Warum es sich lohnt, beruflich breit aufgestellt zu sein

Shownotes

Ob manche Leute eigentlich mehr als 24 Stunden am Tag zur Verfügung haben? So scheint es zumindest, wenn man sich anschaut, was Dr. Susanne von der Heydt neben ihrem Job als Ärztin noch alles macht. Sie ist Kinderchirurgin, war lange an der Charité, hat jetzt eine eigene Praxis und engagiert sich nebenher unter anderem in der Ärztekammer Berlin, im Marburger Bund und in der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG). Wie sich all diese Aufgaben und die beruflichen Tätigkeiten gegenseitig befruchten, erzählt sie in dieser Folge.

Mehr zu unserer Gästin: https://praxis-vonderheydt.de/

Zur Webseite von KLUG e.V. https://www.klimawandel-gesundheit.de/

Über 60% der Medizinstudierenden in Deutschland sind weiblich. Doch nur etwa jede zehnte Führungsposition in der Medizinbranche ist von einer Frau besetzt. Wie können es Frauen trotzdem ganz nach oben schaffen? Das möchte Julia Rotherbl, Chefredakteurin der "Apotheken Umschau", herausfinden. Zusammen mit Frauen, die von ihrem persönlichen Karriereweg erzählen.

Montags alle 14 Tage erscheint eine neue Folge. Habt Ihr Fragen, Anregungen oder Kritik? Dann schreibt uns gerne an redaktion@gesundheit-hoeren.de

Redaktion: Julia Rotherbl, Anja Kopf; Schnitt und Post-Produktion: Yves Seissler, Anja Kopf


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Transkript anzeigen

[00:00:00]

Willkommen Dr. Susanne von der Heydt

Susanne von der Heydt - Also ich finde, es hat sich ja absolut durchgesetzt, dass man erstmal was Positives sagt, bevor was Negatives kommt. Das ist so Usus, dass wenn jemand was Nettes sagt, dann werde ich schon so... Denk so „Oh, Was kommt denn jetzt noch hinterher?!“

Sprecherin - Frau Doktor, übernehmen Sie!

Julia Rotherbl - Fragt ihr euch bei manchen Leuten auch, ob die eigentlich mehr als 24 Stunden zur Verfügung haben? Ich hab mich das gefragt, als ich mir angeguckt habe, was meine heutige Gästin Dr. Susanne von der Heydt so neben ihrer medizinischen Tätigkeit noch so macht. Susanne ist Kinderchirurgin, war lange an der Charité, hat jetzt eine eigene Praxis und engagiert sich nebenher unter anderem in der Ärztekammer Berlin, im Marburger Bund und in der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. Wie sich all diese Aufgaben und die berufliche Tätigkeiten gegenseitig befruchten, das erzählt uns Susanne heute in dieser Folge.Mein Name ist Julia Rotherbl. Ich bin Chefredakteurin der Apotheken Umschau und hoste diesen Podcast. Und ich wünsche viel Spaß euch beim Zuhören.

Sprecherin - Ein Podcast von gesundheit-hören.de und Apotheken Umschau Pro.

[00:01:32]

Warum es sich lohnt, sich beruflich breit aufzustellen

Julia Rotherbl - Liebe Suanne, ich freue mich sehr, dass du heute hier bist.

Susanne von der Heydt - Ja, Julia. Ich freue mich auch, dass ich hier sein kann und freue mich auf unser Gespräch.

Julia Rotherbl - Und ich muss sagen, die Folge ist etwas Besonderes, weil wir viele Folgen jetzt virtuell aufgenommen haben. Und Susanne und ich sitzen tatsächlich in einem Raum. Im Hauptstadtbüro der Apotheken Umschau in Berlin in der Bundespressekonferenz. Das heißt, wir sitzen tatsächlich nebeneinander, während wir sprechen!

Susanne von der Heydt - Es ist eine große Freude tatsächlich.

Julia Rotherbl - Susanne. Ich habe mich natürlich im Vorfeld dieses Podcasts mit deinem Lebenslauf beschäftigt. Anja hat auch kräftig recherchiert, unsere Podcastredakteurin, und es ist eine sehr lange Liste zustande gekommen an beruflichen und ehrenamtlichen Positionen. Würdest du uns vielleicht ganz kurz mitnehmen in deine Karriere und kurz sagen, was du momentan alles tust, haupt- und ehrenamtlich?

