Nur 7 Minuten pro Patientin – „Wie schaffen das die anderen?“

Shownotes

Mehr als 30 Patientinnen am Tag. So sah Dr. Daniela Bachs Alltag als Gynäkologin aus. Für sie zu viel. Da bleibt einfach nicht genug Zeit für Prävention, für sensible Aufklärung, für richtige Gespräche. Deshalb hat sie sich selbständig gemacht – nicht mit einer Privatpraxis, sondern als „Women’s Health Educator“. In der „Glückssprechstunde“ klärt sie auf zum Thema Frauengesundheit – und bietet eine daten- und evidenzbasierte, ganzheitliche Beratung. Mit Julia Rotherbl spricht sie über das Hamsterrad in Klinik und Praxis, Abrechnungssysteme, die Prävention nicht berücksichtigen, und Idealismus, der an der Realität scheitert.


Weitere Infos und Links:

Pocast „The Sex Gap“, Folge „Körperbilder: Warum alle einen Penis zeichnen können, aber keine Klitoris“: https://www.apotheken-umschau.de/podcast/episode/the-sex-gap-der-podcast-zu-geschlechtergerechter-medizin/koerperbilder-warum-alle-einen-penis-zeichnen-koennen-aber-keine-klitoris-929423.html


Im Podcast „Frau Doktor, übernehmen Sie!“ erzählen Frauen aus der Medizinbranche, wie sie dort Karriere gemacht haben. Dazu spricht Julia Rotherbl, Chefredakteurin der „Apotheken Umschau“, mit Frauen, die in Führungspositionen arbeiten, die Herausforderungen gemeistert haben oder an ihnen gescheitert sind. Es geht um Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Sexismus, männliche Netzwerke, mangelnde Vorbilder oder verschiedene Arbeitsmodelle. Das Ziel: Euch zu inspirieren und ermutigen, Euren eigenen Weg zu finden.

Montags alle 14 Tage erscheint eine neue Folge. Habt Ihr Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibt uns gerne an redaktion@gesundheit-hoeren.de

Mehr Gesundheitspodcasts gibt es hier: www.gesundheit-hoeren.de

Redaktion: Julia Rotherbl, Kareen Seidler, Constanze Radnoti;

Schnitt und Post-Produktion: Constanze Radnoti, Benedikt Möltner, Yves Seißler;

Chefredakteur: Peter Glück


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Transkript anzeigen

DR. DANIELA BACH

Dann habe ich mich gefragt, will ich jetzt von diesem ersten Burnout-Erlebnis sehenden Auges in das nächste schlittern, weil ich nicht die Medizin machen kann, wie ich sie mir wünschen würde, wie ich sie mir vorstelle? Und meine Antwort war wieder, nein, ich kann das nicht. Ich kann auch in diesem Praxiskonstrukt nicht arbeiten, bis ich 65 bin.​

JULIA ROTHERBL

Herzlich willkommen zu dieser Folge von „Frau Doktor, übernehmen Sie!“. Wir sprechen heute über einen Karriereweg, wie wir ihn tatsächlich in all den mittlerweile vielen Folgen noch nicht besprochen haben. Wir haben immer wieder Medizinerinnen zu Gast, die aus dem Klinik-System ausgestiegen sind. Entweder weil sie überlastet waren, oder weil sie für sich da keine Karrierechancengesehen haben und dann in die Praxis gegangen sind. Unsere heutige Gästin ist sogar aus dem Praxissystem ausgestiegen, hat sich als Women's Health Educator selbstständig gemacht und kümmert sich heute freiberuflich und vor allem remote um Frauengesundheit. Ich freue mich sehr, dass heute da ist Dr.​ Daniela Bach. Und ich sage, hallo Dany.​

DR. DANIELA BACH

Hallo, ich freue mich riesig bei euch sein zu dürfen.​

JULIA ROTHERBL

Ich bin Julia Rotherbl, Chefredakteurin der Apotheken Umschau und freue mich jetzt auf ein spannendes Gespräch und wünsche euch allen viel Spaß beim Zuhören.​

SPRECHERIN

„Frau Doktor, übernehmen Sie!“ Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau Pro.​

KAPITEL 1 VERZWEIFLUNG 6 TRÄNEN – BURNOUT IM KREISSAAL

JULIA ROTHERBL

Ich habe ja schon gesagt, dass du aus der Klinik ausgestiegen bist. Wir würden mit der Klinik einsteigen. Du bist Gynäkologin und hast deine Assistenzärztinnenzeit in der Geburtshilfe in einer Klinik verbracht. Und ich würde dich bitten, kurz zu sagen, was dir an dieser Klinikzeit positiv in Erinnerung geblieben ist.​

DR. DANIELA BACH

Also ich war tatsächlich nicht nur in der Geburtshilfe in dieser Klinik, sondern ich habe ganz klassisch da alle Stationen durchlaufen. Wir waren sogar Brustzentrum. Das heißt, wir haben sogar ambulante Chemotherapien gemacht und auch da habe ich Stationen gemacht. Um es auf einen Nenner zu bringen, was mir gut gefallen hat, war die Arbeit im Team. Ich hatte ein großartiges Team.​

