsausschuss haben wir uns, weil es einfach da gut passte, freitags um 14 Uhr getroffen. Das kann man ja Gott sei Dank relativ frei handhaben. Und was ich auch schön finde, ist, dass man da auch einfach gehört wird. Da wird nicht einfach gesagt so und bumm und da ist der Termin, sondern es wird gefragt, passt euch das? Was habt ihr für einen Vorschlag? Und das findet sich dann eigentlich schon ganz gut zusammen.
KAPITEL – Von den jungen Wilden zur Selbstwirksamkeit
JULIA ROTHERBL Ich weiß, dass in dem Ausschuss Junge Ärzte mehrheitlich Frauen sind, während in der Kammer mehrheitlich Männer sind. Was würdest du sagen, sind so die Unterschiede bei den Sitzungen?
WENKE BURGHARDT Bei den Jungen Ärzten ist es schon deutlich ungezwungener. Ich will jetzt nicht sagen die jungen Wilden, aber doch. Es gibt viele gute Ideen, viel Input einfach auch, viele sehr gut vernetzte junge Leute, teilweise sogar noch im PJ, die natürlich auch ganz eigene Ideen reinbringen, was ihnen jetzt gerade wichtig ist. Und da muss ich auch sagen, bin ich jetzt so als nicht mehr ganz junger Facharzt teilweise auch schon fast außen vor. Also ich merke das auch. Die haben einfach ganz andere Sachen auf ihrer Agenda. Ich bin nicht mehr in deren Blase, ich habe meine eigene.
JULIA ROTHERBL Kannst du ein Beispiel nennen?
WENKE BURGHARDT Ja, zum Beispiel das eLogbuch. Diese Kataloge, die man ja erfüllen muss, für die Weiterbildung. Da musst du ja immer bestimmte Sachen bringen. Die sind halt Pflicht und die musst du dir dann dokumentieren lassen. Zu meiner Zeit gab es das natürlich noch schön in Papier. Das eLogbuch hat da jetzt die digitale Variante erfahren. Und da gibt es natürlich auch so bestimmte Probleme mit den Kinderschuhen, mit den ambulanten Weiterbildern, wo ich dann auch sage, „Boah, okay, das habe ich natürlich nicht auf dem Schirm“, weil es mich einfach nicht mehr betrifft. Oder bestimmte Sachen im Meldewesen. Die AG der Jungen Ärzte bemüht sich auch viel um KollegInnen mit Migrationshintergrund. Das sind natürlich Sachen, die habe ich nicht durchlebt. Da bin ich dann auf Input von außen angewiesen. Da möchte ich dann zuhören. Wo gibt es da aktuell Probleme? Was sollten wir dann vielleicht auch über den Ausschuss in die Kammerversammlung eintragen? Und das geht aber schon deutlich ungezwungener vor sich als in den anderen Ausschüssen, wo man es dann eben vielleicht doch mal mit einem Klinikleiter zu tun hat oder mit einem Oberarzt.
JULIA ROTHERBL Hast du dann das Gefühl, dass diese jungen Wilden, wie du es jetzt genannt hast, dass sie überall, oder deren Ideen überall auf Gegenliebe stoßen? Oder ist es schon auch so, dass in manchen etablierteren Ebenen da auch manchmal eher so ein Genervtsein …
WENKE BURGHARDT Nee, tatsächlich habe ich eher das Gefühl, dass man eigentlich recht positiv auf die Vorschläge reagiert. Also, unser Vorstand jetzt in MV ist zum Beispiel sehr daran interessiert, auch die Meinung der Jüngeren zu hören. Und haben da viele, viele Wege aufgemacht und sind da auch sehr entgegenkommend. Aber natürlich, auch die Kammerversammlung ist demokratisch organisiert und man muss, um bestimmte Vorschläge umzusetzen, das natürlich in die Kammerversammlung tragen. Und es kann dann schon sein, dass der eine oder andere Vorschlag dann eben nicht so durchkommt, wie man sich das wünscht. Und dann kann es natürlich schon daran haken, dass vielleicht der eine oder andere aus bestimmten Gründen jetzt diesen Vorschlag nicht toll findet, was natürlich vielleicht auch mit dem Alter zusammenhängen kann. Das möchte ich jetzt aber im Einzelnen gar nicht beurteilen, weil ich natürlich den Leuten nicht hinter die Stirn schauen kann. Aber im Prinzip habe ich schon das Gefühl, dass die Kammer sich schon gern auch mit den jungen Leuten umgibt und auch gerne auf das hört, was die da als Input bringen. Zum Beispiel diesen Neuapprobierten-Abend. Und dass versucht wird, zu den Fachschaften schon Kontakt aufzunehmen etc.