Susanne von der Heydt - Ja, das mache ich gerne. Dennoch muss ich sagen, dass mir auch auffällt, dass wenn ich aufgefordert werde, das alles zu sagen, das tatsächlich ab einem gewissen Punkt zu einer Irritation führt, weil die Leute, glaube ich, gerne Schubladen aufmachen. Und wenn ich sage, ich bin Kinderchirurgin und dann... wie ja die meiste Zeit meines Lebens an der Charité, dann hab ich den Eindruck, damit sind die dann gut versorgt an Information.Und wenn ich dann irgendwie sage, ich hab aber auch immer parallel noch in den Medien gearbeitet und medizinjournalistisch und hab da Beiträge gemacht oder auch mal ein Online-Portal erstellt, dann merke ich schon, das kriegen die nicht so richtig eingeordnet. Und wenn ich dann berichte - begeistert - dass ich nochmal Public Health studiert hab berufsbegleitend, dann gehen diese auf ne Reise und dann hab ich auch den Eindruck, dann möchten die gar nicht mehr so viel mehr hören. Aber du möchtest ja gerne...

Julia Rotherbl - Ich möchte gerne.

Susanne von der Heydt - Also ich... Das ist glaube ich sozusagen die haupt-.... drei Säulen, die ich so ein bisschen vertrete. Und dadurch bin ich eben auch berufspolitisch aktiv geworden - ich denke so der Auslöser war tatsächlich das Public Health Studium - und bin im Vorstand der Ärztekammer Berlin. Ich bin auch im Vorstand des Marburger Bundes, weil ich war ja quasi meine meiste Berufszeit angestellte Ärztin in einer großen Uniklinik. Und das bin ich aktuell weiterhin. Ich bin jetzt an die Uniklinik Halle gewechselt. Ich habe einen Schwerpunkt in angeborener Gefäßfehlbildung und dort gibt es ein super Team, dem ich jetzt angehöre. Und habe eine Praxis in Berlin. Jetzt habt ihr ja recherchiert - was hab ich denn noch vergessen?

Julia Rotherbl - KLUG hast du vergessen.

Susanne von der Heydt - KLUG hab ich vergessen. Bei KLUG engagiere ich mich auch. Da geht es ja um die Gesundheit und Klimawandel und Gesundheit und da bin ich in der Arbeitsgruppe der Pädiatrie und engagiere mich auch.

Julia Rotherbl - Würdest du mir kurz sagen, was du deine Motivation ist, so viele Schubladen aufzumachen, so viele Dinge zu tun, so viel verschiedene Dinge anzugehen?

Susanne von der Heydt - Ja, tatsächlich eben, wenn man das aufzählt, dann erscheint es mir auch sehr viel. Aber für mich, glaube ich, ergibt das tatsächlich ein sehr rundes Bild. Und ich glaube eben auch, dass es sich jetzt zu einem Kreis schließt. Weil das eine befruchtet das andere. Das Wissen was ich habe aus der tatsächlichen praktischen Arbeit, die ich wirklich, wirklich gerne und mit Leidenschaft tue, hilft bei den anderen Dingen. Man ist überzeugender, wenn man es wirklich erlebt. Und ich bin einfach wahnsinnig neugierig. Ich sehe es immer andersherum, mir fallen noch so viele andere Dinge ein, die ich gerne machen würde und weniger, das es eigentlich schon möglicherweise zu viel sein könnte.

Julia Rotherbl - Als Frage für junge Ärztinnen, die diesen Podcast vielleicht auch hören, wie stark befruchtet denn dein Engagement außerhalb deiner hauptberuflichen Tätigkeit auch wiederum deine Karriere als Ärztin?