Ich hatte tolle Kolleg*innen. Es war eine recht kleine Klinik, die an die Uni angeschlossen war, aber es war nicht so dieser universitäre Riesenbetrieb, in dem ich da war. Und es war relativ gut strukturiert, auch die Weiterbildung war gut strukturiert. Und dieses Miteinander mit den Kolleg*innen und auch mit den Patient*innen habe ich sehr geschätzt.​

JULIA ROTHERBL

Dann gab es aber einen Punkt, wo du quasi gesagt hast, du kannst es dir in der Klinik nicht mehr vorstellen. Erinnerst du dich an einen Moment, an eine Situation, wo du das erste Mal oder quasi final gemerkt hast, das geht so nicht weiter für mich?​

DR. DANIELA BACH

Wir hatten eine Zeit mit sehr hoher Dienstbelastung. Es waren wenig, wir haben gesagt, Altassistenten, also einfach Assistenzärzt*innen, die dienstfähig waren. Wir haben bei uns in der Klinik 24-Stunden-Dienste gemacht und zum Schluss habe ich mich mit einer Kollegin abgewechselt. Und das war ein „tough cookie“ für mich. Meine trauten Stunden waren so zwischen drei und fünf Uhr morgens.​

Also in der Gynäkologie betreut man ja mal den Kreißsaal mit, was prinzipiell eine großartige Aufgabe ist. Und ich habe das auch immer sehr geschätzt, bei Geburten dabei sein zu dürfen. Und gleichzeitig ist es ein kleiner Energiefresser, wenn man den ganzen Tag auf Achse ist, unter Umständen keine Pausen machen konnte. Ich weiß noch, da habe ich das letzte Mal wirklich gesessen und gegessen oder Pipi gemacht. Und so ein Dauerstrom steht und wenn ich im Kreißsaal saß in der Zwei zwischen drei und fünf Uhr morgens und die Kreissaalklingel hat geklingelt und es kamen die nächste Patientin mit Geburtsbeginn, Blasensprung, Wehen, was auch immer.​

Dann habe ich gemerkt, ich kann nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Ich konnte mich gar nicht mehr freuen, dass da jetzt das werdende Leben sich auf den Weg macht. Sondern das war einfach die Verzweiflung und diese, also in Englisch würde man sagen so eine „exhaustion“. Also ich war fix und foxy und bin sukzessive in eine Burnout-Situation reingeraten, was ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gemerkt habe, ehrlich gesagt.​

Also es hat von mir das Label-Burnout nicht bekommen. Es war einfach so, dass ich traurig war. Unglaublich traurig, unglaublich antriebslos. So keinen Sinn gesehen habe in dem, was ich da tue. Und wenn dann die Kreißsaal-Klingel ging, zwischen 3 und 5 Uhr morgens, konnte es passieren, dass ich mich kurz zurückziehen musste, weil ich bin einfach in Tränen ausgebrochen.​

Und dann gab es so ein Schlüsselgespräch tatsächlich mit einer meiner Vorgesetzten, die gesagt hat, Dany, wir haben gemerkt, du bist immer besser geworden in dem, was du hier tust. Und jetzt hast du so einen Leistungsknick, krieg dich mal wieder zusammen. So rappel‘ dich mal wieder zusammen. Und in dem Moment habe ich nicht gedacht, die erkennen meinen Burnout nicht, sondern du bist so in dieser Maschinerie, dass du denkst, ja stimmt, irgendwie kriege ich es gerade nicht mehr auf die Kette. Und das war hart und gleichzeitig für mich der Moment, wo ich gemerkt habe, das ist nicht die Art und Weise, wie ich beruflich alt werden kann.​

Also vom Team, von der Arbeit, von den Aufgaben, weil die Gynäkologie war genau das Feld, was ich mir gewünscht hatte. Ich konnte operieren, wenn ich das wollte. Ich hatte die Geburtshilfe und damit den Anfang des Lebens. Ich hatte mit der Chemotherapie eine ganz intensive Lebensphase, die ich mit begleiten durfte. Das war einfach ein tolles Spektrum und gleichzeitig konnte ich diese Dienstbelastung für mich persönlich, für mein Leben persönlich nicht tragen, bis ich jetzt 65 bin oder so.​

JULIA ROTHERBL

Wie lange hast du diese Belastung eigentlich getragen? Also was würdest du sagen im Nachhinein, wie lange war diese Burnout-Phase, bis du gesagt hast, jetzt nicht mehr?​

DR. DANIELA BACH

Das kann ich dir gar nicht sagen. Also interessanterweise weiß ich das gar nicht. Weil das geht ja so schleichend. Also das ist ja nicht so, dass du sagst, ab dem Zeitpunkt X waren wir plötzlich weniger Assistenten, sondern das war immer so, du hast ja den Laden am Laufen gehalten. Und es war ja auch so, dass die Oberärzt*innenriege versucht hat, uns zu unterstützen, indem die dann mal mit einem Vordergrunddienst übernommen haben.​

