Zukunft mitgestalten? Berufspolitik!

Shownotes

Berufspolitik? Ist das nicht eher was für ältere Ärztinnen und Ärzte? Nein, ganz und gar nicht. Das findet zumindest Jana Pannenbäcker. Sie ist mit Anfang 30 in die Berufspolitik eingestiegen und inzwischen Mitglied im Vorstand des Deutschen Ärztinnenbundes und im Arbeitskreis Junge Ärztinnen und Ärzte der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Für sie ist wichtig, dass in solchen Gremien auch junge Kolleginnen und Kollegen vertreten sind, um gerade für die, die neu im Beruf sind, das Arbeitsumfeld mitzugestalten. Was die mentale Gesundheit damit zu tun hat und was sie ändern würde, wenn sie selbst Chefin ist, das erfahrt ihr in dieser Folge.

Im Podcast "Frau Doktor, übernehmen Sie!" erzählen Frauen aus der Medizinbranche, wie sie dort Karriere gemacht haben. Dazu spricht Julia Rotherbl, Chefredakteurin der "Apotheken Umschau", mit Frauen, die in Führungspositionen arbeiten, die Herausforderungen gemeistert haben oder an ihnen gescheitert sind. Es geht um Themen wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Sexismus, männliche Netzwerke, mangelnde Vorbilder oder verschiedene Arbeitsmodelle. Das Ziel: Euch zu inspirieren und ermutigen, euren eigenen Weg zu finden.

Montags alle 14 Tage erscheint eine neue Folge. Habt Ihr Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibt uns gerne an redaktion@gesundheit-hoeren.de

Redaktion: Julia Rotherbl, Anja Kopf; Schnitt und Post-Produktion: Yves Seißler, Anja Kopf; Managing Editor Audio: Peter Glück


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Transkript anzeigen

JANA PANNENBÄCKER

Ich glaube, es ist so wichtig, dass wir einfach die Sichtweise von Frauen mit in die Entscheidungsfindung einbringen, um dann halt letztendlich vielleicht eine Berufspolitik zu machen, die halt sowohl für die jungen Kolleginnen als auch für die jungen Kollegen sinnvoll ist.

JULIA ROTHERBL

In der heutigen Folge von „Frau Doktor übernehmen Sie!“ geht es um Berufspolitik. Und bevor jetzt alle sofort ausschaltet, weil ihr sagt "Uh, langweiliges Thema." Die Folge ist ganz bestimmt nicht langweilig. Ich versprech‘s euch. Unsere Gästin ist Jana Pannenbäcker. Sie ist Mitglied im Vorstand des Deutschen Ärztinnenbundes und im Arbeitskreis Junge Ärzte der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Sie ist erst Anfang 30 und findet Berufspolitik super interessant, super spannend und ich hoffe, sie überzeugt jetzt einige von euch davon, sich vielleicht selbst zu engagieren. Ich bin Julia Rotherbl, Chefredakteurin der Apotheken Umschau.

SPRECHERIN

Frau Doktor, übernehmen Sie! Ein Podcast von gesundheit-hören.de und Apotheken Umschau Pro.

MIT ANFANG 30 IN DIE BERUFSPOLITIK

JULIA ROTHERBL

Hallo Jana, ich freue mich sehr, dass du heute meine Gäste bist. Herzlich willkommen.

JANA PANNENBÄCKER

Vielen Dank! Hallo zusammen.

JULIA ROTHERBL

Jana, wir wollen ja heute vor allem über Berufspolitik sprechen. Und wenn ich an Berufspolitik denkt, dann denke ich an ältere Menschen, ältere weiße Menschen, ältere weiße, männliche Menschen. Jetzt nicht zu sehr an jemanden wie dich, eine junge Frau Anfang 30, die sich berufspolitisch engagiert. Wie bist du eigentlich dazu gekommen?