Susanne von der Heydt - Ich persönlich würde sagen, es ist im Wesentlichen die Zufriedenheit und das Glück mit dem, was man so macht. Und da glaube ich befruchtet es sich unglaublich. Also der freie Blick, das Gefühl der Unabhängigkeit. Ich hab das ganz besonders gespürt, auch im klinischen Alltag. Das Gefühl zu haben, das ist nicht das Einzige, was ich kann und gerne tue, hat mich fast noch besser gemacht.Und was ich natürlich auch häufig gefragt werde, ist, wie ich das dann noch mache mit der Familie und den Kindern. Und da muss ich sagen, ist das... verhält sich das genau so. Sowas wie bei KLUG mitmachen. Das glaub ich tut man ganz anders, wenn man vier Kinder hat. Möglicherweise. Ich will jetzt nicht sagen, aber ich hab natürlich zuhause auch dann diese Gesprächspartner. Ich bin ja jetzt in der AG Pädiatrie, also Kinder... Und das ist natürlich toll, dass man den Dialog oder das Gespräch zu Hause auch führen kann. Da nehme ich natürlich sehr viel mit. Und das sind ja dann nicht nur meine Kinder, es sind natürlich auch die Freunde der Kinder, die bei uns sind. Und ich empfinde das tatsächlich alles mit großer Dankbarkeit.

[00:06:49]

Wie kann man in der Medizin klimafreundlicher arbeiten?

Julia Rotherbl - Susanne. Ich würde gerne auf einen Themenbereich kommen, den du schon angesprochen hast - KLUG. Also den Bereich Klimaschutz in der Medizin, in der Gesundheitsbranche. Wie kann man als Arzt oder als Ärztin klimafreundlicher arbeiten?

Susanne von der Heydt - Also es ist quasi so, dass das Verständnis einfach dafür da sein muss, dass das alle Bereiche betrifft. Und die Anstrengungen, die wir ja versuchen zu machen, ist, dass das quasi in unser normales Denken mit aufgenommen wird. Und wenn man dann sagt „Ja, was kann man denn da tun?“, dann sind es eigentlich immer die gleichen Bereiche, die man anschauen sollte. Das ist, dass man einen klimafreundlichen Energielieferanten hat, dass man darüber nachdenkt, dass man über die Räumlichkeiten nachdenkt, was könnte ich da verbessern, was das Klima angeht? Also ich sage jetzt mal, wir hatten ja ganz heiße Tage, was können wir da machen mit dem Hitzeschutz. Und da ist es eben nicht einfach eine Klimaanlage einbauen, sondern auch die anderen Dinge bedenken. Wie könnte ich verschatten? Wie könnte ich die Temperatur in den Räumen runterbringen?Dann ist das natürlich beim Einkauf. Also Kliniken und Praxen kaufen ja viele Dinge ein, dass man darüber nachdenkt, wie kann ich das verbessern? Und die Gesundheitswelt, die hat einen sehr großen Anteil an dem CO2-Abdruck, den wir für das Klima machen. Insofern müssen wir das mitdenken. Und das ist ja das Naheliegendste, weil wir tatsächlich nicht gesund sein können auf einem nicht gesunden Planeten. Und die Auswirkungen des Klimawandels in all ihren Bereichen natürlich dann auch wieder - wie in einem Kreislauf, weil eben alles miteinander zusammenhängt - auch wieder auf uns zurückfällt.

Julia Rotherbl - Wie bist du denn auf dieses Thema gekommen? Also wann hast du gewusst, dass du dich dafür engagieren willst? Gab es da einen Schlüsselmoment?

Susanne von der Heydt – Also, ich glaube aufgefallen, oder das Verständnis, dass das alles zusammenhängt, ist mir schon sehr früh aufgefallen. Weil ich auch in anderen Ländern gearbeitet habe. In Afrika. Und dort gemerkt habe, wir haben hier ja ganz andere Krankheitsbilder und wie setzt sich das zusammen? Und dann liegt es auf der Hand. Ja, man hat dann dort ganz viele Kinder, die fehl- und mangelernährt sind. Man hat die ganzen Krankheiten, die durch Mücken übertragen werden und das ist natürlich automatisch so, dass einem klar wird, man kommt zurück und hier haben wir die ganz anderen Probleme.

Hier merkt man als Kinderchirurgin über die Jahre, in der man in diesem Bereich arbeitet, dass anstatt diese Mangelernährung zu haben, müssen wir unsere OP-Instrumente verändern, weil einfach auch die Fettschicht häufiger dicker wird, die OP-Tische für Kinder reichen häufig nicht mehr. Da ist eine Entwicklung, die, gerade wenn man sich dann umschaut in der Welt, einem sehr deutlich wird, wie unterschiedlich diese Auswirkungen sind.