JULIA ROTHERBL Was sind denn generell, wenn du jetzt so auf die Zeit in der Ärztekammer zurückblickst, was sind denn generell so Sachen, wo du sagst, ja, da haben wir irgendwie Veränderung angeschoben? Kannst du ein, zwei Beispiele nennen?
WENKE BURGHARDT Wie gesagt, ich bin jetzt erst seit zwei Jahren dabei. Mir fehlt natürlich so ein bisschen die Innenansicht, wie es davor war. Aber ich habe schon das Gefühl, dadurch, dass jetzt in der letzten Kammerwahl sehr viele Junge auch gekommen sind, wurde zum Beispiel viel an der Kommunikation intern geändert. Es wird deutlich transparenter gearbeitet. Es wird viel mehr, also rein praktisch auch, viel digitaler gearbeitet. Ich habe das Gefühl, dass auch die Kommunikation untereinander deutlich kollegialer ist. Das hängt aber, wie gesagt, auch von verschiedenen Ausschüssen ab. Und da mag ich mich jetzt auch nicht zu weit aus dem Fenster hängen, weil ich bin ja auch nur in einigen und nicht in allen. Es kann ja auch sein, dass es in den anderen schon super lief, auch vorher.
JULIA ROTHERBL Ist es eigentlich so, dass man sich da quasi so Hüte aufsetzt, im Sinne von, das sind meine Themen? Also, keine Ahnung, jemand steht für Frauenförderung, jemand steht für die jungen Wilden. Sucht man sich da so Nischen? Oder ist jeder irgendwie für alles theoretisch zuständig?
WENKE BURGHARDT Die Ausschüsse an sich sind ja schon recht speziell. Also, wir hatten jetzt zum Beispiel den Ausschuss zur Eignung als Weiterbilder. Und da war es schon sehr interessant, weil dieser Ausschuss sehr verschieden besetzt war, welche Anstöße die verschiedenen Persönlichkeiten gegeben haben. Und da bin ich natürlich so als junge Frau auch so ein Mensch. Aber wir müssen halt auch gucken, wie ist es mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Führt das zum Beispiel, auch wenn es nicht juristisch geahndet wird, zum Beispiel aber zu einem Hinterfragen der Weiterbildungsbefähigung etc? Und da hat man dann natürlich schon irgendwo seinen Hut auf, weil man ja auch aus einer eigenen Blase kommt, was man so mit einbringt. Andersherum ist es natürlich auch so, dass die anderen natürlich auch ihre Hüte haben und natürlich auch ihre Ideen einbringen. Und das finde ich aber insgesamt sehr konstruktiv und fand das auch einfach ein schönes Arbeiten. Und ich hoffe, dass wir da jetzt was gestrickt haben, womit der Vorstand, und letztlich auch die Kammerversammlung dann einverstanden ist.
JULIA ROTHERBL Was gibt dir denn dieses Engagement ganz generell? Also, du siehst sehr glücklich aus, wenn du darüber redest. Deswegen gehe ich mal davon aus, es gibt dir sehr viel. Aber kannst du es konkretisieren?
WENKE BURGHARDT Das ist eine sehr interessante Frage. Lass mich noch mal eine Sekunde darüber nachdenken. Also, was es mir gibt. Tatsächlich empfinde ich den Kontakt zu den Kollegen, egal ob jetzt jünger oder älter, generell als höchst interessant. Weil man hat ja immer so seinen eigenen Alltag, seine eigene Sicht, seine eigenen Problemchen. Und wenn man dann sich mit den anderen unterhält und dann entweder Feedback erfährt, dass man merkt, Mensch, ich stehe ja gar nicht allein auf weiter Flur mit dem und dem Problem. Dann ist das schon mal unheimlich schön. Es ist manchmal aber auch genauso schön, mal eine andere Sichtweise zu kriegen. Einfach so aus seinen eingefahrenen Ideen rauszukommen. Und manchmal ist es dann eben auch gut, wenn man dann mal von jemand Alten hört, „Pass auf, das haben wir früher so gemacht. Und wir haben euch jetzt erstmal ermöglicht, dass es jetzt so läuft“, und wir uns dann eigentlich auf der einen Seite dankbar sehen, dass es jetzt so ist, auf der anderen Seite dann aber auch dieses Vermächtnis fortführen können, ist das schon extrem schön. Und ich schätze es auch unheimlich, diese Vernetzung, die dabei zustande kommt, dass man dann manchmal auch so abseits der Ärztekammer vielleicht jemanden hat, den man ansprechen kann. „Sag mal, Mensch, ich habe da dieses und jenes Problem. Wie sieht es aus? Kannst du mir mal helfen? Kannst du das mir mal erklären?“ Das schätze ich auch. Und die Leute, die ich da bis jetzt kennengelernt habe, waren eigentlich mehrheitlich sehr, sehr engagiert und haben eigentlich immer auch ein offenes Ohr. Und das gibt mir schon viel, dass man dann einfach auch weiß, da kannst du dich auch mal hinwenden.