JANA PANNENBÄCKER

Ja, also genau dieses Bild, das habe ich letztendlich auch bei meinem ersten Kontakt mit der Berufspolitik erleben dürfen, erleben müssen, wie auch immer man es ausdrücken möchte. Als ich 2019 das erste Mal auf dem deutschen Ärztetag war, bin ich in eine Parallelwelt eingetaucht. Für mich war das völlig neu. Und da war es tatsächlich so, dass ich einfach um mich herum sämtliche - ja, ich nenn’s jetzt mal - ältere Kollegen gesehen habe und erlebt habe. Und da muss ich sagen, passte diese Bezeichnung, die du grad gebracht, sehr, sehr gut. Also ältere Menschen, wo man dann halt tatsächlich denkt „Na ja, hm, hier wird die Berufspolitik gerade auch für uns Jüngere gemacht, das kann noch nicht so ganz passen.“

JULIA ROTHERBL

Hat’s dich wütend gemacht? Hat’s dich desillusioniert?

JANA PANNENBÄCKER

Beides glaube ich nicht, sondern es hat mich eher motiviert. Also, es hat mir so ein bisschen den nötigen Motivationsschub gegeben zu sagen „Okay, gut, also da möchte ich selber doch auch aktiv werden und möchte selber etwas versuchen zu ändern und mitzugestalten“ und nicht nur die, ja, anderen, die vielleicht, ich sag das jetzt mal, etwas weiter entfernt aus der Zeit, wo sie vielleicht aktiv in der Klinik waren. Also, um Gottes Willen, das gilt nicht für alle, aber für die Leute, die vielleicht jetzt im Moment gerade frisch nach dem Studium in den Beruf einsteigen, dass man genau für die einfach doch auch eine Stimme und ein, ein Bild darstellen sollte. Und ich glaube, da ist es einfach wichtig, dass auch junge Kolleginnen und Kollegen dort in der Berufspolitik vertreten sind.

JULIA ROTHERBL

Ging es hier vor allem um das Thema Alter und quasi Standpunkt in der Karriere, oder ging‘s dir auch um das Thema „Mehr Frauen in die Berufspolitik“?

JANA PANNENBÄCKER

Ja! Ja, also es ist eben so, dass ich schon sagen muss, dass da keine Parität herrscht. Das kann man auch nicht schönreden, das ist einfach so. Und da ist einfach meine Motivation zu sagen „Ok, ich möchte da irgendwie zu beitragen, dass sich da was ändert.“

JULIA ROTHERBL

Also, wir wissen natürlich auch aus vielen Folgen dieses Podcast, das ist eben genau so ist, wie du es jetzt schilderst. Also, dass man von Parität in diesen Gremien weit entfernt ist. Ein Argument derer, die das ändern wollen, ist, dass man auch dann frauenspezifische Themen wie zum Beispiel Mutterschutz und so stärker in diese Gremienarbeit hineinträgt. Aber ist es nicht auch ein Punkt, dass ein höherer Anteil von Frauen auch die Atmosphäre verändern würde, die Kommunikation, die Entscheidungsfindung, solche Dinge…?

JANA PANNENBÄCKER

Bin ich fest überzeugt, ja. Also, das ist nicht nur in irgendwelchen Projekten, wo Männer und Frauen zusammenarbeiten, sondern ich glaube, das ist auch in der Berufspolitik so, dass Männer und Frauen einfach gemeinsam nochmal bessere Entschlüsse treffen können und Ideen umsetzen und erarbeiten können. Frauen haben, glaube ich, auf manche Dinge eine andere Blickweise, weil sie selbst betroffen sind. Also, Frauen sind mehr von dem Mutterschutzrichtlinien betroffen als Männer. Klar, die Männer haben auch damit zu tun, aber wirklich betroffen sind die Frauen. Das heißt also, deren Sichtweise ist mit Sicherheit eine andere und ich glaube, es ist so wichtig, dass wir einfach die Sichtweise von Frauen mit in die Entscheidungsfindung einbringen, um dann halt letztendlich vielleicht eine Berufspolitik zu machen, die halt sowohl für die jungen Kolleginnen als auch für die jungen Kollegen sinnvoll ist.