Aber von mal einem Dienst übernommen bist du halt nicht wiederhergestellt. Damit man mal diesen Zustand einordnen kann, bei mir war das so, wenn ich tatsächlich mal in mein Dienstbett kam, was selten genug passiert ist in der ganzen Weiterbildungszeit, dann war mein Test, dass ich an die Wand gehauen habe, um zu gucken, bin ich zu Hause oder bin ich im Dienst. Und wenn ich, das war so ein Klappbett, und wenn ich mal an dem Klappbett die Wand getroffen habe, war ich im Dienstzimmer und habe ich meinen Mann getroffen, war ich zu Hause. Also das ist ja auch nicht, selbst wenn du ins Bett kommst, ist das ja immer, du bist immer on call. Das heißt, es kann ständig das Telefon klingeln.​

Du hast zwei Stationen, eine allgemeingynäkologische, eine geburtshilfliche Station. Vielleicht hast du noch eine Patientin auf Intensivstation liegen. Du hast die Anrufe von draußen. Dann ruft die Ambulanz an und sagt, wir haben eine Frau mit Bauchschmerzen. Du bist immer on fire.​

Und das ist so ein schleichender Prozess, für den ich in der Klinikszeit keinen Ausgleich für mich persönlich gefunden habe.​

DR. DANIELA BACH

Und das ging so nicht weiter für mich persönlich.​

JULIA ROTHERBL

Wie hast du denn in dem Gespräch reagiert auf das Wort Leistungsknick? Hast du überhaupt irgendwie reagiert, oder hast du es erstmal so hingenommen?​

DR. DANIELA BACH

Ich war total konsterniert. Es hat mich tief getroffen. Aber ich glaube, dass ich reagieren konnte, war dann erst zu Hause, so in meinem Safe-Space, dass ich gesagt habe, eigentlich ist das ein Unding. Das ist doch kein Leistungsknick, wenn man nicht mehr kann. Das geht auf keine Kuhhaut hier.​

JULIA ROTHERBL

Du hast ja vorher kurz beschrieben, was du in der Klinik geschätzt hast. So was wie Geburten begleiten fällt natürlich in der Praxis weg. Also hast du da irgendwie trotz allem, was du gerade beschrieben hast, mit dieser Entscheidung gerungen?​

DR. DANIELA BACH

Nee, weil das ist tatsächlich auch nicht eine Entscheidung für oder gegen das Aufgabengebiet gewesen, sondern wirklich für mich so für dieses Arbeitsfeld. Also für mich war es zu dem Zeitpunkt nicht denkbar, wie es für mich klappen soll, in diesem System Klinik gesund weiterzuleben. Und dann stellte sich gar nicht die Frage, ist das Aufgabenfeld für mich gleichsam interessant, wie es in der Klinik das wäre. Dass ich das ändern würde, war mir total klar. Und dass da auch viele Themen auf mich warten, die jetzt in der Klinik gar keine Themen waren.​

Also Wechseljahrestherapie, Verhütungsberatung, also abgesehen von der Pille danach oder so, findet in der Klinik nicht statt. Machen wir uns nichts vor. Das heißt, es war auch klar, dass ich viel Eigenengagement an den Tag gelegt habe, als die Entscheidung gefallen war, um mir all dieses Wissen drauf zu schaffen, um nicht in der Praxis zu sitzen und nicht zu wissen, was ich denn da tue.​

KAPITEL 2 FLIESSBANDARBEIT IN DER PRAXIS – KEINE ZEIT FÜR FRAGEN

JULIA ROTHERBL

Wie war denn die erste Zeit dann in der Praxis für dich?​

DR. DANIELA BACH

Also am Anfang hat man mir viel Zeit gegeben tatsächlich mit den Patientinnen. Das war großer Luxus, dass ich mich da so ein bisschen einarbeiten konnte. Da hatte ich längere Sprechzeiten und durfte mich da so ein bisschen einfinden. Und gleichzeitig, es ist natürlich schon so ein bisschen Fließbandtätigkeit. Also das tut mir leid, den Patientinnen zu sagen.​

Ich geliebe jede einzelne Patientengeschichte und habe es sehr sehr, sehr geschätzt, in der Praxis eine echte Bindung aufbauen zu können zu meinen Patientinnen. Denn das hast du in der Klinik, abgesehen von der Chemotherapie, eher nicht so. Da kommen die Frauen kurz und werden behandelt und gehen wieder. Diese Wegbegleitung, was ich in der Klinik sehr geschätzt habe, wie gesagt in der Chemo oder aber wenn Patientinnen mit dem zweiten, dritten, vierten Kind zur Geburt kamen, oder wenn man die vielleicht in der Schwangerschaft gesehen hat mit vorzeitigen Wehen und so mitgefiebert hat, dass dieses Muckelchen nicht zu früh kommen mag, wenn die wieder kam.​ Und wenn du so ein bisschen Wegbegleitung hattest, das mochte ich in der Klinik schon sehr und habe mich auch richtig auf die Praxis gefreut. Und das war es auch, was ich in der Praxis sehr schätzte. Dass du Teil dieser Familiengeschichte irgendwie bist. Du erfährst ja ganz intime Dinge über deine Patientin. Natürlich.​