Und dann durch das Public Health Studium muss ich sagen, wurde das natürlich nochmal viel deutlicher und wissenschaftlicher mir auch vorgetragen. Dann konnte ich das alles ein bisschen besser verstehen. Und ich habe dann auch Erfahrungen gemacht, die muss man erst einmal machen. Ich hab gedacht, das ist ja total klar, was wir hier fordern. Da sind wir uns doch alle einig. Aber da gibt es auch sehr viele Kollegen - also vor allen Dingen Kollegen - die bei solchen Dingen wie z.B. ein Tempolimit zu fordern - das gefällt denen gar nicht. Oder wir haben gesagt, man könnte doch mal fordern, dass wir wieder mal als Beispiel vorangehen und bei unserem Catering und bei diesen Essensangeboten uns auch an die Empfehlungen halten und es vielleicht weniger fleischlastig machen. Wir haben nicht gefordert, dass es ausschließlich vegetarisch würde. Und das hat einen großen Widerstand hervorrufen. Also, insofern will ich auch sagen, ja, es gibt, an allen Fronten ist noch Überzeugungsarbeit zu machen.

Julia Rotherbl - Wie gehst du damit um, wenn du merkst, dass da teilweise tatsächlich noch sehr viel Überzeugungsarbeit notwendig ist? Macht dich das wütend? Nimmst du das mit nach Hause? Denkst du da abends drüber nach?

Susanne von der Heydt - Ja klar! Und das ist natürlich dann wieder auch so ein Punkt, wo es einem gut tut, wenn man in einem guten sozialen Gefüge ist und nicht zuletzt die Familie zuhause, mit der man das dann austauschen kann. Am meisten ärgert mich, glaube ich, wenn ich unvorbereitet bin und wenn mir dann quasi... wenn ich in ein Gespräch gerate, wo ich einfach überrascht war, dass man so einen Widerstand bekommt und... Aber es trainiert einen natürlich auch und man bekommt ein bisschen Übung. Und natürlich weiß ich auch, dass...

[00:12:08]

Das „Ich würde sagen...“-Spiel

Julia Rotherbl - Ich würde jetzt gerne - als kurzen Break in unserem Gespräch - ein Spiel mit dir spielen. Dieses Spiel spielen wir in jeder Folge. Wer uns öfter zuhört kennt es auch schon und weiß auch, dass wir jetzt eine dritte Person zu uns holen. Nämlich Anja, die Redakteurin dieses Podcasts, die auch gleich das Spiel leiten wird. Hallo Anja!

Anja Kopf - Genau. Hallo. Und „dazuholen“ finde ich diesmal auch besonders lustig, weil ich bin per Video zugeschalten. Deswegen sehe ich euch beide hier auf dem Bildschirm. Und genau, ich fasse nochmal kurz zusammen wie dieses Spiel geht für alle, die vielleicht doch das erste Mal eingeschalten haben. Ihr beide bekommt abwechselnd Sätze, Satzanfänge vorgelesen und - relativ simpel - ihr müsst sie einfach vervollständigen. Mit dem ersten, was euch in den Kopf kommt. Das können kurze Antworten sein, lange Antworten sein, wie es euch beliebt. Genau.Julia Rotherbl - Susanne, ich kenne sie auch nicht. Falls du denkst, das wäre eine unfaire Situation. Ich schwöre, ich kenne sie nicht. Auch meine nicht.

Susanne von der Heydt - Ich weiß aber jetzt schon, dass es ein Spiel ist, von dem mir dann morgen beim Hundespaziergang einfällt, was ich hätte eigentlich sagen wollen.

Anja Kopf - Aber du kannst uns ja einfach per Mail noch die Antworten nachschicken und dann sind wir zu zweit einfach davon beeindruckt!

Susanne von der Heydt - Das ist ein Angebot. Das wissend lässt mich jetzt noch spontaner sein.

Anja Kopf - Alles klar! Gut, ich fange mal mit dem ersten Satz an. Für dich, Susanne „Freies Slots in meinem Terminkalender…“

Susanne von der Heydt - ...sind im Moment fast nicht vorhanden.