JULIA ROTHERBL

Was hält denn deiner Meinung nach Frauen davon ab, sich berufspolitisch zu engagieren?

JANA PANNENBÄCKER

Es ist ein zusätzlicher Zeitfaktor. Ganz klar. Wir haben möglicherweise die Frau, die… Neben dem beruflichen Feld haben wir möglicherweise den familiären Part und wenn dann noch die Berufspolitik dazukommt, dann ist das ja eine gewisse Dreifachbelastung. Und ich glaube, das ist schon etwas, was einfach unglaublich viel Zeit kostet und auch Energie. Gerade wenn man an die ersten Jahre denkt, die man als Assistenzarzt arbeitet, muss man ganz klar sagen, haben wir 24-Stunden-Dienste, wir haben Nächte, die wir durcharbeiten. Sowieso ist alles ganz, ganz neu. Also das Erlernte, was im Studium irgendwie theoretisch, ja, in den Büchern und von mir aus auch in irgendwelchen Kursen erarbeitet wurde, wird auf einmal in die Praxis umgesetzt und dann soll man noch zusätzlich Zeit aufwenden, berufpolitisch aktiv zu werden. Ich glaube, das ist ein ganz, ganz großer Faktor, der einfach vielleicht nicht stemmbar ist.

JULIA ROTHERBL

Aber gäb‘s da nicht die Möglichkeit, quasi auch als Gremium, als Organisation, dann ein paar Hebel in Bewegung zu setzen? Also, viele Frauen in diesem Podcast haben dann erzählt, dass es halt immer so ist, dass diese Treffen zwischen 17 und 20 Uhr stattfinden. Also jetzt zum Beispiel, wo in der Regel Care Arbeit geleistet wird. Das wäre zum Beispiel meiner Meinung nach was, was sich doch eigentlich leicht ändern ließe. Oder dass man viele Dinge nicht mehr in Präsenz ansetzt...

JANA PANNENBÄCKER

Ich glaube, ein wesentlicher Punkt ist einfach, dass das bisher so nach dem Motto lief „Na ja, das war war immer so und das machen wir so weiter.“ Im Moment habe ich das Gefühl, dass so ein bisschen, ja, die Augen geöffnet werden in die Richtung „Mensch, wir brauchen doch Nachwuchs und es müssen doch irgendwie die jungen Kollegen, ja, aktiviert werden und was können wir machen?“ Von daher ist meine Hoffnung - und ich habe auch im Moment das Gefühl - dass zumindest wie so ein Augenmerk daraufgelegt wird, dass geguckt wird „Okay, was, was könnten wir oder was müssen wir ändern?“ Denn genau das ist ja der Punkt. In dem Moment, wo wir vielleicht uns um unsere Kinder kümmern oder Angehörige pflegen oder irgendwas anderes machen, können wir nicht gleichzeitig an irgendwelchen Sitzungen teilnehmen. Das hat natürlich alles auch was damit zu tun, dass wir natürlich vielleicht vorher arbeiten, das heißt, die… Wir müssen darüber reden, ob es nicht Optionen gebe, dass man vom Arbeitgeber für Sitzungen freigestellt wird. Das wäre jetzt so meine Wunschvorstellung. Weil das kenne ich aus eigener Erfahrung, das heißt… Für mich heißt das, ich muss Urlaub nehmen oder ich muss Überstunden abbauen oder was auch immer. Das heißt also, Urlaub, den ich eigentlich eher zur Erholung gerne nutzen würde und nicht dafür, Berufspolitik zu machen.

JULIA ROTHERBL

Ja… Ich würde gerne hier eine kurze Pause machen in unserem Gespräch und ein Spiel einstreuen.

SPIEL „FRAU DOKTOR, VERVOLLSTÄNDIGEN SIE!“

JULIA ROTHERBL

Dazu kommt die Anja jetzt zu uns, die Redakteurin dieses Podcast. Jana, ich denke, du kennst das Spiel vielleicht schon, aber Anja erklärt‘s uns nochmal.