Und begleitest die ja auch. Begleitest die auch in Phasen, in denen es ihnen nicht gut geht. Unerfüllter Kinderwunsch, bis dann endlich die Schwangerschaft eintritt. Und betreust dann die Schwangerschaft und kriegst dann das Muckelchen vorgestellt nach der Geburt. Das sind Momente, die sind total nett.​

Und gleichzeitig hast du halt morgens einen Kalender, da stehen 30, 32 Namen drauf und da sind noch keine Notfälle dabei und keine Gespräche mit irgendwelchen Referenten. Das ist nichts an Rezepten, die du so ausstellst. Also es ist einfach ein ganz anderer, Durchsatz klingt jetzt doof, aber es ist ein ganz anderes Arbeiten.​

JULIA ROTHERBL

Würdest du im Nachhinein sagen, dass du da ein bisschen naiv rangegangen bist? Wir sind ja auch selbst Patient*innen in Frauenarztpraxen. Also quasi, weißt du, ich weiß auch, dass ich bei der Frauenärztin, sofern ich kein wahnsinnig großes Problem habe, bin ich da nach 5 Minuten abgefrühstückt bei meinem jährlichen Termin.

DR. DANIELA BACH

Ja, dass ich da jetzt nicht Zeit habe, mit jeder Frau gedanklich und emotional einen Kaffee zu trinken und mir ihr Leben anzuhören, das war mir durchaus klar. Weißt du, was mich viel mehr überrascht hat und was mich auch getroffen hat in der Praxis? Dass die Frauen Rücksicht darauf nehmen. Und dass du merkst, die kommen und denen brennt eigentlich was unter den Nägeln und die sagen es nicht. Die sitzen vor dir und du siehst sie diese einmal im halben Jahr und die sitzt vor dir und du weißt, es ist noch was.​

Die würde dich total gerne fragen, aber sie hat das volle Wartezimmer gesehen und sie will dich jetzt schonen. Und das ist mir total unter die Pelle gegangen, weil das finde ich so traurig.​

JULIA ROTHERBL

Ja, das ist traurig, ja.​

DR. DANIELA BACH

Und gleichzeitig, Wir sind ja gut ausgebildet als Ärztinnen und Ärzte. Wir haben ja irrsinnig viel Knowledge drauf geschafft. Wir wissen, wie es gelingt, gesund zu leben, gesund zu bleiben oder was du proaktiv für deine Gesundheit tun kannst. Und weil du es honorarmäßig nicht abbilden kannst, ist auch keine Zeit dafür eingeplant. Das bedeutet, du kannst dieser Frau das gar nicht proaktiv mitgeben, weil die eben kommt.​

Und dann hast du diese, die Studien sagen, sieben Minuten Zeit. Fragst sie, wie es ihr aktuell geht, ob sie noch raucht, ja, nein. Verträgt sie ihre Verhütung noch, will sie was ändern, hm. Bitte ziehen sie sich schon mal um, dann kommt die Vorsorge, brauchen sie ein Rezept. Wir sehen uns in einem halben Jahr.​

Ratsdi, Fatsdi sind diese sieben Minuten vorbei. Und da ist kein Platz für die Fragen, die sie eigentlich mitgebracht hat, wenn sie nicht die Chuzpe aufbringt, trotz des vollen Wartezimmers, trotz all dem, was sie da auch in der Praxis an Trubel erlebt. Einfach zu sagen, so und jetzt stelle ich aber meine Fragen hier.​

JULIA ROTHERBL

Wie lange lief denn quasi diese Schonfrist in Anführungszeichen in der Praxis, wo du noch mehr Zeit hattest? Und wie schnell warst du in dem jetzt beschriebenen Hamsterrad drin?​

DR. DANIELA BACH

Ich würde mal sagen so ein Vierteljahr vielleicht. So, wenn es überhaupt ein Vierteljahr war.​

JULIA ROTHERBL

Und was waren dann so Momente für dich, wo du gesagt hast, das läuft hier jetzt auch nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe?​

DR. DANIELA BACH

Also es gibt so einen für mich ganz krassen Schlüsselmoment. Es war eine Patientin, wo die Untersuchung eigentlich schon fertig war und die im Türrahmen stand. Und das ist für mich der klassische Moment. Im Türrahmen kommen wirklich wichtige Fragen, weil die Frauen dann den Mut haben, sich umzudrehen und zu sagen, jetzt stelle ich doch meine Frage. Weil wenn ich jetzt hier raus bin, dann war es das mit meinem Termin und dann habe ich nicht gefragt.​

Und dann sitze ich zu Hause und frage Dr. Google und lande in irgendwelchen Foren. Und bei dieser Frau war es genau dieser Türrahmen-Moment. Sie ist stehen geblieben, Mitte 20, dreht sich rum und sagt, eine Frage habe ich noch, ist es eigentlich normal, dass ich noch nie einen Orgasmus hatte? Und ich hoffe, es ist mir nicht alles aus dem Gesicht gefallen, denn das, was ich gefühlt habe, war, nein, Schatz.​