Julia Rotherbl - Aber wir haben noch einen ergattert.

Anja Kopf - Man muss aber sagen, wir nehmen abends auf, ne? Also...

Susanne von der Heydt - Aber ich würde vielleicht tatsächlich sowas sagen wie, das hat immer mit Prioritäten zu tun. Freie Slots gibt's immer für nette Leute. Für wichtige Dinge. Für Notfälle. Für meine Kinder, wenn sie mich wirklich brauchen oder meinen Mann zum Beispiel. Also ich glaube, es ist immer am Ende auch eine Frage der Prioritäten.

Anja Kopf - Mhm. Julia, du bekommst den Satz „Mein liebstes Magazin zum Zerstreuen ist…“

Julia Rotherbl - Oh Gott!

Susanne von der Heydt - Das hätt‘ ich jetzt gerne bekommen!

Julia Rotherbl - Das ist jetzt aber gemein! Ich muss jetzt natürlich politisch korrekt die Apotheken Umschau sagen.

Susanne von der Heydt - Hah. Ne.

Julia Rotherbl - Aber nein. Sage ich nicht. Also tatsächlich. Also das hört sich jetzt total schlimm an, was ich jetzt gleich sage, aber was ich echt total gern mache um zu Zerstreuen und vor allem um nicht wieder auf irgendeinen Bildschirm oder so zu starren sind Kreuzworträtsel und Sudoku. Und zwar auf diesen... in diesen kleinen Rätselzeitungen, die man so kaufen kann.

Susanne von der Heydt - Aber die gibt's ja in der Apotheken Umschau auch!

Julia Rotherbl - Ja, genau. Und da kann ich echt total gut abschalten, weil ich dann echt nur knobel und an nichts anderes denke. Das zerstreut mich total. Und ich muss nicht auf einen Bildschirm starren.

Susanne von der Heydt - Aber wenn wir jetzt ehrlich sind, Anja, dann hat sie die Frage natürlich nicht beantwortet, weil sie hat nicht die Zeitschrift gesagt, sondern…

Anja Kopf - Ich wollte jetzt eigentlich diplomatisch sagen, im Weitesten gefasst ist das ein Magazin und dann können wir sogar die politisch korrekte Antwort Apotheken Umschau ja nennen, weil da gibt's ja auch Rätsel drinnen.

Julia Rotherbl - Ja.

Anja Kopf - Ich ich lasse es durchgehen. Ich lass es durchgehen.

Julia Rotherbl - Danke.

Anja Kopf - Julia muss das Spiel ja auch öfter spielen, die Arme!

Julia Rotherbl - Jedes mal.

Anja Kopf - Okay. Der nächste Satz, Susanne, für dich. „In meiner Karriere hätte ich mir mehr Unterstützung gewünscht von…“

Susanne von der Heydt - Das kann ich hier jetzt nicht sagen. Mir würde schon mal jemand einfallen, wo ich weiß, das hätte optimaler sein können. Es war auf jeden Fall, weil ihr ja auch in den Podcasts das immer so ein bisschen herausarbeitet und da muss ich sagen, habe ich... Ein paar habe ich mir tatsächlich angehört und ich finde, man muss jetzt auch mal deutlich sagen, sehr, sehr viele Frauen haben betont, sie wurden von vielen Männern unterstützt und gefördert. Und das war bei mir absolut auch so. Das muss ich wirklich sagen, weil auch da finde ich müssen wir wegkommen von der Debatte, dass wir irgendwie schlecht behandelt würden, nicht? Das kann ich gar nicht so sagen. Und ich würde auch sagen, es wäre wirklich ungerecht.

Anja Kopf – Julia. Ich habe einen letzten Satz für dich. Der heißt „Feedback ist für mich…“

Julia Rotherbl - ...total wichtig. Und was ich ehrlich gesagt weniger ertrage, ist positives Feedback. Viele Menschen tun sich ja andersherum schwer, aber ich sage dann immer „Ja, aber damit kann ich ja jetzt nichts anfangen. Weil wenn jetzt alles toll ist, dann was...? Was soll ich dann jetzt ändern? Ich hätte jetzt gerne ein paar Ansatzpunkte, was ich besser machen kann.“ Also mich bringt positives Feedback mehr aus dem Konzept als Negatives. Da weiß ich irgendwie besser damit umzugehen, weil dann hab ich irgendwie Ansatzpunkte mit denen ich arbeiten kann.