ANJA KOPF

Genau, hallo. Ich darf die Spieleleitung dieses Spiels übernehmen. Weil ihr bekommt beide jetzt Satzanfänge abwechselnd vorgelesen und die kennt weder unsere Gästin, also du, Jana, noch Julia. Das heißt, das ist eine Überraschungskiste für euch.

JULIA ROTHERBL

Genau.

JANA PANNENBÄCKER

Ich bin begeistert.

ANJA KOPF

Jana, du darfst als unsere Gästin in anfangen…

JANA PANNENBÄCKER

Wunderbar.

ANJA KOPF

… und der erste Satzanfang lautet „Mein Lieblingsort ist…“

JANA PANNENBÄCKER

… draußen in der Natur.

ANJA KOPF

Sehr schön. Und hast du… Kannst du das auch ein bisschen so konkretisieren? Also, bis du eher so der Waldmensch oder der Seemensch oder Bergmensch?

JANA PANNENBÄCKER

Ich habe eine unglaubliche Affinität zum Wald. Ich finde, wenn man dort in Ruhe ist und… In meiner Mittagspause bin ich gerne im Wald, wenn ich dann so wirklich absolute Stille um mich herum habe und nur die Bäume, die sozusagen mit mir reden.

ANJA KOPF

Mhm, sehr schön. Für die Julia lautet der Satz „To-Do-Listen“…

JULIA ROTHERBL

… fertige ich ständig an und die werden dann immer wieder neu geschrieben und neu geschrieben und neu geschrieben. Also, ich mach tatsächlich sehr viele To-Do-Listen. Ich finde, das tut auch gut, wenn man dann merkt, dass die To-Dos weniger werden. Mir hilft das tatsächlich. Also,…

ANJA KOPF

Also das heißt, du schreibst sie nicht nur, sondern du hakst schon auch ab.

JULIA ROTHERBL

Ich hak auch ab, genau.

ANJA KOPF

Cool. Es gibt ja auch Leute, die schreiben einfach To-Do-Listen und dann liegen die halt als To-Do rum.

JULIA ROTHERBL

Nein, ich hake ab.

ANJA KOPF

Jana hat grad vorhin auch, als sie den Satzanfang gehört hat, das Gesicht verzogen. Magst du To-Do-Listen?

JANA PANNENBÄCKER

Ja, ich hab sämtliche und fangen immer wieder neuen Zettel an und da ist die alte noch nicht abgearbeitet und dann kommt das von der alten auf die neuen drauf und die wird immer viel länger und ich denk mir „Um Gottes willen…!“ Äh, ja, also ich hab sie, ich arbeite sie auch ab, aber sie sind sehr, sehr, sehr, sehr lange.

ANJA KOPF

Mhm, ja.

JULIA ROTHERBL

Ja. Aber also, es finde ich, ihn hilft tatsächlich so in Stresssituationen sich das mal dann zu visualisieren „Ok, das sind eigentlich die Punkte, die ich zu tun habe.“ Auch, wenn die Liste sehr lang ist, finde ich, nimmt es dann in dem Moment so das Gefühl der Überforderung. Weil man hat es dann zumindest einmal aufgeschrieben, man hat das Gefühl, ich kann jetzt nichts mehr vergessen. So… Also, so geht‘s mir.

ANJA KOPF

Und manche To-Dos erledigen sich auch von selbst, habe ich gelernt.

JULIA ROTHERBL

Wenn man sie lang genug quasi aufschreibt, von einer Liste zur nächsten, wandern sie irgendwann… Ja, erledigen sie sich dann vielleicht von selbst.

ANJA KOPF

Ja, ja. Und jetzt, Jana, bekommst du auch schon gleich wieder die nächsten Satzanfang. „Innerhalb der Medizin stimmt mich optimistisch, dass…“

JANA PANNENBÄCKER

… immer mehr Frauen aktiv werden wollen. Wobei ich da tatsächlich so ein bisschen mit einem Fragezeichen den Satz beenden würde. Also, es wäre so meine Wunschvorstellung, dass auch immer mehr junge Frauen berufspolitisch aktiv werden. Aber insgesamt stimmt mich in der Medizin sehr positiv, dass einfach, ja, wir, glaube ich, so ein bisschen das Menschliche im Idealfall behalten und nicht zu sehr uns von irgendwelchen digitalen Medien, ja, ersetzen lassen können.