Und dann habe ich gedacht, verdammte Axt, was mache ich denn jetzt mit dieser Frau? Wenn ich ihr sage, setzen Sie sich bitte noch mal, wir reden darüber und wir reden darüber, was Sie tun können, dann sprenge ich hinten raus die ganze Sprechstunde. Weil das schaffe ich in 14 Minuten nicht. Und wenn ich ihr sage, darüber sollten wir reden, machen Sie sich einen neuen Termin, dann verliere ich sie. Weil keiner geht an die Anmeldung und sagt, ich möchte mir gerne noch mal einen neuen Termin machen.​ Wir wollten über meine Orgasmen sprechen. Und es setzt sich auch niemand in einen neuen Gyn-Termin und sagt, können wir noch mal da weitermachen, wo wir aufgehört hatten. Die hat jetzt den Mut. Also das war so ein Moment, wo ich dachte, ich habe eine Zusatzausbildung Sexualmedizin gemacht, weil du kriegst immer diese Fragen gestellt. Und du möchtest sie nicht aus eigenem, bei mir hat das geholfen, beantworten, sondern mit Daten.​

Und mit einfach einem Basiswissen, das dir da hilft und was fundiert ist und was evidenzbasiert ist. Und ich konnte all dieses Wissen, was ich ihr so gerne angeboten hätte, gar nicht anbringen, weil das Setting nicht stimmte. Und dann dachte ich, da läuft doch was schief.​

JULIA ROTHERBL

Aber wie hast du tatsächlich reagiert in dem Moment?​

DR. DANIELA BACH

Ich habe sie gebeten, sich nochmal hinzusetzen. Das ist tatsächlich oft mein Ansatz gewesen, dass ich gesagt habe, ich mache das jetzt. Ich möchte abends auch noch in den Spiegel gucken können.​

JULIA ROTHERBL

Hat es dann zu Diskussionen innerhalb des Praxisteams geführt, dass du dir diese Zeitfenster dann trotzdem genommen hast?​

DR. DANIELA BACH

Es flog immer mal wieder meine Tür auf und ich, also ich sah ah, schwätzte wieder.​

JULIA ROTHERBL

Okay.​

DR. DANIELA BACH

Das verstehe ich. Ja, das ist eine große, große Praxis. Die muss laufen. Und die läuft eben nicht, wenn ich für Überstunden bei der ganzen Belegschaft sorge, weil ich gesagt habe, und hier dürfen aber alle Fragen besprochen werden. Das ist mir total klar.​

Das war mir zu Beginn nicht klar. Aber da hängt ja ein ganzer Apparat hinten dran. Wenn ich entscheide, ich mache meine Sprechstunde länger, weil ich mir Zeit nehme, bedeutet das auch für mindestens eine Helferin, du arbeitest auch länger. Und das bedeutet für die Raumwirkungskraft und du kommst erst später in meinen Raum. Und das zieht sich wie so ein Rattenschwanz da durch und das geht natürlich nicht.​

JULIA ROTHERBL

Ja, und das bedeutet für die Patientinnen danach?​

DR. DANIELA BACH

Sie warten, ja.​

JULIA ROTHERBL

Ja. Du warst angestellte Ärztin. Hast du für dich jemals die Lösung in Erwägung gezogen, quasi nicht mehr angestellte Ärztin zu sein, sondern in die Selbstständigkeit zu gehen mit einer Praxis, in der du dann die Organisation selbst bestimmen könntest?​

DR. DANIELA BACH

Habe ich und war da ganz, ganz, ganz, ganz close auch schon ganz konkret in der Planung und fast schon in der Umsetzung muss man sagen. Und gleichzeitig war mir klar, naja, mein ganzer Idealismus nutzt ja nichts, wenn auch meine Praxis laufen muss. Und solange das System Prävention und Gesundheitsfürsorge nicht finanziert, also immer propagiert und wünscht und das ganz unterstützenswert findet, aber es schlichtweg nicht finanziert, dann kann das nicht auf weite Strecken so funktionieren. Du hast einen riesen Kostenapparat bei so einer Praxis mit dranhängen. Das heißt, du musst kosteneffizient arbeiten.​

Ob das jetzt in einem 7-Minuten-Takt sein muss, das weiß ich nicht. Gleichzeitig, Ich wollte so tatsächlich nicht mehr arbeiten. Das war für mich ein privater Schlüsselmoment, aber das war für mich ein Schlüsselmoment in meiner zweiten Elternzeit. Ich bin Mama von zwei Kids und in der zweiten Elternzeit, so gegen Ende der zweiten Elternzeit, hat mich meine beste Freundin gefragt, und wie fühlt sich's an, bald geht's zurück in die Praxis. Und da hab ich gesagt, also wenn ich ehrlich bin, kann und will ich so nicht mehr arbeiten.​