Susanne von der Heydt - Aber es ist doch auch ein Ansatzpunkt, wenn man weiß, dass ist gut angekommen. Das hab ich gut gemacht. Das ist doch auch ein Ansatzpunkt!

Julia Rotherbl - Ja, man... also man darf mir schon sagen, was gut ist. Aber es wäre schön, wenn sich ein „Aber“ anschließt. Ich finde das immer sehr verdächtig, wenn was komplett gut sein soll. Aber vielleicht ist das ja auch eine Persönlichkeitssache.

Susanne von der Heydt - Also ich finde, es hat sich ja absolut durchgesetzt, dass man erstmal was Positives sagt, bevor was Negatives kommt. Deshalb finde ich schon immer, dass ist so Usus, dass wenn jemand was Nettes sagt, dann werde ich schon so... Denk so „Oh, Was kommt denn jetzt noch hinterher?!“

Anja Kopf - Gut, wir haben noch einen letzten Satz, der geht an dich, Susanne. Du darfst nämlich drei Sätze vervollständigen. „In Konfliktsituationen bin ich…“

Susanne von der Heydt - Tja, was bin ich da? Da bin ich wahrscheinlich im Konflikt. In Konfliktsituationen. Da bin ich mal so, mal so. Ich glaube, manchmal bin ich wahrscheinlich eingeschüchtert und manchmal bin ich herausgefordert und manchmal bin ich vielleicht sogar amüsiert und manchmal bin ich angriffslustig. Ich glaube, das hat mit dem Konflikt zu tun. Es hat mit den Personen zu tun, die mit mir in einen Konflikt gehen wollen. Ich glaube, da hab ich die ganze breite Palette.

Julia Rotherbl - Aber du bist, du kannst Konflikte aushalten?

Susanne von der Heydt - Ja.

Julia Rotherbl - Das ist doch schon mal gut.

Susanne von der Heydt - Aber ich habe das auch gelernt. Tatsächlich. Ich habe das ganz bewusst gelernt. Ich glaube... Ich weiß nicht, Verallgemeinerungen sind ja immer schlecht. Ich glaube, dass in vielen Bereichen doch ein gewisses verstärktes Harmoniebedürfnis bei Frauen schon da ist. Und jetzt ganz im Gegensatz zu dir. Ich finde es schon schön, wenn man sich wohl aufgenommen und harmonisch einfindet und nicht sozusagen die ganze Zeit kritisiert wird. Das finde ich schon schön.

Anja Kopf - Nachdem ich merke, dass ihr euch weiterhin sehr gut unterhaltet, würde ich dieses Spiel mal beenden und ich würde tatsächlich gerne positives Feedback geben. Ich fand eure Antworten total gut und spannend.

Julia Rotherbl - Okay, damit kann ich leben.

Anja Kopf - Okay, cool!

Susanne von der Heydt - Ist nicht so schlimm, oder?

Anja Kopf - Also dann viel Spaß weiterhin beim Gespräch. Ich würde dann, genau, weiterhin zuhören und freue mich nochmal auf ganz viele andere anregende Tipps und Einsichten von dir, Susanne.

Julia Rotherbl - Danke Anja.

[00:20:00]Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit

Julia Rotherbl - Wir würden ein neues Kapitel in diesem Podcast aufmachen. Das passt jetzt auch so ein bisschen glaube ich, weil es auch ein neues Kapitel in deinem Leben ist. Das Thema Selbstständigkeit. Du hast eine eigene Praxis aufgemacht. Ich glaube, du hast auch schon länger darüber nachgedacht. Aber wie kam es dann zu dem Entschluss, es dann tatsächlich umzusetzen?