JULIA ROTHERBL

Ja, das wird auch, glaube ich, nie passieren. Ich glaube, die digitalen Möglichkeiten sind eher als Entlastung gedacht und nicht als Ersatz.

ANJA KOPF

Ja. Aber ich bin total gespannt auch, wo, wo es da hingeht. Ja. Für dich, Julia. „Inspiriert fühle ich mich von…“

JULIA ROTHERBL

Boah, ich für mich von ganz vielem inspiriert. Das ist, natürlich… Also, ich glaube, man muss offen… Man muss einfach offen dafür bleiben, von allen möglichen Dingen inspiriert zu werden. Von Dingen, die schön zum Anschauen sind, von tollen Personen um einen herum. Von Naturphänomenen, von, weiß ich nicht, kulturellen Veranstaltungen. Ich glaube, man kann sich von ganz vielen inspirieren lassen.

ANJA KOPF

Aber, ich würde da gerne nochmal nachhaken. Hast du was Spezielles, was dich inspiriert? Also, bist du diejenige, die dann sagt „Ich gehe - keine Ahnung - auf dem Konzert und komm dann super inspiriert raus“ oder ist das… weiß ich nicht, ein besonderes Erlebnis mit deiner Tochter zum Beispiel? Oder…

JULIA ROTHERBL

Ich glaube schon, dass Kinder sehr inspirierend sein können, ja, aber… Ich glaub für mich als Journalistin ist natürlich inspirierend, wenn ich tolle Texte les, zum Beispiel. Also egal, ob die fiktiv sind oder ob die quasi journalistisch sind. Sprache ist sehr inspirierend, find ich.

ANJA KOPF

Oh ja, dass ist auch eine gute Perspektive. Mag ich. Der letzte Satz geht an Jana nochmal „Wenn ich Chefin bin, dann…“

JANA PANNENBÄCKER

… gibt’s wahrscheinlich jeden Tag Kuchen.

JULIA ROTHERBL

Gut, kommst du dann noch dazu, den selber zu backen?

JANA PANNENBÄCKER

Hin und wieder ja, aber ich, ähm… ich bin so ein absoluter Kuchen… Hab das Glück, dass teilweise eine unsere Arzthelferinnen immer sehr aktiv backt und den mitbringt.

ANJA KOPF

Ich wollte grad auch sagen - also dann würde ich mir auch mal überlegen mich umschulen zu lassen und möglicherweise mich bei dir anstellen zu lassen. Die Aussicht auf jeden Tag Kuchen find ich echt verführerisch.

JULIA ROTHERBL

Dann wären wir beim Thema „Wie gesund leben eigentlich Ärztinnen und Ärzte?“

JANA PANNENBÄCKER

Äh, nein! Also, das ist die Sicherheit ein Thema, wo man lange drüber reden könnte, was Ärztegesundheit angeht. Alleine, wenn wir da an die Dienste denken mit den 24 Stunden. Also, das ist mit Sicherheit nicht alles gesund. Also, da muss man ganz klar sagen, da müssten wir doch das eine oder andere… vielleicht doch das mal, das System überdenken, ob das wirklich alles so Sinn macht

JULIA ROTHERBL.

Ja genau, der Kuchen ist eher weniger das Problem. Aber genau, ich wollte dazu auch mit dir noch mal sprechen, in der zweiten Hälfte dieses Podcast. Genau, kommen wir noch mal drauf zurück, auf vor allem die psychische Gesundheit.

ANJA KOPF

Und diese Startrampe nutzen wir, genau, jetzt für den zweiten Teil des Gesprächs und ich sag, vielen Dank fürs Mitspielen und, genau, viel, viel Spaß! Jetzt dann noch bei der Unterhaltung.