JULIA ROTHERBL Wie wichtig ist dieses Netzwerk für dich, und geht es auch quasi über das berufliche hinaus? Also entstehen dann auch Freundschaften?
WENKE BURGHARDT Ja, doch, würde ich ganz klar sagen. Also, ich glaube, das ist so ein Geben und Nehmen. Also, ich habe zum Beispiel eine ganz liebe Kollegin Theresa, die habe ich auch durch die AG kennengelernt. Eine auch unglaublich engagierte junge Frau mit ganz vielen tollen Ideen und also auch wirklich eine Wucht, was Organisation angeht. Und die hat mich schon so manches Mal aufgefangen. Es müssen gar keine langen Gespräche sein, aber da hat sich auch eine Freundschaft entwickelt, für die ich sehr dankbar bin. Aber es ist natürlich insgesamt auch so, dass einen das irgendwie festigt. Wenn man jetzt weiß, Mensch – ich habe jetzt hier auch einen Kollegen, Christian, wenn ich jetzt wüsste, mir geht es nicht gut, da könnte ich mich jetzt auch hausärztlicherseits einfach auch hinbegeben. Das ist natürlich schon toll, weil man die Leute auf nicht nur fachlicher und beruflicher Ebene kennt, sondern natürlich auch auf menschlicher. Und also mal danke an die beiden. Also klar, das ist ja nie eine einseitige Sache. Das führt ja immer zu Interaktionen. Und da sind wir auch alle so menschlich gestrickt, dass wir sagen, ja, das kann auch außerhalb der Ärztekammer ruhig mal zur Freundschaft führen.
JULIA ROTHERBL Ich weiß, dein Mann ist an Krebs erkrankt und dass das für dich auch quasi ein Gegenpol zu dieser schwierigen Situation war. Magst du uns erzählen, wie sich das angefühlt hat? Also, was für dich da so wichtig war, auch mal ganz was anderes zu tun, als zu Hause zu sein und in der Praxis zu sein?
WENKE BURGHARDT Ja, weil das Engagement in der Ärztekammer, wie gesagt, das findet ja auf einer recht berufspolitischen Ebene statt, aber natürlich auch auf einer fachlich sehr guten Ebene. Es hat mir einfach geholfen, die Rolle zu wechseln. Also, zu Hause bin ich natürlich Mutter und zu Hause bin ich Ehefrau und ich bin die Begleiterin eines kranken Menschen. Das allein ist ja eigentlich schon ziemlich viel, aber das ist manchmal auch sehr traurig. Und in der Ärztekammer war das in dem Sinne ja nicht Thema. Und ich konnte da einfach wieder in eine Rolle schlüpfen, die ich vorher schon ein Stück weit innehatte und die mir einfach ermöglicht hat, auf einer anderen Ebene produktiv zu sein und Kraft zu schöpfen. Und ich bin da auch sehr dankbar, dass mein Mann immer sagt, „Ja, mach das ruhig, geh ruhig dahin, auch wenn es jetzt ein bisschen Arbeit zwischendurch ist“, weil mich das einfach natürlich irgendwo festigt und erdet und mir natürlich die Resilienz gibt, die ich brauche, einfach auch diese Gesamtsituation irgendwo zu verarbeiten, zu überstehen. Hoffentlich überstehen. Wir werden sehen.
JULIA ROTHERBL Was ich mich gefragt habe, ob der Gegenpol nicht stärker wäre, wenn du jetzt – keine Ahnung, als Beispiel – ehrenamtlich eine Mädchenfußballmannschaft trainierst. Also, du bewegst dich ja trotzdem noch quasi in einem Umfeld, das irgendwie mit deinem Beruf zu tun hat und natürlich auch mit dem Thema Krankheit zu tun hat. Also, hast du nie dran gedacht, dann quasi noch eine größere Distanz irgendwie zu schaffen, noch einen größeren Gegenpol zu den anderen Lebensbereichen?