Susanne von der Heydt - Also ich glaube, es kam dann einfach sozusagen eins zum anderen. Das ist tatsächlich ja gar nicht so einfach, diesen Entschluss zu fassen und umzusetzen. Vor allen Dingen nicht in attraktiven Großstädten, weil wir da sehr überwacht sind, und das Ganze ist ja limitiert und man muss den Kassensitz kaufen und gegebenenfalls muss man dafür sehr viel Geld bezahlen. Und da gibt es einen großen Wettbewerb. Und da hab ich wirklich Dinge erlebt hier in Berlin über einen langen Zeitraum. Die wären auch nochmal einen Podcast wert. Also was da sozusagen auch an zum Teil krimineller Energie sich breit macht. Das war wirklich nochmal eine Erfahrung der anderen Art.Und jetzt hat es sich einfach so ergeben. Also ich hatte eben ein Angebot und das konnte ich nicht ausschlagen, wenn man so will. Ich kann dir aber sagen, es macht mir - obwohl das jetzt nie mein wirklich erklärter Berufswunsch war als ich angefangen hatte - macht es mir wirklich großen Spaß. Ich bin überrascht darüber, wie toll das tatsächlich ist und wie gut es zu mir passt, dass ich da die Verantwortung trage. Wie viel Spaß es mir macht, da auch dieses Team zu finden und mit denen das alles herauszufinden. Das ich immer wieder auch positiv inspiriert war.

Julia Rotherbl - Was sind denn die größten Punkte, die sich dann dadurch verändern, wenn man selbstständig als Ärztin arbeitet und nicht mehr angestellt ist? Was würdest du sagen, hat sich für dich, was sind die größten Veränderungen?

Susanne von der Heydt - Also ich glaube am positivsten empfinde ich dieses Verantwortungsgefühl, was natürlich vorher im Medizinischen auch absolut vorhanden war. Und trotzdem gibt es noch einen kleinen, feinen Unterschied. Ja, es ist sozusagen, es sind meine Räume, sind meine Entscheidung. Es ist mein Auftreten. Es ist meine Entscheidung, wie viel Zeit ich gebe. Es ist meine Entscheidung, unabhängig in der Therapie. Man muss sich nicht an, quasi, Dinge halten, die aus verschiedensten Gründen so gewollt werden. Das macht schon einen großen Unterschied.

Julia Rotherbl - Du hast jetzt das Positivste angesprochen. Das Negativste vielleicht?

Susanne von der Heydt - Naja das Negativste ist natürlich diese Regelungen und dass man, obwohl man einerseits das gesagt wird, das ist ein freier Beruf und man ist ja selbstständig, trotzdem unter diese ganzen Planwirtschaft fällt und Budgets.Und dann gebe ich da immer Nummern ein und dann blinkt das gelbe Feld und dann wird gesagt, das können Sie jetzt nicht kombinieren! Also ne, dann gebe ich ein, ich habe einen kleinen chirurgischen Eingriff vorgenommen, den ich auch wirklich vorgenommen habe. Also aus meinem logischen Verständnis würde ich sagen, ich habe eine Leistung erbracht, ich mache dafür die Nummer rein und dann blinkt das also gelb und dann steht, das können Sie nicht kombinieren, weil wenn Sie die Grundpauschal schon bekommen haben, so ungefähr dann, also das sind dann schon Dinge, wo man schon spürt da ist irgendwas jetzt mal nicht richtig in Ordnung. Aber da muss ich mich auch ein bisschen reinfinden. Das finde ich im Moment ein bisschen kompliziert.

Julia Rotherbl - Okay. Was würdest du denn Ärztinnen raten, oder Ärzten auch, die sich mit dem Gedanken tragen, sich selbstständig zu machen? Gibt es irgendetwas, wo du jetzt sagst, jetzt, wo du quasi den ersten Schritt vollbracht hast, die Praxis eröffnet hast, ist irgendetwas, was ich auf jeden Fall mitgeben würde?

Susanne von der Heydt - Also ich würde tatsächlich jedem einfach, der sich das vorstellen kann, dass er das gerne machen will, dem würde ich sagen - Tue das. Es wird gebraucht. Wir wissen, dass wir das brauchen. Und das muss ich tatsächlich sagen. In meinem Erleben ist mir immer irgendwie das als sehr schwierig erklärt worden und als ein bürokratischer Akt und fast nicht zu stemmen und so. Also es wurde mir quasi, von den Niedergelassenen wenig Positives entgegengebracht und das sag ich denen jetzt auch. Ich sage also, wenn wir wirklich wollen, dass sich mehr niederlassen, dann müsst ihr aufhören, das Ganze so negativ darzustellen.Und ich habe mir dann irgendwann überlegt, also so unglücklich sehen die ja gar nicht aus, ja? Und dann hab ich ja jetzt auch eine Zeit lang mal bei dem einen oder anderen gearbeitet. Da hatte ich natürlich auch das große Glück, bei jemandem gewesen zu sein, der das auch alles sehr positiv aufnimmt. Aber tatsächlich müssen wir ja feststellen, also wenn man Freude hat an dieser Tätigkeit, dann ist das ist das eine tolle Sache. Und es ist natürlich zu stemmen.