JULIA ROTHERBL

Danke, schön.

JANA PANNENBÄCKER

Danke.

WIE MAN AUF SEINE MENTALE GESUNDHEIT ACHTEN KANN

JULIA ROTHERBLJana, was wir immer wieder hören in den Podcast, ist, dass sich eben Strukturen in den Kliniken nicht ändern und dass Frauen als Konsequenz dann am Ende auch ziehen, das sie in die ambulante Versorgung gehen. Bei dir ist es jetzt auch so, dass du nach deiner Assistenzärztinnenzeit in der Klinik jetzt in eine Hausarztpraxis bist. Der Schritt ist jetzt, wenn ich mal so die Karrierewege unserer anderen Gästinnen nebeneinanderlege, relativ früh erfolgt. Hat es auch tatsächlich diesen Grund, dass du dich in diesem Kliniksystem da nicht mehr wohl gefühlt hast, was die Arbeitsbedingungen anbelangt?

JANA PANNENBÄCKER

Bei mir kamen mehrere Punkte zusammen. Das war zum einen, dass ich schon die Überlegung hatte, grundsätzlich den Facharzt für Allgemeinmedizin zu machen. Ich habe zusätzlichen ein ziemliches Interesse daran, was so, ja, die Psychologie angeht. Ich bin dabei, zusätzlich die Zusatzbezeichnung Psychotherapeutin zu erwerben. Das ist natürlich was, was im ambulanten Rahmen sehr gut genutzt werden kann und auch einfach gut umsetzbar ist. Und zusätzlich kam bei mir dann noch so ein familiärer Punkt dazu, der einfach es notwendig machte, dass ich mehr Zeit brauchte. Und da ist es einfach wichtig, wenn man dann die Wochenenden nicht mehr arbeiten muss. Und wo kamen so mehrere Punkte zusammen, so dass ich mir den Weg dann raus aus der Klinik, rein in die Praxis gewählt habe. Und natürlich - und das darf man auch nicht vergessen - so habe ich natürlich Zeit, gewisse berufspolitische Dinge mehr zu machen. Also das hört sich jetzt blöd an, aber das ist schon etwas, was einfach mein Interessenfeld angeht und so habe ich da Chancen.

JULIA ROTHERBLAlso, du hast auch aus zeitlichen Gründen hier quasi einen Jobwechsel hingelegt.

JANA PANNENBÄCKERJa, genau.

JULIA ROTHERBL

Und du hast jetzt schon angedeutet, dass du eine Weiterbildung zur Psychotherapie machst und du befasst sich auch mit der psychischen Gesundheit von Ärztinnen und Ärzten. Wenn ich jetzt so überleg, so mit Anfang 30 hatte ich so mit Mental Health nicht so viel am Hut muss ich sagen. Warum… Also, wie bis zu jetzt schon auf dieses Thema gekommen?

JANA PANNENBÄCKER

Gute Frage. Also, zum einen hat mich das immer schon so ein bisschen interessiert. Also, Psychologie fand ich immer spannend und ich bin einfach der festen Überzeugung, dass wir ja gute Medizin nur dann machen können, wenn wir den Menschen als ganzheitlich betrachten und da gehört die Psyche einfach absolut dazu. Und das Seelenleben ist etwas, was eben ja ganz, ganz eng mit all dem Physischen verbunden ist. Und ich glaube einfach, dass das ein ganz wichtiger Punkt ist. Also, ich glaube, es ist einfach für mich sinnvoll für gute Medizin. Das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt

JULIA ROTHERBL

Ist es dir denn in deinem... Gibt, gab es Menschen in einem Berufsumfeld, wo, wo du Burnout-Symptome oder Diagnosen mitbekommen hast? Hast du für dich selber… Bist für dich selber auch an psychische Grenzen schon gekommen?