Ich kann's nicht. Und das wäre in der eigenen Praxis, wahrscheinlich wäre ich genauso mit großem Idealismus gestartet, und hätte gesagt, ich mach jetzt alles anders. Und hätte dann erkannt, dass ja meine Chefs keine schlechten Menschen waren oder schlechte Ärzte, sondern dass die ja auch einfach in diesem System irgendwie funktionieren müssen. Und solange sich das System nicht ändert, ist es für mich im Grunde nur die nächste Tretmühle gewesen. Und dann habe ich mich gefragt, ganz ehrlich, will ich jetzt von diesem ersten Burnout-Erlebnis, sehenden Auges in das nächste schlittern, weil ich nicht die Medizin machen kann, wie ich sie mir wünschen würde, wie ich sie mir vorstelle.​

Und meine Antwort, wieder für meine Gesundheit, für meine eigene Situation, das ist eine ganz egoistische Entscheidung, wenn du so willst, war wieder, nein, ich kann das nicht, ich kann das nicht, ich kann auch in diesem Praxiskonstrukt nicht arbeiten, bis ich 65 bin.​

JULIA ROTHERBL

Diese Erzählungen, zumindest jetzt auch was das Kliniksystem vor allem anbelangt, die hört man immer wieder, die sind nicht neu. Man weiß auch, dass das System sich dahingehend nicht grundsätzlich verändert oder verändert hat. Also setzt man sich damit nicht auseinander, wenn man startet.​

DR. DANIELA BACH

Nee, du startest mit einer großen Portion Idealismus und mein persönlicher Idealismus war, und jetzt bringe ich Dany in diese Medizin. Genauso wie ich Dany ins Chemo-Zimmer gebracht habe. Also nur so, damit man es einordnen kann. Als ich im Chemo-Zimmer anfing, es gibt so rote Verschlusskappen, die man drauf, wenn keine Infusion läuft.​

Und ich habe, Verschlusskappe ist ein Wort, das geht mir nicht so leicht von der Lippe. Dann habe ich da angefangen und gesagt, ich brauche mal so einen roten Nupsi. Und dann wurde ich am Anfang zum Gespräch geladen mit den Schwestern im Chemo-Zimmer, die das schon sehr, sehr, sehr, sehr lange machten, den Job. Und dann haben sie gesagt, Dany, wir haben hier sehr kranke Menschen, mit denen wir arbeiten. Du kannst das nicht hier so flapsig Nupsi nennen, das ist eine rote Verschlusskappe und so weiter.​

Ich habe sehr lange und sehr intensiv im Chemo-Zimmer gearbeitet, als ich ging, nach vielen Jahren. Haben alle Nubsi dazu gesagt. Und ich will nicht dazu sagen, dass das jetzt eine große Errungenschaft ist. Aber mit dieser Portion Idealismus bin ich in die Praxis gestartet und habe gedacht, jetzt bringe ich Dany in diese Praxis und in dieses Praxissystem. Und bin an der Realität gescheitert.​

Und nein, ich habe mir keine Gedanken gemacht, dass das nicht übertragbar ist. Weil ich mir auch ernsthaft keine Gedanken darüber gemacht habe, wie viele andere Menschen da dranhängen. Von der Arzthelferin über die Laborkraft, über die Reinigungskraft. Habe ich mit keiner Silbe darüber nachgedacht.​

JULIA ROTHERBL

Bevor wir quasi zu deinem Plan C kommen, weil du gerade so ehrlich gesagt hast, dass das nicht funktioniert. Fühlst du manchmal so ein bisschen, dass du gescheitert bist?​

DR. DANIELA BACH

Das frage ich mich ganz oft. Warum schaffen es denn die anderen? Sind die leidensfähiger als du? Oder hast du nicht den Ausgleich gefunden, den alle anderen irgendwie haben? Gibt es irgendwie so einen „secret key“, den du nicht kennst?​

Klar frage ich mich das. Und Wir müssen ja auch ehrlich sein, das Hamsterrad Praxis, selbst als angestellte Ärztin, ist nicht schlecht bezahlt. Das heißt, es war keine Entscheidung irgendwie aus der Not heraus, weil ich, keine Ahnung, „how to get rich in 6 months“, das war nicht mein Plan, sondern es ist einfach, es hat sich nicht nach mir angefühlt. Es war für mich persönlich nicht genug. Es war immer das Gefühl von, ich könnte da mehr tun.​

Klar frage ich mich, wie machen es die anderen? Ist es denen genug, oder schaffen die das in diese sieben Minuten zu integrieren? Dann wie? Also ich konnte es nicht.​

KAPITEL 3 ENDLICH – GANZHEITLICHE BERATUNG & AUFKLÄRUNG

JULIA ROTHERBL

Du arbeitest heute als Women's Health Educator. Wie würdest du diesen Begriff definieren? Was verbirgt sich dahinter?​