WENKE BURGHARDT Nie, weil ich war ja sowieso schon da engagiert und jetzt glaube ich, was ganz anderes zu machen, das hat mich jetzt, weiß ich nicht … Nee, konnte ich mir nicht vorstellen, ehrlicherweise nicht. Einfach weil ich da ja sowieso schon da war und bestimmte Sachen ja schon angefangen hatte, also warum das nicht weiterverfolgen. Das Engagement mit Ärzten hat ja nicht immer was mit Krankheit zu tun, sondern ja auch ganz viel mit Hoffnung und Verarbeitung und Stärke. Oder ich sag mal so, in meiner ärztlichen Tätigkeit sehe ich ja ganz viele Kranke natürlich, aber auch ganz viele Leute, die gesund werden oder die eben durch schwache Momente auch durchkommen. Und davon profitiere ich natürlich auch. Und das erzeugt ja auch so ein gewisses, ich will es nicht laissez-faire … aber so ein gewisses Durchatmen. Auch wenn es dunkel ist, es wird auch schon wieder hell werden. Und deswegen habe ich eigentlich nie daran gedacht, mich jetzt von Ärzten fernzuhalten. Nee.
JULIA ROTHERBL Vielleicht schließen wir mit der Frage – also wir wissen, dass uns viele junge Ärztinnen hören, teilweise noch im Studium. Vielleicht magst du mal so drei Punkte oder zwei oder wie viel dir auch immer einfallen, sagen, warum es sich auf jeden Fall lohnt, sich in der Ärztekammer zu engagieren.
WENKE BURGHARDT Das ganz allerwichtigste ist, dass man begreifen muss, dass die Ärztekammer das Organ der Selbstverwaltung ist. Das hört sich jetzt nach so einer Worthülse an. Aber man muss halt begreifen, dass die Ärztekammer und die Entschlüsse, die wir dort treffen – kein anderer, nicht die Politik, sondern wir – wir können entscheiden, wo sind die Grenzen unseres Berufes. Wie bauen wir zum Beispiel eine Weiterbildung auf? Was brauchst du, um bestimmte berufliche Ziele zu erreichen? Was wird da als Qualitätssicherung auch gemacht? Das war für mich wirklich so ein Aha-Effekt, wo ich gedacht habe, „Ach so, das können wir selbst beeinflussen!“ Das heißt, in dem Moment, wo du was gut findest, kannst du das weitertragen. In dem Moment, wo du was schlecht findest, kannst du es aber auch beeinflussen. Das ist ja schon mal was ganz Wichtiges, dass du merkst – diese Selbstwirksamkeit. Nicht dem ausgeliefert zu sein. Du hast da keinen Chef, der dir sagt, wie es läuft. Du hast keine Uni, die dir sagt, wie es läuft, sondern du entscheidest das selber. Du kannst dich einbringen, über die Kammerversammlung. Du kannst deine Ideen voranbringen, in den Ausschüssen. Das ist das allererste. Das zweite ist natürlich das Netzwerken. Du hast da viele Leute, die auch engagiert sind, die tolle Ideen haben, wo man dann auch manchmal denkt, „Hab ich ja überhaupt nicht dran gedacht. Es gibt ja noch eine viel einfachere Lösung.“ Oder dass du dann einfach wirklich auch durch diese Ideen weiterkommst, ja auch in deinem eigenen Handeln, fand ich super. Also, das war für mich auch ganz wichtig. Und das Dritte...
JULIA ROTHERBL Es müssen keine drei sein.
WENKE BURGHARDT Danke.
JULIA ROTHERBL Wenke, ich sag danke, dass du hier warst. Hat mir viel Spaß gemacht und wenn jetzt nicht die Ärztekammern volllaufen, weiß ich auch nicht. Dankeschön.
WENKE BURGHARDT Ja, vielen Dank.
JULIA ROTHERBL Wer jetzt Lust hat, sich mit dem Thema Ärztekammern und vielleicht sogar dem Thema Karriere in Ärztekammern genauer zu beschäftigen, dem lege ich eine frühere Folge von „Frau Doktor, übernehmen Sie!“ sehr ans Herz. Sie heißt „Vom Kittel zur Kammer – Wie viel wir tun, wissen viele gar nicht“. Darin zu Gast ist Dr. Patricia Klein, ärztliche Geschäftsführerin der sächsischen Landesärztekammer. Hört gern mal rein. „Frau Doktor, übernehmen Sie!“ erscheint alle 14 Tage neu. Immer montags.
SPRECHERIN Ein Podcast von gesundheit-hören. Und Apotheken Umschau Pro.
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