JANA PANNENBÄCKER

Also, ich habe tatsächlich ne ehemalige Kollegin mehr oder weniger bis zu ihrer Diagnosestellung begleitet, so würde ich das jetzt mal nennen. Also, da zeigte sich halt, dass erste Symptome kamen und wir haben dann häufiger gesprochen und letztendlich habe ich sie da auf diesem Weg mit begleitet. Und das ist schon was, wo, wo man da merkt „Okay, gut, hier darf man einfach nicht wegschauen und hier gibt es, glaube ich, manchmal ein Problem, was im System ist.“ Also, wo… Wir haben einen Ärztemangel und wir haben das teilweise in den Kliniken so, dass dann halt… Na ja, gut, dann muss da halt nochmal eingesprungen werden und nochmal eingesprungen und, na ja, der 24-Stunden-Dienst muss auch nochmal gemacht werden. Also, ich glaube, es sind die wenigsten Ärzte, die dann pünktlich zur Feierabend den Stift fallen lassen und sagen „Okay, gut, dann nach mir die Sintflut“, sondern ich glaube wir haben schon recht hohes Verantwortungsempfinden zu sagen „Okay, ich betreu jetzt den noch zu Ende und guckt dann nochmal“ und von daher ist das, glaub ich, ein erhöhtes Risiko, ne. Ich sag nicht, dass das zwingend jeder so hat, um Gottes willen, das nicht. Aber ich glaube, wir haben vielleicht… sind da anfälliger. Ich glaube, man erlebt im Laufe des Lebens, auch wenn ich natürlich noch jung bin, schon immer wieder Situationen, wo man selber so ein bisschen an seine Grenzen herangeführt wird, ne. Wir haben immer wieder mit dem Übergang vom Leben zum Tod zu tun und das ist natürlich was, was dann einfach einen auch mitprägt und vielleicht dann manchmal auch sehr belastend ist und dann muss man, glaube ich, seine eigenen Strategien finden, wie man damit umgeht.

JULIA ROTHERBL

Wie ist es denn eigentlich mit Vorbildern in dem Bereich? Also, wenn ich mir so überlegt so im Journalismusbereich, als ich so angefangen hab, waren Leute, die sehr viel Stress hatten, auch die, die sehr wichtig waren. Also, Stress war irgendwie auch so ein Statussymbol. Weißt du, was ich meine? Wie ist es denn eigentlich in den Kliniken? Ist diese ältere Generation, die jetzt momentan noch viele Spitzenpositionen auch besetzt, ist das noch so geprägt?

JANA PANNENBÄCKER

Ich glaube, dass das manchmal schon so ist, das einem verkörpert wird „Ja, für gewisse Dinge muss man was leisten und man muss da natürlich was wir tun.“ Und da gehört eben auch zu, dass man Überstunden macht und vielleicht nochmal eine Extraschicht und nochmal. Ich persönlich finde aber gerade diesen Punkt Vorbilder zu haben, unglaublich wichtig. Und das ist aus dem Punkt, wo ich sage, das ist das, was wir eigentlich auch als junge Kolleginnen und Kollegen brauchen. Frauen, die in Führungspositionen kommen und als Vorbild dafür da sind, dass, dass man sehen kann „Okay, man kann vielleicht Familie, Beruf und Karriere vereinen.“ Und das ist vielleicht dann auch jemand, der dann sagt „Na ja, gut, ich habe meinen Weg auch so gefunden, dass ich auf mich selber aufgepasst habe und eben nicht immer noch eine Stunde mehr und noch eine Stunde mehr gemacht habe.“

JULIA ROTHERBL

Was wäre denn jetzt… Du stehst hier am quasi Anfang deiner Ärztinnenkarriere? Was wäre denn für dich so ein ideales Arbeitsumfeld? Was wären für dich ideale Arbeitsbedingungen?