DR. DANIELA BACH

Dahinter verbirgt sich zum einen, dass ich dem großen Wunsch nach ganzheitlicher Frauen- und Mamagesundheit und der Beratung zu genau diesen Themen endlich Raum geben wollte. Und ich wollte das nicht eingrenzen auf ein Format, sondern ich wollte einfach beginnen, einen Gegenpol zu setzen zu diesem ganzen, du hast PMS-Beschwerden, dann trinkt mal Salbei-Tee und tanz nackig im Mondschein durch den Garten. Ich wollte das datenbasiert, evidenzbasiert, wie wir es eben von der Pike auf lernen als Mediziner*innen, an die Frau bringen. Und genau das mache ich jetzt, als ich gestartet habe mit der Glückssprechstunde, war das so ein bisschen, also zum einen der große Wunsch, es ganzheitlich zu tun, also nicht nur schulmedizinisch, weil auch da meine eigene Ausbildung, mein eigener Werdegang mich einfach gelehrt hat, wir müssen den Menschen als Einheit aus Mind und Body verstehen. Wir können das nicht trennen.​

Und die östliche Medizin kann das wunderbar. Also die östliche Medizin sieht diese Einheit. Die Schulmedizin hat es losgekoppelt voneinander. Langsam, Stückchen für Stückchen setzen wir es wieder zusammen und sehen, dass körperliche Erkrankungen sich immer auf den Geist auswirken und umgekehrt. Gleichzeitig haben wir auch da in der Praxis keine Handhabe, jetzt noch eine Frau zu beraten, wie wenn sie wirksam ihr Stresslevel senkt, auch ihre PMS-Beschwerden sich verändern werden.​

Zwangsläufig. Es gibt auch da viele evidenzbasierte Ansätze und die kann ich jetzt an die Frau bringen. Und das mache ich nicht nur im Einzelcoaching, also dass sich tatsächlich Patienten, die in der Praxis genau das spüren, was ich auch als Ärztin gefühlt habe, nämlich diesen Zeitdruck und dieses, ich wüsste eigentlich gerne noch mehr, die wenden sich an mich. Und das Interessante ist, die allerallerallermeisten, nicht zu sagen, ich glaube sogar alle, mit denen ich bisher gesprochen habe, schätzen ihre Frauenärzte und Frauenärztinnen sehr. Also die kommen nicht aus einem Frust in die Beratung, sondern die kommen, weil die auch diesen Pain-Point der Frauenärztin fühlen und sagen, da ist keine Zeit.​

Aber mich interessiert das. Wie ist das denn nochmal genau? Das sind Frauen, die teilweise chronische gynäkologische Erkrankungen haben und einfach für sich in ganz normal verständlichem Deutsch wissen wollen, was geht denn da eigentlich in meinem Körper gerade ab und was macht denn da vielleicht Sinn therapeutisch?​

JULIA ROTHERBL

Wie bist du denn auf die Idee gekommen? Also ich habe den Begriff Women's Health Educator vorher nicht gehört.​

DR. DANIELA BACH

Das ist was, was im amerikanischen System sehr wunderbar funktioniert, wo nicht unterschieden werden muss. Ist das eine Gynäkologin, also ist das eine Ärztin oder ist das ein Gesundheitscoach, der die Women's Health Education macht. In meinem Fall habe ich geguckt, ob das ginge im Rahmen einer Privatpraxis abzubilden. Das geht in Hessen, das ist von Bundesland zu Bundesland tatsächlich unterschiedlich. In Hessen leider nicht, weil die Hessische Landesärztekammer vorsieht, dass ich meine Patientin persönlich kennenlerne, bevor ich sie online weiter betreuen kann.​

Ich wollte aber das Angebot so niedrigschwellig wie möglich machen, weil die Forenbeiträge sind auch niedrigschwellig. Du googelst und du kriegst eine Antwort. Und Meine Patienten sitzen überall auf der Welt. Und eine Patientin, die ich in Schweden berate, die kommt nicht zu mir nach Bad Nauheim, mal guten Tag zu sagen und dann online weiterbetreut zu werden. Deshalb war diese Idee, Privatpraxis online, zumindest für mich in Hessen, aktuell leider nicht weiter zu spinnen, weiter zu denken.​

JULIA ROTHERBL

Hast du denn mal überlegt in die Politik zu gehen, damit sich dieses System tatsächlich grundlegend ändern könnte?​

DR. DANIELA BACH

Habe ich in der Tat. Wenn du in der Gründung bist, stellt sich zeitlich gar nicht die Frage. Noch dazu habe ich diese zwei Mini-Menschen hier um mich rumwurschteln. Da wünschte ich tatsächlich manchmal, mein Tag hätte mehr Stunden, weil ich hätte total Bock, wirklich was zu verändern. Ich glaube einfach, dass viele Ideen gut gedacht sind, aber ebenso praxisfern, dass die nicht wirklich Veränderung schaffen.​

Ihr hattet da auch eine tolle Podcast-Folge zu. Deshalb, ich finde das sensationell und wir müssen dringend in die Politik als Ärztinnen und Ärzte. Und jeder, der da freie Ressourcen hat und Bock drauf hat, bitte macht das. Engagiert euch berufspolitisch generell in der Politik. Ich finde das ganz, ganz, ganz, ganz wichtig, dass nicht nur Politik über Ärztinnen und Ärzte gemacht wird, sondern auch mit und für.​