Julia Rotherbl - Susanne, wir hatten zuletzt in der Apotheken Umschau eine sehr schöne Zahl vermeldet - eine wie ich finde sehr schöne Zahl - dass die Mehrheit der Praxis Gründungen mittlerweile von Frauen realisiert werden. Das variiert natürlich dann auch ein bisschen so, also Dermatologie z.B. ist sehr weit vorne dabei natürlich. Wie wichtig findest du Frauenförderung in der Medizin?

Susanne von der Heydt - Ja, also Anja hat mich das ja im Vorgespräch auch schon gefragt. Und ich muss tatsächlich sagen, ich habe gar nicht das Gefühl, dass Frauen wirklich gefördert werden müssen. Ich begegne so vielen tollen, starken, aktiven Frauen. Trotzdem gibt es natürlich die Zahlen, die wir wissen, nicht? Also insofern gibt es da eine Diskrepanz. Aber deswegen müssen Frauen nicht gefördert werden. Ich glaube, was passiert, ist, das, was wir jetzt hier machen - wir aktivieren den Dialog, wir zeigen den Frauen, dass es manchmal noch ein kleines bisschen, vielleicht noch eine Etappe mehr sein könnte und warum das so wichtig ist. Und was wir vor allen Dingen, glaube ich, machen dadurch, ist es anregen im Denken und in der eigenen Überlegung. Was will ich eigentlich?Und das Dritte ist, dass wir... durch dieses aktive Tun decken wir Strukturprobleme auf die tatsächlich geändert werden müssen. Und wenn man sich damit nicht beschäftigt, dann werden sie auch nicht geändert. Und da gibt es natürlich schon einige, die man dann in diesem Prozess dann merkt, also auch in der Berufspolitik und so. Die müssen identifiziert werden und dann muss man sie gemeinschaftlich ändern und um sie dann zu ändern - weil wir wissen, Änderung ist schwer, gerade gegen Dinge die schon immer so waren - da müssen wir uns dann auch tatsächlich in dem Sinne zusammentun. Und ich habe wirklich viele, viele tolle Frauen kennengelernt, von denen ich sehr viel gelernt habe, die mir da auch Vorbild waren. Und dann ist es häufig ja so ein Ping-Pong Effekt, dass man sich dann unterschiedlich stärkt, wenn man es mal braucht.

Julia Rotherbl - Auch unser Gespräch war ein super schönes Ping-Pong-Spiel fand ich. Susanne, vielen Dank, dass du mein Gast warst. Meine Gästin warst!

Susanne von der Heydt - Ja, mir hat es auch großen Spaß gemacht. Vielen Dank Julia und vielen Dank Anja auch an dich.

[00:27:44]Bis zur nächsten Folge

Julia Rotherbl - Klimaschutz als Gesundheitsschutz. Für immer mehr Ärztinnen und Ärzte und generell für alle, die im Gesundheitswesen arbeiten, wird das Thema Klimafreundlichkeit bzw. Klimaneutralität vielleicht sogar ein immer wichtigeres. Wer sich da mal einlesen will oder vielleicht sogar selbst aktiv werden will, dem lege ich die Website von KLUG ans Herz. Wir haben euch den Link natürlich in die Shownotes dieser Folge gepackt.Wenn ihr weitere Ideen habt, worüber wir uns in diesem Podcast mit tollen Gästinnen unterhalten sollen, dann freuen wir uns über eine E-Mail. An redaktion@gesundheit-hören.de - ich sag schon mal Danke. Neue Folgen gibt es alle 14 Tage immer montags.

Sprecherin - Ein Podcast von gesundheit-hören.de und Apotheken Umschau Pro.

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