JANA PANNENBÄCKER

Also ich glaub, ganz wichtiger Punkt ist eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, also gewisse zeitliche Flexibilität zu haben. Geteilte Führungspositionen sind ganz wichtig. Und ja, als drittes ist glaube ich, einfach wichtig, dass man so sich selber da nicht verliert. Also, irgendwie, dass Möglichkeiten da sind, die eigenen Interessen irgendwie auszuleben. Und damit meine ich vor allen Dingen, sei es jetzt, wenn man eine bestimmte medizinische Zusatzbezeichnung noch erwerben möchte, dass dafür Zeit ist oder irgendwelche Behandlungsmethoden oder so. Dass man einfach sozusagen, dass, wo man selber für brennt - wo wir jetzt wieder beim Thema ausbrennen sind, aber - das irgendwie umsetzen zu können.

JULIA ROTHERBL

Ja, ich fand den Vorschlag von dir euch echt spannend vorher, dass du gesagt hast, dass für Berufspolitik vielleicht auch bestimmte Stunden einfach freigestellt werden müssten. Also, ist jetzt zum Beispiel bei den Betriebsräten auch so. Also, genauso wie für Zusatzausbildungen vielleicht gewisse Zeiten eingeräumt werden müssten, wäre das ja auch ein Punkt. Die Abschlussfrage dreht sich nochmal um das Thema ausbrennen. Du hast grad deine Fachärztinnenprüfung gemacht. Du machst eine Weiterbildung im Bereich Psychotherapie und engagierst dich eben berufspolitisch. Und ich würde ich als Abschluss gerne fragen, wie du eigentlich selbst auf Deine mentale Gesundheit achtest?

JANA PANNENBÄCKER

Vielleicht manchmal etwas wenig. Nein, also… Ja, also, das ist mit Sicherheit ein Punkt, wo ich immer wieder aufpassen muss, dass… Wo ich, wenn ich so ehrlich antworte, auch so eingestehen. Ich glaube, ich habe einfach… Ja, also, die Natur, was ich vorhin schon angesprochen hatte, ist einfach für mich eine ganz große Kraftquelle. Ich reite zusätzlich noch, das heißt, ich habe meine Pferde und Familie, Freund und Freunde, die natürlich da sind, irgendwie eine Kraftquelle bieten. Und ich glaube und da bin ich halt immer noch fest überzeugt, wenn man irgendwas mit Begeisterung macht, dann glaube ich, tut einem das letztendlich gut, und das ist… Also, das ist einfach was, was ich, ja, was ich einfach nur sagen kann, dass ich das, was ich hier mache nebenbei, wirklich gerne mache. Und ich habe einfach das Gefühl „Okay, ich kann da was bewirken“ und deswegen ist es eher zwar natürlich hin und wieder eine Belastung, aber es ist einfach etwas, wo ich auch sage „Okay, gut, das tut mir gerade gut, das tue ich für mich.“

JULIA ROTHERBL

Also, wer sich bildungspolitisch engagieren will, es lohnt sich! Danke Jana, dass du hier zu Gast warst. Hat mir viel Spaß gemacht!

JANA PANNENBÄCKER

Ja, vielen, vielen Dank, dass ich zu Gast sein durfte.

BIS ZUM NÄCHSTEN MAL

JULIA ROTHERBL

Jana und ich haben uns ja gerade über das Thema Fort- und Weiterbildung unterhalten und ich denke, viele von euch kennen das auch, dass es im stressigen Klinikalltag oder auch in der stressigen Hausarztpraxis relativ schwer ist, sich ständig auf dem neuesten Stand der Forschung zu halten. Und dafür möchte ich euch ein Podcastformat ans Herz legen, nämlich „Ne Dosis Wissen“ von meinen Kolleg*innen Doktor Laura Weisenburger und Doktor Dennis Ballwieser. Die erklären jeden Tag in wenigen Minuten zu einem bestimmten Thema den neuesten Forschungsstand. Kann man sich einfach anhören bei einer Tasse Kaffee. Die nächste Folge „Frau Doktor, übernehmen Sie!“ erscheint in 14 Tagen am Montag. Ich freue mich auf euch.

SPRECHERIN

Frau Doktor, übernehmen Sie! Ein Podcast von gesundheit-hören.de und Apotheken Umschau Pro.

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