JULIA ROTHERBL

Wie ist es denn grundsätzlich, wenn du in die Zukunft guckst, ist es für dich jetzt komplett ausgeschlossen, dass du jemals wieder in dieses System zurückkehrst? Oder sagst du, wenn deine Lebenssituation auch mit den zwei kleinen Kindern sich geändert hat, könntest du dir das unter bestimmten Bedingungen wieder vorstellen?​

DR. DANIELA BACH

Also wenn diese Neugeburt des Systems nicht zu Ende gedacht wird, kann ich es mir nicht vorstellen, denn die Bedingungen sind immer noch die gleichen und ich bin immer noch die gleiche. Ganz im Gegenteil, ich bin, ich wachse jeden Tag mit dem, was ich hier tue und mir scheint echt die Sonne aus dem Allerwertesten, weil ich endlich genau das machen kann an Aufklärungsarbeit, an medizinischem Miteinander, was ich mir in der Praxis gewünscht hätte. Mit der Einschränkung, dass ich es eben nicht als Ärztin tun kann. Und dass ich eben aktuell keine Möglichkeit habe, Untersuchungen zu machen, Labore selbst zu beauftragen, zu befunden, Rezepte zu schreiben und so. Das schränkt natürlich einen, keine Frage.​

Aber zurück so ins klassische System, dass ich mich in der Praxis sitzen sehe von 9 to 5 und wieder 32 Leute auf der Liste jeden Morgen. Fühle ich aktuell nicht, never say never, aber aktuell denke ich es eher nicht.​

JULIA ROTHERBL

Also wahrscheinlich hättest du jetzt bessere Voraussetzungen zum Beispiel in dem Kliniksystem irgendwie ohne Burnout durchzukommen als damals, oder siehst du es anders?​

DR. DANIELA BACH

Das ja und gleichzeitig genieße ich auch, dass es jetzt so viele erreicht, das was wir an Aufklärung machen. Es sind so viele so wichtige Kampagnen rund die Frauengesundheit, die nach wie vor so tabuisiert ist, dass ich am Anfang gar nicht wusste, wo ich anfangen soll. Also ich habe, als ich mich selbstständig gemacht habe, unter anderem die großen Schulbuchverlage, von denen ich wusste, dass sie endlich die Klitoris korrekt abbilden, und es sind nur drei, sage und schreibe in Deutschland, und auch erst seit wenigen Jahren, angeschrieben und habe gesagt, in der Praxis habe ich so viele junge Frauen, die mich nach kosmetischen Operationen an ihrer Vulva fragen, weil diese Mädchen und jungen Frauen nicht wissen, wie unterschiedlich wir aussehen können. Ich bitte um mehr Diversität in den Abbildungen. Und wenn es nur ein zweites Bild ist, was im Schulbuch abgedruckt ist, das ist so mächtig.​

Und wir erreichen so viel mehr Menschen mit einem Schulbuch, als wenn irgendeine Gynäkologin zu dir sagt, nee, ist alles ganz normal und du gehst nach Hause, googelst und denkst so, nee, nee, nee, nee, nee, ich bin aber doch nicht Barbie. Nee, aber keiner ist das. Wechseljahre, Sexualität, Inkontinenz nach Geburt. Also es sind so unglaublich viele Tabus, gerade in der Frauengesundheit, die wir aufbrechen dürfen, um für so ein erleichtertes Durchatmen bei allen zu sorgen. Und ich genieße, dass wir das Stück für Stück oder dass ich das im Rahmen der Glückssprechstunde einfach so Stück für Stück enttabuisieren darf.​

JULIA ROTHERBL

Dany, man hört dir total an, dass die Glückssprechstunde nicht nur deine Patientinnen glücklich macht, sondern auch dich. Vielen Dank, dass du unsere Gästin warst. War ein sehr schönes Gespräch. Dankeschön.​

DR. DANIELA BACH

Ich danke dir, Julia. Es hat mich sehr gefreut.​

JULIA ROTHERBL

Ich kann Dany nur zustimmen. Viele Themen im Bereich Frauengesundheit sind leider immer noch stark tabuisiert. Das ist natürlich auch ein Problem, dem wir uns als Gesundheitsverlag stellen wollen. Und wir haben zum Thema geschlechtersensible Medizin eine ganze Podcastreihe aufgesetzt, „The Sex Gap“, die inzwischen auch ein paar Preise gewonnen hat. Und da gibt es auch eine Folge speziell zur Klitoris, also zu dem, was Dany und ich vorher gerade besprochen haben, korrekte Darstellung und so weiter.​

Hört gerne rein. Ich könnte mir vorstellen, dass auch der ein oder andere Health Professional da noch was lernt. Wenn ihr mal gucken wollt, was der Wort & Bild Verlag so ganz allgemein an Podcast-Angebot hat, alle unsere Podcasts findet ihr auf gesundheit-hören.de. „Frau Doktor, übernehmen Sie!“. Erscheint alle 14 Tage neu, immer montags.​

SPRECHERIN

Ein Podcast von gesundheit-hören und Apotheken Umschau pro.​

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